Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Ostdeutschland

Unglücklicher Junge
Foto: RiZzo/jugendfotos.de

Gleichwertige Lebensverhältnisse?

Evangelische Kinder- und Jugendarbeit in den östlichen Bundesländern lebt unter schwierigen Rahmenbedingungen – aber sie lebt.

Sie hat Chancen, gerade in gesellschaftlichen Umbruchphasen und sie leistet mit oft eingeschränkten Ressourcen Bemerkenswertes.

1. Demografische Entwicklungen
Massive demografische Einbrüche kennzeichnen die Situation vieler Regionen in Ostdeutschland. Regionen mit 25 und weniger Einwohner(inne)n je Quadratkilometer und anhaltendem Bevölkerungsschwund gibt es bis heute nur in Ostdeutschland.

2. Relative Armut
Auch von relativer Armut sind junge Menschen in Ostdeutschland deutlich höher betroffen als in Westdeutschland.

3. Arbeitslosigkeit und Ausbildungschancen
Die Arbeitslosenquote bei jungen Menschen in Ostdeutschland lag im Sommer 2008 mit 11,4 Prozent doppelt so hoch wie die junger Menschen in Westdeutschland. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ist ein massives Problem in Ostdeutschland: Es sind mehr junge Menschen arbeitslos und auch länger. Nach wie vor erhalten viele junge Menschen in Ostdeutschland keinen Ausbildungsplatz. Hat sich 2007 zwar das Verhältnis von gemeldeten Bewerber(inne)n zu den Vorjahren verbessert, so ist man mit einem Verhältnis von 95,4 : 100 Ausbildungsstellen zum notwendigen Verhältnis von 112,5 : 100 weit entfernt.

4. Abwanderung
Aber auch der Abschluss einer Ausbildung ermöglicht vielen nicht den Einstieg in das Erwerbsleben. Weitaus mehr junge Menschen drängen auf den ostdeutschen Arbeitsmarkt, als Stellen durch den Abgang von Älteren in die Rente frei werden. Daher wandern bis zu 25 Prozent der jungen Menschen nach Westdeutschland ab. Dies waren und sind vor allem gut qualifizierte Frauen. So gibt es bereits jetzt in Ostdeutschland einen relevanten Frauen-Unterschuss.

5. Öffentliche Jugendförderung
Nach dem Jahr 2002 stagnierten die Ausgaben der öffentlichen Jugendförderung in ganz Deutschland. Seit 2004 ist ein deutlicher und seither immer massiver werdender Rückgang zu verzeichnen. In Sachsen kam es sogar zu Ausgabenreduzierungen in der Kinder- und Jugendarbeit um 50 Prozent in sieben Jahren. In anderen Ländern verursachten Umstellungen in den Fördersystemen Umstellungsprobleme mit der Folge, dass gerade den freien Trägern nicht mehr ausreichende öffentliche Mittel zur Verfügung standen und dass zum Beispiel die überregionalen Vernetzungssysteme ausgeblutet wurden.

Auswertung Kinder- und Jugendhilfestatistik 2008

Deutlich wird das ganze Ausmaß dieser Entwicklung durch die Auswertung der Kinder- und Jugendhilfestatistik vom Juni 2008: Zwischen 1998 und 2006 sank das Stellenvolumen in Ostdeutschland um die Hälfte. Dieser Rückgang liegt sogar noch über dem demografischen Rückgang der Zahl junger Menschen in Ostdeutschland. Von der öffentlichen Förderung eines bedarfsgerechten, flächendeckenden, pluralen Angebotes der Kinder- und Jugendarbeit kann in weiten Teilen Ostdeutschlands nicht die Rede sein.

In Ostdeutschland wird damit in der Mehrzahl der Regionen eine Entwicklung vorweg genommen, die mit zeitlicher Verzögerung und teilweise leicht abgemildert auch für viele strukturschwache Regionen im Westen zu erwarten sein wird. Neben der politischen Frage nach der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in GANZ Deutschland stellen sich pragmatische Fragen – wie kann eine Kinder- und Jugendarbeit noch präsent bleiben unter den Bedingungen des demografischen Wandels?

Meißner Thesen zur Jugendarbeit in Ostdeutschland

Am 18. Januar 2012 wurden der Öffentlichkeit die Meißner Thesen zur Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit in Ostdeutschland vorgestellt. Sie sollen zu einer grundlegenden Diskussion über die Zukunft des Arbeitsfeldes aufrufen. Das Thesenpapier war bei der Fachtagung "Vorm Horizont geht's weiter! Gemeinsame Schritte zur Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit in Ostdeutschland" von 75 Vertreter(inne)n aus dem Arbeitsfeld, Administration, Politik und Wissenschaft erarbeitet worden.

Die Thesen

Evangelische Akademie Meißen

Demografie-Allianz

In Sachsen-Anhalt konstituierte sich am 21. September 2011 eine Demografie-Allianz mit dem Ziel, kreative Lösungen zum Umgang mit demografischem Wandel zu entwickeln.

Website der Demografie-Allianz

Gründungspapier mit Zielen

Ideenwettewerb "Visionen für Regionen"

Die Stiftung Demokratische Jugend veranstaltete diesen Wettbewerb im Jahr 2008 gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, der Deutschen Jugendfeuerwehr, der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands, dem Bund der Deutschen Landjugend sowie der Deutschen Sportjugend.

 
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