Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Treffpunkt Ausstellung

Mit Elementen der Konzeptionskunst greift der Treffpunkt Ausstellung das inhaltliche Anliegen des youngPOINTreformation (yPr) auf. Die Gestaltung ist dynamisch und in steter Veränderung begriffen.

Der Treffpunkt Ausstellung ist mehr als eine Ausstellung, deren Exponate beim Rundgang wahrgenommen werden. Das interaktive Angebot entwickelt sich im Lauf der Zeit durch die Menschen, die die Ausstellung besuchen. Sie blickt auf die unvorstellbare Zeitspanne von fünfhundert Jahren, hat selbst ihre begrenzte Zeit in Wittenberg am Beginn des 21. Jahrhunderts und lädt Menschen ein, hier für eine bestimmte Zeit zu verweilen. Menschen aller Generationen, die unterschiedlich viel Zeit hinter und vor sich haben. Menschen, die unterschiedliche Spuren in der Welt hinterlassen und in sich tragen.

Das Herzstück des Treffpunkts Ausstellung ist die Frage: wie will ich – wie wollen wir gut leben? Sie übersetzt Grundgedanken der Reformation, indem sie die Besucher(innen) fragen lässt: Woher kommen wir? Wohin führt unser Weg? Was wollen wir hinter uns lassen, welchen Ballast abwerfen? Was brauchen und nehmen wir mit auf dem Weg zum guten Leben? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist individuell oder im Gespräch mit anderen sowie auf unterschiedlichen Ebenen möglich. Gleichzeitig werden Fragen nach Ressourcenschonung und Nach-haltigkeit sowie Themen der Lebenswelt Jugendlicher aufgenommen.

 

Die Elemente des Treffpunkts Ausstellung (s. Skizze)

Das Empfangsstück (a)
Im zentralen Eingangsbereich zieht das Empfangsstück die Blicke auf sich. Ein computergesteuerter Wasserfall lässt in seinen zu Boden fallenden Tropfen einzelne Worte erkennen, die auf die Themen des yPr verweisen. Das Glitzern der Wassertropfen, die für kurze Augenblicke erscheinenden Worte und das Rauschen des Wassers ziehen die Besucher(innen) in ihren Bann und la-den zum Verweilen sowie zum Besuch der Ausstellung ein.

Das Empfangsstück greift die Idee des Leipziger Künstlers Julius Popp auf, der für eine Neuauflage seiner faszinierenden, bei der Ausstellung „Made in Germany“ 2007 in Hannover gezeigten Installation angefragt werden soll.

Das will ich – Das will ich nicht (b1 und b2)
Die oben formulierte Frage: wie will ich – wie wollen wir gut leben, wird durch die beiden Fragen – Das will ich/Das will ich nicht – visualisiert. Sie bestimmen den Innenraum. Künstlerisch gestaltet, werden sie an der linken bzw. rechten Wand auf eine Weise sichtbar, die zur Auseinandersetzung provoziert.
Ausgangspunkt für dieses Kommunikationselement ist das, was Reformation im Kern ausmacht. Re-Formation bedeutet Rück-Besinnen, das Überwinden von Entfremdung durch Bewusstmachen der eigentlichen Glaubensinhalte und ihrer Bedeutung für ein individuell und gemeinschaftlich verantwortetes Leben und Miteinander der Menschen auf der Erde. Etwas zu reformieren heißt nicht, es auf null zurückzusetzen, denn das Leben schenkt die Möglichkeit, neu anzufangen, aber nicht bei null. Dieser Gedanke entspricht dem für Christ(inn)en essentiell bedeutsamen Ruf Jesu zur Umkehr.
Die beiden Fragen sind nicht auf ein Schwarz-Weiß-Schema engzuführen: was ich will, ist gut, was ich nicht will, schlecht. Beide Fragen sind ambivalent und zusammenzudenken. Zugleich spiegeln sie jugendliche Lebenswirklichkeit. Nach außen demonstrieren junge Menschen oft, was sie nicht wollen. Was sie wollen, steckt in ihnen.

Die beiden Wände geben durch ihre anfängliche Gestaltung einen Impuls und werden von den Besucher(inn)en weitergestaltet und -entwickelt. Darin kommt die gewollte Dynamik und Veränderlichkeit der Ausstellung zum Ausdruck. Nichts muss bleiben, wie es war, alles kann verändert werden, im persönlichen Leben und in der Gesellschaft. Wie die Gestaltung der Wände und die Mitgestaltungsmöglichkeit konkret aussehen wird, ist im künstlerischen Konzept zu entwickeln. Auf jeden Fall wird sich die Gestaltungsmöglichkeit nicht im Angebot erschöpfen, etwas auf die Wände zu schreiben.

Impulse (d)
Die beiden Wände im Innenraum (Das will ich/Das will ich nicht) sind selbstredend. Um die Auseinandersetzung in ihrer individuellen und gesellschaftlichen Dimension deutlich zu machen und nicht bei einer oberflächlichen Schau stehen zu bleiben, regen akustische und visuelle Impulse zum Nachdenken aus vier verschiedenen Perspektiven an:

  1. Verantwortung für das Klima und eine zukunftsfähige Gesellschaft
  2. Versöhntes Miteinander in Europa
  3. Medienkompetenz und Leben in der digitalisierten Gesellschaft
  4. Religionen - die Gottesfrage

Die Impulse kommen von jungen Menschen, die sich im Vorfeld intensiv mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen. Sie formulieren ihre Gedanken, Fragen, Ideen und Anliegen dazu, die dann hier zu hören und zu sehen sind. Sie können, müssen aber nicht nach dem Satzschema Das will ich/Das will ich nicht formuliert sein. Entscheidend ist hier das, was jungen Menschen zum jeweiligen Thema unter den Nägeln brennt. So werden die Lebenswelten und Vorstellungen Jugendlicher abgebildet und erfahrbar.

Spuren hinterlassen – Besucherströme
In diesem Element tritt der tragende Gedanke der Umkehr in seiner individuellen und gemeinschaftlichen Dimension auf symbolischer Ebene zutage: Menschen hinterlassen Spuren – im Leben anderer und auf der Erde. Sie verlassen eingetretene Spuren und folgen neuen.

Beim Eintreten gehen die Besucher(innen) – wenn sie wollen – barfuß oder in Schuhen durch Salzwasser. Für eine bestimmte Zeitspanne hinterlassen sie ihre Fußabdrücke/Spuren auf dem Holzfußboden im Inneren. Und sie sehen die Spuren anderer noch frisch und nass oder bereits zu Salz auskristallisiert. Woher kommen wir und wohin gehen wir?

Es gibt verschiedene Zugänge und Möglichkeiten, sich darin zu bewegen. Es wird nicht vorgeschrieben, aber durch das auffällige Empfangsstück führt der „ideale“ und einladende Weg in den Innenraum, in dem dann verweilt wird, um ihn auf der anderen Seite wieder zu verlassen. Auch in der Bewegung durch den Raum konkretisiert sich der Gedanke der Umkehr noch einmal implizit mitgetragen, symbolisch und ohne dass dies plakativ erklärt wird.

Sitzen, verweilen, still sein, miteinander reden – die mobilen Kirchenbänke (c)
Als Sitzgelegenheit befinden sich im Innenraum auf Rollen montierte Bänke, die von Kirchen ausrangiert wurden. Die Rollen machen sie mobil und lassen unzählige Sitzgruppierungen zu: eine Bank für sich allein zum Betrachten einer der Wände, mehrere im Kreis zusammengestellt für größere und kleinere Gruppen, für einen Gottesdienst, einen Workshop und andere Programmformate. Bänke aus unterschiedlichen Epochen und Gegenden nehmen symbolisch das Thema Reformation und die zeitliche Dimension 500 Jahre auf. Die Besucher(innen) nehmen Platz auf einem Stück (Glaubens-)geschichte, denn auf diesen Bänken haben vor ihnen unzählige Menschen gesessen, gesungen, gebetet, geträumt, gelacht und getrauert.

Taufbecken und Altar (g und f)
Die Anwesenheit dieser beiden Elemente ist selbstredend in einem Raum, der Kirche sein will. Ob und wie sie in das Ausstellungskonzept einbezogen werden, ist momentan noch offen.

Ausstellungsfläche (e)
Hier können weitere Impulse für den Treffpunkt Ausstellung visualisiert werden. Die Fläche kann aber auch von den zeitlich begrenzt mitwirkenden Gruppen (s. u.) gestaltet werden. Hier ist konzeptionell weiter zu überlegen.

Und? Was nimmst du mit? – Das Giveaway
Eine Ausstellung, die zum Nachdenken über und Abwerfen von unnötigem Ballast motiviert, würde von einem Give-away konterkariert. Um das zu verhindern und dennoch das Bedürfnis nach etwas sichtbar Bleibendem zu stillen, gibt es am Ausgang eine Visitenkarte oder ein Festivalband, worauf schlicht und einfach geschrieben steht: „Und? Was nimmt du mit?“

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© Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej)