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Evangelische Jugend
27.01.10

Fachtag „Ehrenamtliches Engagement“

Kategorie: Kinder- und Jugendpolitik

Am 27. Januar 2010 fand in der aej-Geschäftsstelle in Hannover der Fachtag „Ehrenamtliches Engagement“ statt. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej), Evangelische StudentInnengemeinde (ESG) und das Evangelische Landesjugendpfarramt Hannover und hatten Hauptberufliche eingeladen, um über die Perspektiven des Ehrenamtlichen Engagements in der Jugend- und Studierendenarbeit nachzudenken.

Ehrenamtliches Engagement ist die Grundvoraussetzung evangelischer Kinder- und Jugendarbeit. Seit Jahren gibt es Hinweise auf beschleunigte Veränderungen des Engagements junger Menschen. Die Lebenslagen junger Menschen verändern sich. Phänomene wie „G 8“, Bachelorisierung, Verwertungszwänge von Lernerfahrungen und knapper werdende soziale Ressourcen schlagen sich auch darin nieder, wie junge Menschen sich engagieren können und wollen. Entsprechend hoch ist aktuell das Interesse der Aktiven in der Kinder- und Jugendarbeit, so dass der Fachtag mit über 50 Teilnehmenden von Bundes- und Landesebene sowie aus der Region eine große Resonanz fand.

Eröffnet wurde der Fachtag durch ein Grundsatzreferat der profilierten Engagementforscherin Sibylle Picot, die durch ihre Beteiligung sowohl an den Freiwilligensurveys wie an den Shell-Jugendstudien sehr aussagekräfte Daten zu den Lebenslagen und Einstellungen junger Menschen vorweisen konnte, auch wenn leider nach wie vor die Zahlen des 3. Freiwilligensurveys nicht zur Verfügung stehen. Leitfrage Picots war „Wie engagiert sich eine ‚pragmatische Generation unter Druck‘?“ Die Daten zeigen, dass die krisenhafte Stimme in der Praxis nicht unbegründet ist. Auch wenn die Zahlen zum Engagement nun seit über 10 Jahren relativ stabil bleiben, so sind doch auf lange Sicht Verschiebungen und auch leichte Rückgänge zu bemerken, die umso bemerkenswerter sind, als das Engagement der anderen Altersgruppe gleichzeitg erheblich stieg. Vor allem die starke Interessenbezogenheit des Engagements junger Menschen („Was bringt mir mein Engagement?“) ist auffällig, aber auch der teilweise starke Rückgang in besonderen Gruppen junger Menschen, z. B. von Männern mit niedrigem Bildungsstatus. Sibylle Picot schlussfolgerte: „Die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement steht unter dem Primat der beruflichen Perspektive. Junge Menschen haben Angst, dass ihnen kein Platz in dieser Gesellschaft eingeräumt wird. Ein solcher Platz aber hängt immer entscheidender von einem gelungenen Berufseinstieg ab.“ Erfreulich ist, dass der kirchliche Sektor dennoch nach wie vor Zuwächse bei den Engagiertenzahlen aufzuweisen hat - wohl auch eine Frucht der vermehrten Anstregungen, engagementfreundliche Rahmenbindungen zu schaffen.

Vier Blitzlichter aus der Kinder- und Jugend-, Jugendverbands- und Studierendenarbeit sowie aus der Jugendpolitik rundeten den Vormittag ab und zeichneten ein detaillierteres Bild der Veränderungen in den Lebenswelten und wie unterschiedlich sich dies in den einzelnen Arbeitsfeldern niederschlägt.

Auch wenn sowohl die empirischen Daten wie die Beobachtungen zeigen, dass das Ehrenamtliche Engagement keinen krisenhaften Entwicklungen unterliegt, fordern die veränderten Möglichkeiten und Bedürfnisse der „jungen Generation unter Druck“ Reaktionen der Kinder-, Jugend und Studierendenarbeit. In vier Arbeitsgruppen wurden als konkrete Ansätze Freiwilligendienste in der Kinder- und Jugendarbeit, Freiwilligenmanagement, Anerkennungsmöglichkeiten für Ehrenamtliches Engagement an den Hochschulen und peer-education-Modelle vorgestellt und diskutiert. Dabei wurde klar, dass Kirche u. a. deshalb als Ort für Engagement funktioniert, weil die kontinuierlichen Strukturen eine angemessene Begleitung, Förderung und Unterstützung Engagierter ermöglichen. Eben diese stützenden Strukturen kommen im Zuge öffentlicher und kirchlicher Einsparungen immer öfter an ihre Grenzen, während gleichzeitig immer mehr Engagierte höhere Anforderungen mit sich bringen.

Am Ende des Fachtages zog die hannoversche Landesjugendpastorin und Mitveranstalterin des Fachtages, Cornelia Dassler eine positive, wenn auch nicht unkritische kirchenpolitische Bilanz: „Kirche kann nicht nur nehmen, sie muss auch geben: Ein entsprechendes Unterstützungssystem für Ehrenamtliche muss mit allen Kräften aufrechterhalten werden!“

Kontakt
aej-Geschäftsstelle
Florian Dallmann
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-147, Fax: 0511 1215-247
E-Mail: da(at)aej-online.de

 
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