Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.02.2016 00:00 Alter: 178 days

Bibel AnDenken Andacht Februar 2016


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2016 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Februar 2016: "Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.“ Markus 11,25 (E)

Andacht Februar 2016
- von Florian Geith, Landesjugendpfarrer in der Evangelischen Kirche der Pfalz -

Vergeben und Beten
Andacht
Manchmal stocke ich doch. Nicht, weil mir das Gebet nicht geläufig ist oder ich die richtige Reihenfolge hin und wieder vertausche. Nein – da ist vielmehr der Satz, der mir oft schwer über die Lippen kommt. „Und vergib mir meine Schuld, wie auch ich vergebe meinen Schuldigern.“ Ich weiß ja, wie er gemeint ist, und es ist im Grunde auch richtig so: erst mal vor der eigenen Haustür fegen. Zuerst den Balken aus meinem eigenen Auge ziehen und dann erst den Splitter aus meines Bruders Auge, wie Jesus das so beeindruckend sagt.

Ja doch, ich weiß es, ich will es ja auch, aber ich kann es oft nicht! Wie soll ich denn diesem lebensmüden Piloten verzeihen können, der das Flugzeug in voller Absicht am Berg zerschellen ließ? Es hätten auch meine Klassenkameraden in der Maschine sitzen können. Wir haben in der Schule darüber gesprochen, einen Gottesdienst gefeiert, für die Angehörigen der Opfer gebetet und Kerzen angezündet. Und die ganze Zeit war ich so voller Zorn und Hass auf diesen einen Menschen – bis heute.

Doch ich muss erst gar nicht so weit denken. Mir fallen so viele Kränkungen und Enttäuschungen ein, über die ich nie richtig weggekommen bin. Dabei bin ich gar nicht nachtragend und vergebe gerne. Doch spätestens nach der zweiten Enttäuschung geht es mit dem Vergeben einfach nicht mehr, auch wenn ich weiß, dass ich selber meine Macken habe und die Geduld meiner Mitmenschen ziemlich strapaziere. Vergeben geht vielleicht noch, aber ich spüre, dass ich nicht vergessen kann. Selbst wenn ich in dem Augenblick ehrlich „Ist ok!“ gesagt habe, kommt die Kränkung doch immer wieder hoch. Es tut mir immer noch weh, wenn ich daran denke. Ich werde wütend, obwohl ich das gar nicht will. Es steckt einfach zu tief, und ich kann nichts dagegen tun.

Aber wo soll ich denn rauslassen, was mich so umtreibt? Klar – man könnte noch mal drüber reden. Aber ich habe ja schon „Ist o.k.!“ gesagt. Damit war die Sache erledigt, aber nicht für mich. Darf ich jetzt nicht mehr beten, weil ich ja immer noch diese Vorwürfe in mir spüre und einfach nicht vergessen kann? Dabei tut es mir so gut, die Tür hinter mir zuzumachen, einfach mal loszuheulen, mal was Schlechtes über andere denken zu dürfen, die Kränkungen hervorzuholen und sie rauszuschreien oder wenigstens in mein Kissen zu weinen. Es tut mir gut, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, meiner Wut über andere und über mich, meinem Versagen und meiner Unfähigkeit. Ich bin einfach so – ob ich will oder nicht. Und trotzdem kann ich mich Gott anvertrauen.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2016" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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