Workshop „Rechtsextremismus und Ehrenamt. Jugendverbände in Konfrontation mit Rechtsextremismus auf lokaler Ebene“
(IDA) Im November 2009 fand in Berlin der Workshop „Rechtsextremismus und Ehrenamt. Jugendverbände in Kooperation mit Rechtsextremismus auf lokaler Ebene“ statt, den das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) in Kooperation mit der Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EJBO) und der Sächsischen Landjugend e. V. (SLJ) veranstaltete. An der Planung und Durchführung waren Vera Kirchesch (EJBO), Björn Redmann (SLJ), Stephan Bundschuh, Hanna Mai und Kai Venohr (alle IDA) beteiligt.
Jugendverbände sehen sich auf unterschiedliche Weise mit Rechtsextremismus konfrontiert: wenn Veranstaltungen durch eine rechtsextreme Clique gestört werden, bekannte Rechtsextremisten einen Mitgliedsantrag stellen oder einzelne Mitglieder beim Training, in der Gruppenstunde oder am Stammtisch rassistische Sprüche klopfen. Oft sind es ehrenamtlich Tätige, die sich unmittelbar mit Rechtsextremismus auseinandersetzen müssen und sich dabei überfordert fühlen. Der Workshop lud daher haupt- und ehrenamtlich in der Jugend(verbands)arbeit Tätige ein, sich mit unterschiedlichen Formen der Konfrontation mit Rechtsextremismus auseinander zu setzen und anhand konkreter Beispiele aus der eigenen Arbeit Handlungsoptionen zu entwickeln und zu diskutieren.
20 Teilnehmende aus dem ganzen Bundesgebiet und unterschiedlichen Arbeitsbereichen hatten sich zu dem Workshop im Jugendgästehaus Lehrter Straße zusammengefunden. Nach dem gegenseitigen Kennenlernen sowie einer Abfrage der Erwartungen erarbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppengesprächen drei exemplarische Fälle von Konfrontation mit Rechtsextremismus aus ihrem Arbeitsalltag und hielten diese auf Plakaten fest.
Auffällig war die breite Palette der erlebten Erscheinungsformen, die von Sprüchen bei Projektschultagen bis zu Unterwanderungsversuchen von Vereinen und Bedrohungen von Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern reichte. Nach einer thematischen Übung zur Auflockerung gab Björn Redmann von der Sächsischen Landjugend einen Input zum Thema „Rechtsextreme Jugendarbeit – Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus“, in dem er auf die Bedeutung einer demokratischen Jugendarbeit als Grundlage einer Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus hinwies und dies anschließend mit den Anwesenden diskutierte.
Nach dem Abendessen wurde den unterschiedlichen Perspektiven der Haupt- und Ehrenamtlichen Raum geboten, die in ungefähr gleicher Anzahl bei dem Workshop vertreten waren. Die Ergebnisse wurden festgehalten, um sie am nächsten Tag in die Fallanalyse einbeziehen zu können. Der Abend schloss mit einem Quiz zu rechtsextremer Musik, bei dem deutlich wurde, wie vielfältig rechtsextreme Musik ist und wie schwer es sein kann, sie zu erkennen.
Der zweite Tag startete mit einer Übung aus dem Methodenkoffer "Das Versteckspiel", in der auf spielerische Weise Wissen über rechtsextreme Symbole vermittelt wurde. Der weitere Vormittag war der Bearbeitung, der am Vortag erarbeiteten Fälle, gewidmet. In moderierten Kleingruppen wurden intensiv die einzelnen Fälle analysiert. Der Diskussionsverlauf, die Ergebnisse und entwickelten Handlungsoptionen wurden schließlich im Plenum vorgestellt und diskutiert, so dass insbesondere diejenigen, die den Fall eingebracht hatten, Anregungen mitnehmen und von der Perspektive der anderen Teilnehmenden auf "ihren" Fall profitieren konnten. Die Teilnehmenden kamen unter anderem zu folgenden Ergebnissen: Es ist wichtig, rechtsextreme Symbole und Einstellungen rechtzeitig zu erkennen, um adäquat eingreifen zu können und sich bei Bedarf externe Unterstützung zu holen; der Rückhalt auf allen Ebenen eines Vereins beim Einsatz gegen Rechtsextremismus ist wichtig, ebenso muss auch erkannt werden, wann pädagogisch nicht mehr interveniert werden kann.
Den Abschluss des Seminars bildete eine Präsentation von Materialien und Projekten als Best-Practices, die den Teilnehmenden Anregungen für die weitere Arbeit mitgab. Beim abschließenden Feedback zeigten sich alle Teilnehmenden mit dem Verlauf des Workshops außerordentlich zufrieden.
Bericht: Stephan Bundschuh/Hanna Mai (IDA e. V.)
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