Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Arbeitsfeld und Arbeitsformen

Die Arbeit mit Kindern ist eines der Hauptarbeitsfelder der Evangelischen Jugend

Foto: dieprojektoren agentur für gestaltung und präsentation
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präsentation

Eine quantitative Erfassung des gesamten Arbeitsfeldes im Spektrum der aej ist nicht vorhanden. Keine Studie hat bislang verlässliche und repräsentative Daten darüber vorgelegt, wie Kinder Angebote der kirchlichen Jugendarbeit nutzen (die Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland differenziert z. B. nicht zwischen der Arbeit mit Kindern und der mit Jugendlichen). Verantwortliche für die Arbeit mit Kindern mehrerer Landeskirchen berichten, dass es in nahezu in jeder Kirchengemeinde Angebote für Kinder gibt. Im Bereich der Werke und Verbände Freikirchen sind ca. 4.500 regelmäßige Jungschargruppen erfasst.

Heterogenität der Lebenslagen - Vielfalt der Arbeitsformen

Die Lebenslagen von Kindern in unserer Gesellschaft ist uneinheitlich. Welten können zwischen dem Lebensalltag der Kinder ein und der selben Schulklasse oder Kindergruppe liegen. Daraus ergeben sich differenzierte Herausforderungen für die Arbeit mit und von Kindern. Die Herausforderungen werden angenommen in der Arbeit mit Kindern, entsprechend sind ihre Formen geprägt von ihrer Vielfalt.

Für die Realität der Arbeit mit Kindern bedeutet dies ein buntes Neben- und Miteinander von unterschiedlichsten Arbeitsformen. Traditionelle Modelle wie die Jungschargruppen oder Christenlehre sind ebenso zu finden, wie Formen der Projektarbeit oder einmaliger Events für Kinder. Neben diesen – letztgenannten – moderneren Arbeitsformen ist die kontinuierliche Gruppenarbeit in der Arbeit mit Kindern jedoch kein „Auslaufmodell“. Vielmehr kann sie als Regelfall für die Arbeit mit Kindern angenommen und vorausgesetzt werden.

Allen Angeboten und Arbeitsformen ist gemeinsam, dass sie Kinder als Individuen wahrnehmen. Die Beziehungsarbeit als durchgehendes Motiv bietet dafür die Basis. Die große Leistung der zahlreichen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in diesem Arbeitsfeld ist, dass sie Kinder ernst nehmen und auf dieser Basis mit ihnen arbeiten, ihnen Glaubenserfahrungen ermöglichen, ihre Interessen vertreten und mit ihnen gemeinsam Freiräume in Kirche und Gesellschaft erobern.

Die Angebote für die Arbeit mit Kindern sind Bildungsangebote. Bildung in diesem Sinne ist mehr als Wissenserwerb, sie findet prozesshaft statt und ist Ressource der Lebensentwicklung, -führung und –bewältigung. Die Arbeit mit Kindern ist in erster Linie nichtformelle Bildung, da sie das Freiwilligkeitsprinzip zum obersten Gebot hat. Anteile von formeller und informeller Bildung sind zugleich Bestandteile der Angebote, die strukturell und funktional aufeinander bezogen sind.

Zusammengefasst macht dies die besondere Qualität der Arbeit aus: Es geht nicht um ein ein- oder zweistündiges Programmangebot oder um eine möglichst professionelle Kinder-Unterhaltung, sondern darum, Gemeinschaft zu haben und zu ermöglichen. Die Arbeit mit Kindern ist eine Form von junger Gemeinde, von „Kinder-Gemeinde“

Der lange Weg zu einer kinderfreundlichen Kirche und Gesellschaft

Der Einsatz für die Beteiligung der Kinder ist  im gesamten gesellschaftlichen Umfeld nötig. Häufig werden ihre Interessen nicht berücksichtigt, wenn es um die Gestaltung ihrer Lebensräume geht. Anknüpfend an bewährten Formen der Beteiligung von Kindern an Planungs-­ und Entscheidungsprozessen, z.B. bei Freizeitmaßnahmen oder Aktionen, sind neue, wei­tergehende Möglichkeiten der Partizipation von Kindern entwickelt worden.

Kindergipfel, Kinderparlamente, Kindertribu­nale oder Kinderdemonstrationen sind heute feste Be­standteile der Arbeit mit Kindern. Den Ausgangspunkt bilden dabei in der Regel konkre­te Probleme - fehlende Spiel- und Betreuungsmöglichkeiten, Verkehrsberuhigung, die Anlage bzw. der Schutz von Biotopen u.a. - im Wohnumfeld, die die Lebenssituation der Kinder ent­scheidend prägt. Die Weiterentwicklung solcher Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder ist ein laufender Prozess. Die Basis für diese Arbeit liegt in den jugendpolitischen Netzwerken und Strukturen, die Jugendverbände in den letzten Jahrzehnten entwickelt und aufgebaut haben. Für den nachhaltigen und effizienten Einsatz für Kinder-Interessen ist die kontinuierliche Mitarbeit in jugendpolitischen Vertretungsstrukturen wie Jugendringen und Jugendhilfeausschüssen unerlässlich. Die Evangelische Jugend leistet dies auf breiter Ebene – von Kreisjugendringen bis zur Mitarbeit in der National Coalition für die Umsetzung der Kinderechte auf Bundesebene.

Kinder sind ein Geschenk an die Kirche

Trotz aller Anstrengungen spukt in vielen Köpfen von Erwachsenen ein Bild von Kirche und Gemeinde herum, in die Kinder hereingeführt und eingegliedert werden müssen, die letztlich ein gegenüber von Kindern ist. Diese Haltung ist es, der die EKD-Synode in Halle im Jahre 1994 mit ihrer Forderung nach einem „Perspektivenwechsel“ so vehement entgegengetreten ist. Im Nachgang zu dieser Synode schrieb Manfred Kock: „Es könnte auch darum gehen, den Erwachsenen zu ermöglichen, das Reich Gottes wie die Kinder zu empfangen.“ Dies erleben viele Aktive in der Arbeit mit Kindern und dies ist auch der Kirche als Ganzem zu wünschen.

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