Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Mitarbeiter(innen) in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit

Mitarbeiter(innen) – ehrenamtliche wie hauptberufliche - sind eine der zentralen Voraussetzungen für das Zustandekommen von evangelischer Kinder- und Jugendarbeit. Die Erhebung für die Statistik der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit nimmt sie in den Blick – wiewohl der Fragebogen sich auf wenige Faktoren begrenzen muss, um praktikabel zu sein. Die Daten bieten aber genügend Anlass, um in den beteiligten Organisationseinheiten der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit weitergehende Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.
Zu den Daten der ersten Erhebung:

Ehrenamtliche Mitarbeiter(innen)

Vorweg muss daran erinnert werden, dass der Fragebogen Angebote fokussiert. Ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) werden somit über ihre Einbindung in einzelne Formate betrachtet. Dieselbe Person kann also in unterschiedlichen Formaten berücksichtigt sein. Die Gesamtschau der Daten gibt deshalb keine Gesamtzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter(innen) in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit wieder.

Die Daten belegen ein großes ehrenamtliches Engagement in der Evangelischen Jugend. Sie unterlegen, dass ehrenamtliches Engagement ein zentrales Strukturmerkmal der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit ist. Ohne die Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung für unterschiedliche Angebote evangelischer Kinder- und Jugendarbeit zu übernehmen, gäbe es die evangelischen Kinder- und Jugendarbeit weitgehend nicht.

Nimmt man eine Gesamtschau ehrenamtlicher Tätigkeiten über alle Angebotsformen hinweg vor so ergibt sich folgendes Bild:

Zusammengefasst heißt das:

  • Im Erhebungsjahr (Schuljahr 2012/2013) sind rund 300.000 Ehrenamtsposten aktiv besetzt. Diese Zahl beschreibt die untere Grenze, denn in der Erhebung sind wie ausgeführt nicht alle Organisationseinheiten mit ihren Angeboten erfasst.

  • Mit rund 56% dominieren weibliche Ehrenamtliche leicht.

  • Die Daten bestätigen einen Trend aus Praxisberichten – es gibt heute eine nennenswerte Zahl von Unter-16jährigen, die ehrenamtlich in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit tätig sind: auf rund ein Fünftel der Ehrenamtsposten trifft dies zu.

  • Erstaunlich ist die hohe Zahl an Über-27jährigen – rund ein Viertel der Ehrenamtsposten sind davon betroffen. Dies trifft insbesondere für den Bereich der Gruppenarbeit und der Veranstaltungen (dabei auffällig die hohe Zahl von Über 27Jährigen Frauen) zu. Eine Erklärung kann sein, dass die Arbeit mit Kinder und dort vor allem religionspädagogische Angebote von Frauen über 27 Jahren getragen werden. Diesem Ergebnis muss nachgegangen werden.

Eine angebotsspezifische Abbildung des ehrenamtlichen Engagements findet sich in der Auswertung der unterschiedlichen Angebotsformen.

Mit dem Fragebogen werden Daten über weitere Formate zum ehrenamtlichen Engagement erhoben, die die evangelischen Kinder- und Jugendarbeit praktiziert. Die sind zum einen Gremien, zu anderen Fortbildungen und „Dankeschön“-Veranstaltungen.

Gremien

Die Erhebung fragt nach Gremien und den da engagierten Ehrenamtlichen. Gremien können in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit sehr unterschiedliche Formate und Funktionen haben – mit koordinierendem Charakter wie Mitarbeiter(innen)kreise, in denen prinzipiell alle Ehrenamtlichen mitwirken können oder Verbands- bzw. Strukturgremien mit Ressourcenverantwortung, Steuer- und Entscheidungskompetenz wie zum Beispiele Jugendkonvente, Selbstvertretungsorgane, Jugendkammern, etc., die durch Delegation / Wahl besetzt werden. Die Erläuterungen zur Frage lenken den Blick mehr auf die die jugend- und kirchenpolitischen Verbands- bzw. – Strukturgremien Es ist deshalb plausibel davon auszugehen, dass die Mitarbeiter(innen)kreise weitgehend unberücksichtigt bleiben.

Die Erhebung weist 3.120 Gremien aus, in den 22.807 Ehrenamtliche mitwirken.

Es fällt auf:

  • Die Zahl der Ehrenamtlichen, die in jugend- und kirchenpolitisch orientierten Gremien mitwirken ist erwartungsgemäß deutlich kleiner als die Zahl derer, die sich in den konkreten Angeboten mit Kindern und Jugendlichen engagieren

Veranstaltungen für ehrenamtliche Mitarbeiter(innen)

Die Frage konzentriert sich auf Veranstaltungen, die den Dank für die ehrenamtliche Mitarbeit zum Ziel haben und auf Fortbildungen von Ehrenamtlichen, insbesondere auf Juleica-Schulungen die prinzipiell Grundlage und Voraussetzung für pädagogische ehrenamtliche Tätigkeiten in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit sind.

Es fällt auf:

  • „Dankeschön“-Veranstaltungen scheinen ein fester Bestandteil der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zu sein. Doch die Zahl von 43.733 Teilnehmenden zeigt, dass im Erhebungsjahr weit weniger Ehrenamtliche teilnehmen (können) als die knapp 300.000 aktiven Ehrenamtsposten erwarten ließen. Dieser Frage wird weiter nachzugehen sein.

  • Die Evangelische Jugend ist Trägerin von Juleica-Schulungen für Ehrenamtliche, die sich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagieren wollen. Absolvent(inn)en erhalten nach erfolgreichem Abschluss einen Jugendleiter(in)Card (Juleica). Rund ein Viertel der Fortbildungsangebote der Evangelischen Jugend berechtigen die Teilnehmenden zum Erwerb einer Juleica. In Anbetracht der Bedeutung der Juleica, die die Evangelische Jugend ihr gibt und der Vielzahl von gruppenpädagogischen Angeboten, die von Ehrenamtlichen getragen werden, scheint die Zahl der Maßnahmen und der Teilnehmenden niedrig. Hier sind weiterführende Recherchen in der Praxis und ein Diskurs über die Weiterentwicklung notwendig.

Hauptberufliche Mitarbeiter(innen)

In besonderer Weise sind hauptberufliche Mitarbeiter(innen) der „Backbone“ der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Sie unterstützen jungen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren (wollen), und halten ihnen administrativ den Rücken frei. Sie sind gleichzeitig Impulsgeber(innen), Berater(innen) und Fachkräfte für Kindheit und Jugend.

Nach der Datenlage arbeiten 3.761 hauptberufliche pädagogische Fachkräfte und 232 Jugendpfarrer(inn)en in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Es handelt sich dabei um Vollzeitäquivalente, d.h. die Anzahl der Beschäftigten umgerechnet in Vollzeitstellen. Hier ist zu erinnern, dass diese Zahl die untere Grenze darstellt, da nicht alle Organisationseinheiten sich beteiligt haben. In Relation zur Gesamtzahl von Beschäftigten in der Kinder- und Jugendarbeit nimmt die evangelische Kinder- und Jugendarbeit damit eine führende Rolle bei der Beschäftigung von hauptberuflichen Fachkräften ein: laut Kinder- und Jugendhilfestatistik sind im Referenzjahr 2010 insgesamt 20.734 Fachkräfte in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt (14. Kinder- und Jugendbericht, S. 280).

Mike Corsa

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