Bibel AnDenken: Andacht März 2010
Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2010 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:
Monatsspruch März 2010: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“
(Johannes 15, 13 [E])
Andacht zur Monatslosung 2010
- von Roland von Engelhardt, Landesjugendpastor der Evangelischen Jugend der Landeskirche Mecklenburg -
„Hey, der Quatsch mit dem Hasen scheint Glück zu bringen.“
(Wilson in „Mein Freund Harvey“)
Andacht
Kann man Liebe messen? Gibt es so etwas wie eine Maßeinheit für Liebe, so dass man sie einteilen kann in mehr oder weniger? Jesus hat in seiner Abschiedsrede an die Jünger im Johannesevangelium ein provokantes Wort hinterlassen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“
Aber es geht Jesus ja nicht darum, mit seiner Liebe zu prahlen. Er will seinen Jüngern nur unmissverständlich klar machen, dass er sie liebt. Er weiß, dass er sie verlassen wird. Darum will er sie trösten und ihnen deutlich machen, was das Wichtigste ist, nämlich: in der Liebe zu bleiben, die sie durch und mit ihm erfahren haben. Es geht darum, die Liebe Gottes zu den Menschen weiterzugeben, damit diese Liebe weiter wirkt und Jesus so weiterhin bei den Jüngern und den Menschen ist. Es geht keineswegs darum, sich in Liebesbeweisen zu überbieten. Es geht darum, Liebe zu leben. Alles Weitere ergibt sich automatisch - wenn die Jünger nur in der Liebe bleiben.
Jesus redet seine Jünger als Freunde an. Freunde Gottes zu sein, das ist ein schöner Gedanke. Jesus benötigt keine steilen theologischen Sätze. Er drückt sich nicht mit einem formelreichen Bekenntnis aus, sondern benutzt ein Wort für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen: „Freunde“.
Freunde sind wichtig. Fast alle Menschen haben Freunde. Wir brauchen sie zum Leben, ebenso wie eine Familie, ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Kleidung. Kinder können ohne Freunde kein Sozialverhalten entwickeln. Jugendliche würden ohne „beste Freundinnen und Freunde“ mit gravierenden Fragen und Problemen allein gelassen. Es ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse, Freunde zu haben.
Auch Jesus braucht Freunde. Sie geben den Menschen Lebenskraft und Lebensfreude. Ein wunderschönes Beispiel für einen solchen Freund findet sich in dem Film „Mein Freund Harvey“. Der Film ist eine Komödie aus dem Jahr 1950 (ein richtig schöner alter „Schinken“) beruhend auf einem Theaterstück aus dem Jahr 1944, das sehr erfolgreich am Broadway aufgeführt wurde.
Protagonist ist der etwas schrullige aber absolut liebenswürdige und gutmütige Elwood P. Dowd. Elwood hat einen Tick: Er sieht einen zwei Meter großen, weißen Hasen, der für alle anderen unsichtbar ist. Wegen seiner Spinnerei ist Elwood trotz aller Liebenswürdigkeit ein Problem für seine verwitwete Schwester Veta Louise und deren Tochter Myrtle Mae. Beide leben in Elwoods Haus und wünschen den Bruder und Onkel am liebsten weit fort, denn wegen des verrückten Elwood sind Veta Louise und Myrtle Mae nicht mehr in ihren Kreisen gesellschaftsfähig.
Das Thema des Films ist die Frage nach den wahren Freunden, die zu einem glücklichen Leben verhelfen. Elwood ist glücklich. Er ist erfüllt von einer unerschütterlichen Menschenfreundlichkeit und Liebe zu den Menschen, die er nicht sich selbst verdankt, sondern seiner Freundschaft zu Harvey. Dank der Freundschaft zu Harvey sieht er auch in allen anderen Menschen seine Freunde. Für Elwood sind alle Leute wunderbare Menschen. Er wünscht wirklich jedem, den er trifft, alles Gute. Er gibt allen seine Karte und lädt sie zu sich nach Hause oder in eine Bar ein, um mit ihnen „einen Kleinen zu lüpfen“, wie Elwood sich auszudrücken pflegt. Selbst seinen Feinden gewinnt Elwood stets nur gute Eigenschaften ab.
Der unsichtbare Harvey ist eine Schlüsselfigur, die alle nur auf Äußerlichkeiten bedachten Konformisten entlarvt. Durch die „Begegnung“ mit Harvey werden Menschen glücklicher. Es ist keineswegs zu weit hergeholt zu behaupten, dass Elwood in seinen Kneipengesprächen mit wildfremden Menschen Seelsorge betreibt.
Elwoods unkonventionelle Freundschaft sprengt gesellschaftliche Grenzen. Beflügelt durch die Freundschaft zu Harvey stiftet er neue Freundschaften. Elwood gelingt es, dass Menschen wieder teilhaben am gesellschaftlichen Leben, die vorher ausgegrenzt waren. Kurzum: Menschen werden aus den Schranken, in die sie gedrängt werden, oder die sie sich selbst auferlegt haben, zu einem glücklichen Leben befreit.
Elwood hat einen Tick. Dieser Tick hilft ihm, die Menschen mit der Brille Gottes zu sehen, die durch Äußerliches, Schwächen und Versagen hindurch unbedingt das Gute sieht.
Uns gegenseitig nicht mit unseren Fehlern, sondern mit unseren Möglichkeiten zu sehen, dazu mögen uns Freundschaften beflügeln. Denn wie pflegt Elwood zu sagen: „Freunde hat man ja niemals zu viele.“
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