Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Kontinuierliche Gruppen

Fragebogen

Gefragt wurde nach kontinuierlichen Gruppen bzw. Kreisen. Als Merkmale für solche Kontinuität gelten im Fragebogen zum einen eine ausreichende Regelmäßigkeit der Gruppentreffen. Sofern sich die Gruppen wöchentlich oder auch in zwei- oder dreiwöchigem (mehrwöchigem) Rhythmus trafen, war das Kriterium der Regelmäßigkeit erfüllt. Zum anderen galt als Kriterium ein längerer Zeitraum, in dem sich die Gruppen trafen – zumindest länger als ein Vierteljahr. Darüber hinaus galt als Bedingung für eine Gruppe eine gewisse personelle Kontinuität der Teilnehmenden.

Inhaltlich unterschied der Fragebogen zwischen Gruppen mit „klassischem“ Programmmix, Gruppen mit besonderen inhaltlichen Schwerpunkten und Gremien.

In Gruppen mit „klassischem“ Programmmix spielen zwar auch Inhalte, insbesondere auch religiöse Programmteile, eine Rolle. Erfahrungsgemäß liegt allerdings ein Schwerpunkt solcher Gruppen auf den Beziehungen der Teilnehmenden untereinander (dem „Gruppenleben“) und den aus vielerlei Studien bekannten Anteilen von Spaß, Selbstgestaltung, sinnvoller Freizeitgestaltung etc.

Gruppen mit besonderen Schwerpunkten sind demgegenüber – bei aller Akzentsetzung auch hier auf der Beziehungsarbeit und den anderen oben genannten Momenten – von vornherein thematisch orientiert und haben ein klares inhaltliches Profil. Die thematisch-inhaltliche Schwerpunktsetzung liegt aller Erfahrung nach häufig auf religiösen Inhalten (z.B. Bibelkreise, Gebetskreise, Hauskreise, Glaubenskurse etc.) und auf musikalischem Gebiet (Jugendchöre, Musikgruppen, Instrumentalkreise wie z.B. Posaunenchöre, Bands). Aber auch Sportgruppen und – heute wohl eher seltener – politisch-gesellschaftlich orientierte Gruppen (wie Z.B. Friedensgruppen, Dritte-Welt-Gruppen, Fair-Handels-Gruppen) gehören in diesen Bereich.

Die Anteile der einzelnen thematischen Schwerpunktsetzungen wurden durch den Fragebogen nicht im Einzelnen erhoben; dies hätte eine deutliche Ausdifferenzierung und Ausweitung des Fragenkatalogs bedeutet. Eine solche Ausdifferenzierung ist entweder Sache weiterer Erhebungen im Rahmen unserer Statistik oder von zukünftigen Einzelstudien.)

Gremien (wie Jugendkonvente, Jugendkammern) bilden im Fragebogen eine eigene Kategorie, da ihre Schwerpunktsetzungen anderer Art sind: Nicht die Interessen und Bedarfslagen der Gruppenmitglieder (das Angebot für junge Menschen) stehen hier im Vordergrund, sondern die politische und kirchliche Interessenvertretung der Evangelischen Jugend, die Selbstgestaltung und Selbstverwaltung Jugendlicher und die Steuerung jugendverbandlicher Organisationsformen auf den verschiedenen Ebenen. Davon zu unterscheiden sind Mitarbeitendenkreise, Teams etc., die mit dieser Frage nicht erfasst werden.

Beobachtungen

Die Statistik weist im Binnen-Vergleich ihrer Zahlen einige interessante Ergebnisse auf:

1. Gruppen insgesamt:

Es gibt offenbar nach wie vor viele Gruppen.

Kontinuierliche Gruppen mit "klassischem" Programm-Mix

Anzahl der Gruppen
Anzahl klassische Kindergruppen: 9115 | 61.29 %
Anzahl klassische Jugendgruppen: 5756 | 38.71 %

 

Kontinuierliche Gruppen mit besonderem Schwerpunkt
(Glaube/Musik/Kultur/Sport/Gesellschaft)

Hier wird nach Gruppen und Kreisen gefragt, die sich kontinuierlich über einen längeren Zeitraum und in regelmäßiger Frequenz treffen. Der längere Zeitraum wird nicht immer ein ganzes Schuljahr umfassen, sollte aber länger als ein Vierteljahr sein. Regelmäßig muss nicht allwöchentlich bedeuten, sondern kann beispielsweise auch einen zwei- oder dreiwöchentlichen Rhythmus beinhalten. Zwei Mal im Jahr bedeutet allerdings nicht in diesem Sinn regelmäßig. Ein Kriterium für eine kontinuierliche Gruppe ist darüber hinaus eine gewisse personelle Kontinuität der Teilnehmenden.

Anzahl der Gruppen
Anzahl besondere Kindergruppen: 4338 | 44.47 %
Anzahl besondere Jugendgruppen: 5417 | 55.53 %

Da bei dieser Befragung längst nicht alle Befragten geantwortet haben, liegt die tatsächliche Zahl selbstverständlich erheblich höher. Aber schon die vorhandenen Zahlen besagen, dass die Arbeit in und mit Gruppen ganz unterschiedlicher Art nach wie vor ein ganz entscheidendes „Standbein“ evangelischer Kinder- und Jugendarbeit ist, gerade unter dem Aspekt der notwendigen Kontinuität, die durch Ferienfreizeitmaßnahmen und Projekte allein nicht zu erzielen ist.

Interessant wäre eine Vergleich der einzelnen Regionen oder ein Vergleich zumindest nach groben soziologischen Kategorisierungen wie z.B. der Unterscheid von großstädtischen, mittel- und kleinstädtischen sowie ländlichen Gebieten. Dazu reicht die vorhandene Datenbasis derzeit allerdings nicht aus.

2. Kontinuierlichen Gruppen mit klassischem Programmmix und Gruppen mit besonderen Schwerpunkten

Auffällig ist hier, dass es beide Formen annähernd gleich stark vertreten sind: Diejenigen Organisationsformen, die geantwortet haben (es dürfte sich im Wesentlichen um Ortsgemeinden handeln), geben insgesamt 5756 „klassische“ Jugendgruppen an bzw. 5417 Gruppen mit besonderem Programmschwerpunkt. Ob sich darin ein Gesamttrend (und welcher) abzeichnet, kann erst nach einem Zeitreihenvergleich durch künftige Erhebungen datenbasiert und belastbar gesagt werden.

Das vorliegende Datenmaterial gibt immerhin folgendes zu erkennen: Einerseits sind für die evangelische Jugendarbeit insgesamt offenbar die thematisch fokussierten Gruppen wichtig – unabhängig davon, wie die besonderen Programmschwerpunkte jeweils aussehen . Die Zahlen besagen bei vorsichtiger Deutung immerhin, dass Jugendliche offenbar an bestimmten inhaltlichen Schwerpunkten und Profilierungen interessiert sein können – seien sie musisch-kultureller Art oder theologisch-geistlicher Art.

Andererseits ist die klassische Gruppenarbeit mit ihrer Vielfalt und ihren vermutlichen Schwerpunktsetzungen auf Beziehungsarbeit und Beziehungsgruppen längst nicht so „tot“, wie gelegentlich orakelt wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang für NutzerInnen der Statistik die Frage nach den Bedingungen für das Gelingen bzw. die positive Annahme der Gruppenangebote durch junge Menschen; dies kann durch nüchterne statistische Zahlen nicht geklärt werden, ist aber naturgemäß Reflexionsaufgabe für die Jugendarbeit vor Ort.

Die Anzahl der „erreichten Jugendlichen“ (gezählt werden sollten die Individuen, die regelmäßig, aber mindestens zweimal an den Gruppenangeboten teilgenommen haben), differiert hinsichtlich der beiden Gruppentypen etwas deutlicher: Die angegebene Gesamtzahl derjenigen Jugendlichen, die an Gruppen mit klassischem Programmmix teilgenommen haben (Erreichte) beläuft sich auf 93712;  diejenigen, die durch Gruppen mit besonderem Schwerpunkt erreicht worden sind, werden auf 73320 beziffert. Dies bedeutet zumindest, dass die durchschnittlichen Gruppengrößen im klassischen Programmmix etwas höher sind.

Kontinuierliche Gruppen mit "klassischem" Programm-Mix

Anzahl der Erreichten*
Anzahl erreichte Kinder: 136061 | 59.22 %
Anzahl erreichte Jugendliche: 93712 | 40.78 %

Unter „Anzahl der Erreichten“ ist die Summe aller Einzelpersonen zu verstehen, die im Erfassungszeitraum ein Angebot regelmäßig oder punktuell wahrgenommen haben, aber mindestens zweimal. Hier werden nicht der Durchschnittsbesuch und nicht die Summe aller Besuche erfasst.
*Mehrfachzählungen sind möglich, da Kinder- und Jugendliche in Einzelfällen auch mehr als ein Angebot wahrgenommen haben können.

 

Kontinuierliche Gruppen mit besonderem Schwerpunkt
(Glaube/Musik/Kultur/Sport/Gesellschaft)

Anzahl der Erreichten*
Anzahl erreichte Kinder: 76190 | 50.96 %
Anzahl erreichte Jugendliche: 73320 | 49.04 %

Unter „Anzahl der Erreichten“ ist die Summe aller Einzelpersonen zu verstehen, die im Erfassungszeitraum ein Angebot regelmäßig oder punktuell wahrgenommen haben, aber mindestens zweimal. Hier werden nicht der Durchschnittsbesuch und nicht die Summe aller Besuche erfasst.
*Mehrfachzählungen sind möglich, da Kinder- und Jugendliche in Einzelfällen auch mehr als ein Angebot wahrgenommen haben können.


 

3. Durchschnittliche Gruppengrößen

Die durchschnittlichen Gruppengrößen bei Gruppen mit klassischem Programmmix sind den Angaben zufolge 16,2 Teilnehmende, bei Gruppen mit thematischem Schwerpunkt nur 13,5 Erreichte.

Abweichungen erfordern Erklärungen. Mögliche Erklärungen könnten darin liegen, dass in thematisch fokussierten Gruppen wie z.B. gerade Musikgruppen die Verbindlichkeit höher sein muss und ist und damit auch die Fluktuation geringer ist und damit auch die Anzahl der durchschnittlich Erreichten.

Statistische Durchschnittswerte sind naturgemäß nur Durchschnittswerte –in der Realität der einzelnen Gruppen kann es also erhebliche Abweichungen geben. Die Zahlen besagen aber immerhin tendenziell, dass es sich in der Regel um Gruppen mit überschaubarer Größe handelt und dass Beziehungsarbeit eine große Chance für die Gruppen darstellt.

4. Verhältnis Kindergruppen – Jugendgruppen

Auffällig ist, dass die Zahl der „klassischen“ Kindergruppen deutlich höher ist, als diejenige der entsprechenden Jugendgruppen (Siehe Schaubild oben.).

Dies besagt, dass die Arbeit mit Kindern bei den entsprechenden (hier wurden nur die landeskirchlichen Mitglieder der aej befragt) Mitgliedern der aej einen sehr hohen Stellenwert hat, der nicht immer genügend berücksichtigt wird. Nach allem, was wir aus anderen Studien wissen, ist „gelingende“ Arbeit mit Kindern allerdings durchaus eine enzscheidende Voraussetzung für spätere Teilnahmen von Teenagern und Jugendlichen an Angeboten – mithin ist sie die „Brot- und Butter-Arbeit“ (Bernd Wildermuth) im Rahmen evangelischer Kinder- und Jugendarbeit, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Ergebnisse der V. KMU betätigen dies nur. All dies sollte Konsequenzen für die personelle und finanzielle Ausstattung haben.

Michael Freitag

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