Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Europäische Jugendberichte und -studien

Jugendliche in der Stadt
Foto: scoobay/flickr.de

„Was benötigt das Europa von morgen?“

Mit dieser Frage richtet die EU seit einigen Jahren verstärkt ihren Blick auch auf junge Menschen und sucht für die europäische Politikgestaltung  im Jugendbereich nach zukunftsweisenden Analysen als Entscheidungsgrundlage.

Die EU betritt damit das Feld von Jugendforschung. Treffen Ergebnisse aus dieser Jugendforschung dann auf Politik und werden auf dieser Grundlage Entscheidungen getroffen, spricht die EU von evidenzbasierter Jugendpolitik.

Eine erste Initiative in diese Richtung ergriff Kommissionspräsident Barroso 2007 mit der Beauftragung des Politikberatungsbüros (Bureau of European Policy Advisers) BEPA. Dieses Büro erstellte auf der Grundlage von demographischen Veränderungen, der Beschleunigung des sozialen Wandels und der besorgniserregenden Lage bei politischer Beteiligung, Gesundheit, Kinderarmut und Bildung den Bericht „Investing in Youth: an empowerment strategy“ über die Situation der Jugend in Europa.

Diesem Bericht über die Herausforderungen und Perspektiven künftiger Politik für die Jugend in Europa wurde große Bedeutung beigemessen, obwohl es sich um kein offizielles Handlungspapier der EU handelt.

In dieser Entwicklungslinie stehen auch die alle drei Jahre erscheinenden EU-Jugendberichte. Der erste Europäische Jugendbericht wurde zusammen mit dem Kommissionsvorschlag zur neuen EU-Jugendstrategie im April 2009 veröffentlicht. Der zweite Jugendbericht wurde am Ende des ersten gemeinsamen Arbeitszyklus der EU-Jugendstrategie 2012 veröffentlicht. Die EU-Jugendberichte gelten als wichtiges Instrument bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie (2010-2018) und Teil der evidenzbasierten Jugendpolitik.

Der erste Jugendbericht stützt sich vor allem auf vorhandenes Datenmaterial von Institutionen und Quellen der EU, auf Ergebnisse unterschiedlicher jugendbezogener Forschungsprojekte aus dem Forschungsprogramm der EU und aus dem Bericht des Bureau of European Policy Advisers.

Allerdings leidet der erste Bericht an vielen „Kinderkrankheiten“, die seine Aussagekraft mindern. Der Bericht ist im Ganzen betrachtet eine oberflächliche Darstellung, der kaum eine Analyse folgt und weist zudem ein schwerwiegendes Partizipationsdefizit auf. Die Perspektive der Jugend fließt gar nicht in das Datenmaterial ein. In Folge des Analyse- und Diskussionsdefizits fehlt es an Aussagen über Konsequenzen oder sich daraus ergebenden Handlungsbedarfe und –möglichkeiten.

Der zweite Jugendbericht orientiert sich an den Prioritäten des ersten Arbeitszyklus der EU-Jugendstrategie: Jugendbeschäftigung, Jugendarbeit und Teilhabe. Er besteht aus einem Statistik- und Analysebericht über die Lage junger Menschen in der EU, einer Zusammenfassung der Ergebnisse der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in den Mitgliedstaaten und einer Mitteilung der Kommission über die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Europa. Der zweite Bericht bezieht sich auf weit mehr Quellen, als es noch beim ersten der Fall war und bezieht die nationalen Berichte über die Umsetzung der EU-Jugendstrategie ein. Somit hat der zweite Bericht eine gewisse Weiterentwicklung vollzogen, von den Standards eines deutschen Jugendberichts ist er jedoch noch weit entfernt.

Die bessere Verzahnung von Politik und Forschung auf der EU-Ebene wertet die europäische Jugendpolitik inhaltlich auf und ist grundsätzlich zu begrüßen. Trotzdem ist aus Sicht der aej ein kritischer Umgang mit dem Datenmaterial und daraus folgenden Interpretationen angezeigt.

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