20. Internationaler Spielmarkt Potsdam 2010: "Durch Begegnung wachsen - spielend Fremdes entdecken"
(Spielmarkt) Am Freitag, dem 7., und Samstag, dem 8. Mai 2010, jeweils zwischen 10 und 18 Uhr, wird unter Beteiligung von internationalen Fachkräften das Thema " Durch Begegnung wachsen-spielend Fremdes entdecken" in mehr als 120 kreativen Workshops, Aktionen und Seminaren Gestalt annehmen. Wie in jedem Jahr werden wieder tausende Pädagog(inn)en aus Schule, Kindergarten, Kirche, Sozialarbeit, Heilpädagogik und Therapie auf diesem Bildungsforum in einen angeregten, spielerischen Informations-und Erfahrungsaustausch treten.
Seit 20 Jahren wächst zusammen, was zusammen gehört: In der Stadt, in der einst Deutschland und Europa geteilt wurden, begegnen sich jährlich seit 1991 Pädagoginnen und Pädagogen im Austausch von Spielkulturen und spielpädagogischen Bildungskonzepten. Es ist ein europaweites Netzwerk an Ideen und Konzepten gewachsen, das Spiel und schöpferische Ausdrucksmöglichkeiten für die pädagogische Praxis in den Mittelpunkt stellt. Ein Wachstum besonderer ART.
Auf diesem Hintergrund formuliert der Trägerverbund aus evangelischen Landesjugendpfarrämtern und diakonischen Einrichtungen sowie zahlreichen Kooperationspartnern im In- und Ausland für 2010 das Thema "Durch Begegnung wachsen - spielend Fremdes entdecken " und nimmt damit die dialogische Seite des Wachstumsbegriffs in den Blick:
Wachstum durch Begegnung
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensräume Europas werden immer internationaler. Das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Muttersprachen steigert die Komplexität der Beziehungen, schafft Reibungsflächen, bringt aber zugleich auch eine Vielfalt von Perspektiven und eröffnet Chancen für Kreativität und innovatives Denken. Eine Herausforderung unserer Zeit liegt darin, das Wesentliche der eigenen Identität zu wahren und das Verbindende mit anderen Kulturen zu entdecken. Der interkulturelle Dialog kann ein geeigneter Weg sein.
Für die pädagogische Arbeit ist von besonderer Bedeutung, was an der Kontaktgrenze zwischen mir selbst und dem Anderen, dem Fremden geschieht. Dieser Zwischenraum will gefüllt werden. Er ist der Gestaltungsspielraum zwischen den sich Begegnenden. Grundlage für einen auf Wachstum der Persönlichkeit ausgerichteten interkulturellen Dialog ist die Bereitschaft aller Beteiligten, mit diesen "Zwischenräumen" umgehen zu lernen und sie gemeinsam zu gestalten. Im spielerischen Kontaktprozess entsteht gerade durch die Vielfalt etwas Eigenes, Gemeinsames. Dabei geht es vor allem darum, die Beziehungsfähigkeit von Menschen zu fördern, da Beziehungsfähigkeit eine wichtige Ressource für gelingende Dialoge und nachhaltige Begegnungen ist.
Spielend Fremdes entdecken
Durch kreative, spielerische Angebote wird ein Annäherungsprozess an Fremdes unterstützt. Die Entdeckung des Fremden kann auf diese Weise leichter zu einem qualitativen Wachstum der Persönlichkeit oder auch zu Veränderungen von Gruppennormen führen. Im Bereich des interkulturellen Lernens gibt es eine Vielzahl von positiven Erfahrungen, die zeigen, dass in spielpädagogisch begleiteten Settings Begegnungen gelingen und bei aller Verschiedenheit wichtige Kompetenzen wie Verständnis, Respekt, Offenheit und Toleranz entwickelt werden können. Interkulturelles Lernen braucht unterstützende didaktische Rahmen und kreative Methoden für Fachkräfte, die diese in der pädagogischen Praxis den Zielgruppen zur Verfügung stellen. Pädagogisch begleitetes Spielen zielt immer auch auf Ausdruck des ganz Eigenen, Entwicklung von Haltungen und Erweiterung von sozial-emotionalen Kompetenzen ab. Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten im Umgang mit Farbe, Rollenspiel, Theater, Interaktionsspielen, erlebnisorientierten Aktionen und gruppendynamischen Spielen eröffnet die Spielpädagogik Räume zur angstfreien, dialogischen Begegnung. Spielregeln und selbstreflektierte, professionelle Haltungen der pädagogischen Fachkräfte geben Sicherheit in Berührung und Umgang mit dem Fremden.
Interkulturelle Kompetenzen bestimmen zunehmend die Qualität pädagogischer Arbeit
Lehrer(innen) und Schulen stehen vor der Herausforderung, Interkulturalität zu einem Prinzip der Schul-und Unterrichtsentwicklung zu machen. Das wird zu einer Veränderung der schulischen Lehr- und Lernkultur führen, zu mehr Spiel und Kreativität im Unterricht. Ebenso kann Handlungsorientierung als didaktisches Prinzip des Lernens mit Herz, Hand und Kopf Schülern helfen, Fremdes zu erfahren, nachvollziehbar zu machen und den Lernprozess in der Schule zu bereichern.
In der sozialen Arbeit und in der Freizeitpädagogik geht es heute um Entwicklungen, die über den instrumentellen Charakter von Methoden hinaus gehen. Im Umgang mit kreativen Medien geht es darum, sich ein breites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten anzueignen und vor allem die eigene Kontaktfähigkeit zu erweitern. Dies gilt für internationale Kontakte ebenso wie für den Umgang mit Verschiedenheit in der Begegnung mit Menschen mit besonderem Förderbedarf.
Religion umfasst alle Bereiche des Lebens und sollte dazu beitragen, eine Welt aufzubauen zur Einheit und zur Geschwisterlichkeit für die ganze Schöpfung. Rituale, Symbolik, Spiritualität sind Ressourcen, die Religion für gelingende Begegnungen bereitstellen kann. Ein interreligiöser Dialog muss zunehmend auch Familien einbeziehen, weil Interkulturalität in unserer Gesellschaft nur dann gelingen wird, wenn sich ein Verständnis von interreligiösen Erziehungskoalitionen entwickelt.
Der Austausch zwischen Kulturen, Informationen und Waren verdichtet und beschleunigt sich heute immer mehr. Gerade Kinder und Jugendliche orientieren sich zum Thema Spiel, Kreativität und Kommunikation an den Angeboten und Möglichkeiten des Internets. Pädagogen und Eltern stehen dieser rasanten Entwicklung häufig überfordert gegenüber. Medienpädagogische Kompetenzen von Fachkräften und Eltern werden in Zukunft darüber mit entscheiden, ob und wie interkulturelle und generationsübergreifende Dialoge gelingen und Verständigung erzielt werden kann.
Im Kindergarten hat spielerisches Lernen große Chancen. Mit Verschiedenheiten anders umzugehen, die kreative Erweiterung von Wahrnehmungshorizonten, die Förderung der natürlichen Neugier auf Fremdes durch Spiel, sind Chancen in der KITA. "Entscheidend für die Begleitung dieser Prozesse ist die Qualität der Beziehung zwischen Kind und Erzieherin", meint der dänische Familientherapeut Jesper Juul (er ist am 7. Mai in Potsdam dabei). Interkulturelles Lernen braucht PädagogInnen mit besonderen Beziehungskompetenzen. Dies muss schon in der Ausbildung Berücksichtigung finden.
Thomas Lösche, Spielmarktteam
Weitere Infos
www.spielmarkt-potsdam.de
Veranstalter:
Evangelische Jugend Berlin / Brandenburg / Oberlausitz
Evangelische Jugend der Evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland
Kinder- und Jugendpfarramt der Evangelischen Landeskirche Anhalts
Landesjugendpfarramt Sachsen
Hoffbauer-Stiftung
Stephanus-Stiftung
