Prävention und Kindeswohl

Prävention sexualisierter Gewalt auf Kinder- und Jugendfreizeiten

Manfred Schimmel/pixelio.de

Mit juristischen Vorgaben sollen Standards für weite Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe geschaffen werden, die verlässlich Qualität erzeugen. Neue Wege und Modelle und die Erkenntnis, dass Kinder- und Jugendhilfe nicht per se ein Ort der Hilfe und der Sicherheit für Kinder und Jugendliche ist, fordert alle Bereiche heraus, besonders die Arbeit im Bereich der Freizeiten- und Erholungsmaßnahmen.

Leben teilen heißt: Bisher Unbekanntes erkennen

Wenn man die Texte und Materialien zum Thema sexuellen Missbrauch studiert, die in Jugendverbänden verwendet werden, fällt auf, dass gerade Kinder- und Jugendfreizeiten der Ort zu sein scheinen, an denen Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen deutlich werden.

  • Auf Freizeiten zeigt sich häufig erst das gesamte Ausmaß von Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen, die vorher in der Gruppenstunde nur punktuell, gemindert (und damit „erträglich“) auffielen.
  • Dies trifft insbesondere zu, weil auf Freizeiten größere unstrukturierte Räume mehr individuelles Verhalten ermöglichen.
  • Phänomene wie Misshandlungsspuren werden häufig erst beim Duschen, Umziehen usw. entdeckt.
  • Gleiches gilt übertragen für sexuelle Auffälligkeiten.

Mit anderen Worten: Der pädagogische Sinn von gemeinsamen Freizeiten usw. liegt gerade auch darin, dass man einander ganzheitlicher, umfassender und intensiver erleben kann. Daher sind dies auch die Bereiche, in denen Hinweise entdeckt werden, die sich z. B. im Gruppenalltag der Wahrnehmung entziehen. Aus dem § 8 a KJHG kann man nur die Konsequenz ziehen, die sich hier bietenden Erlebnisse ernsthaft gemeinsam im Team auszutauschen, zu bewerten und auch gezielte Vorgehensweisen abzustimmen.

Intensivierte Beziehung schafft Vertrauen

Geradezu stereotyp wird in der einschlägigen Literatur der Jugendverbände zum Thema die Kinder- und Jugendfreizeit als Gelegenheit der Offenbarung von Missbrauch und Misshandlung geschildert. Dem scheinen entsprechende Erfahrungen zu Grunde zu liegen. Nach den Erfahrungen des Autors ist dieser Zusammenhang zumindest evident. Ernsthafte Wünsche nach Seelsorge, Beratung und konkreter Hilfe entstehen in der Tat eher nachts am Lagerfeuer als nach der Gruppenstunde. Nicht unwesentlich ist dabei auch die Gruppendynamik, wenn ein ganzer Freundeskreis hier ermutigt, begleitet oder sogar „die Sache selbst in die Hand nimmt“. Gerade diese Möglichkeiten muss Kinder- und Jugendarbeit als ihren spezifischen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen begreifen: Kein(e) Mitarbeiter(in) eines Jugendamtes, eines Schutzdienstes oder einer Beratungsstelle wird solche Chancen zur Hilfe je bekommen. Freilich setzt dies nicht nur die konkrete Hilfekompetenz voraus, sondern auch eine Gruppenpädagogik, die Freizeiten als Ort der Stärkung, Selbstbestimmung, Solidarität und Reflexion nutzt.

Internetplattform zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), der Deutsche ReiseVerband (DRV) und die Kinderrechtsorganisation ECPAT Deutschland (in der auch die aej Mitglied ist) stellten am 27. Mai 2014 gemeinsam die neue Internetplattform www.nicht-wegsehen.net ins Netz. Reisende haben die Möglichkeit, über diese Plattform Verdachtsfälle auf Straftaten und Hinweise von sexueller Gewalt gegenüber Kindern zu melden, ganz gleich, ob sie sich im Urlaub aufhalten oder geschäftlich unterwegs sind.

Pressemitteilung des BMFSFJ vom 27. Mai 2014

Gemeinsame Pressemitteilung des BMFSFJ und des BMWi vom 28. Mai 2014

Downloads

Fachbeitrag aej
Schutzauftrag - Besonderheiten mit Blick auf Kinder- und Jugendreisen

Fachbeitrag aej
Fachliche Standards bei der Umsetzung

BDKJ - Stabstelle Prävention im Erzbistum Köln
Kinderrechte unterwegs

Beitrag aej
zum DBJR-Beschluss Zertifizierungen von Jugendunterkünften

Beschluss DBJR
zu Zertifizierungen von Jugendunterkünften

Beschluss DBJR
zu Jugendfreizeiten bzw. Jugendreisen

Bayerischer Jugendring
Merkblatt für Freizeiten

Evangelisches Dekanat Gießen
Wir schaffen sichere Räume

Es fängt ganz harmlos an - Evangelische Jugend Baden - Bausteine für die Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen

Links

Kompetenzzentrum Kinderschutz
Materialien zum Kinderschutz

Abschlussbericht Runder Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch"
Eine Initiative der Bundesregierung

juleica
Schwerpunkt: sexualisierte Gewalt in der Jugendarbeit

PräTect
Prävention sexueller Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit

CVJM-Gesamtverband
Umgang mit und zur Prävention von sexuellem Missbrauch

GJW - Elternkurse
Vorstellung -
Auf dem Weg zu einer starken Familie

Bayerischer Jugendring - Deutscher Bundesjugendring
Qualifizierungsreihe "Entwicklung präventiver Strukturen in Organisationen der Jugendarbeit"

BDKJ - Arbeitshilfen, Interventionspläne, Positionspapiere
Materialien der Mitglieds- und BDKJ-Diözesanverbände

Zartbitter Köln e. V.
Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

Save-selma.de
Hilfestellung und Sensibilisierung für Jugendliche

power-child
Präventionsnetzwerk gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Kontakt

Stephan Groschwitz
Referent für Kinder- und Jugendpolitik
Telefon: 0511 1215-147
E-Mail: sfg@aej-online.de

Gabriele Jahn
Referentin für Kinder- und Jugendfreizeiten
Controlling öffentliche Förderung
Telefon: 0511 1215-161
E-Mail: gj@aej-online.de

Wiebke Albes
Assistenz Kinder- und Jugendpolitik
Telefon: 0511 1215-138
E-Mail: wa@aej-online.de