Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Schulseelsorge

Foto: Takeshi Otani/aes

Der Großvater ist verstorben, eine Lehrerin an Krebs erkrankt oder eine Katastrophe erschüttert die Welt. Im Schulalltag gibt es nicht nur allein sozialpädagogischen Beratungsbedarf, sondern auch den Bedarf nach seelsorgerischen Gesprächen. In der Regel werden bei solchen Anliegen als erstes die Religionspädagogen/-innen oder die Schulpastoren/-innen angesprochen. Gespräche über Gott und die Welt, existenzielle Lebensfragen und konkrete Konfliktsituationen oder Traueranlässe gehören zum Alltag. Es werden Schulgottesdienste geplant und durchgeführt, Räume der Stille organisiert und manchmal auch Tage der Orientierung angeboten. Schulseelsorger/-innen kümmern sich um die verschiedensten Anliegen der „Schulgemeinde“. Alle Menschen aus dem Schulalltag gehören zu dieser Gemeinde und können das Angebot wahrnehmen.

Mit den Religionspädagogen/-innen und den Schulpastoren/-innen ist ein Teil von Kirche immer in Schule präsent, damit ist die Übernahme einer schulseelsorgerischen Verantwortung nicht ganz unverständlich, aber nicht überall ist es selbstverständlich. In einigen Landeskirchen gibt es Konzepte zu diesem Angebot und damit verbunden auch oft einen offiziellen Auftrag. In anderen Landeskirchen übernimmt das in Schule „kirchliche“ Personal die Aufgabe ohne einen expliziten Auftrag zu haben.

Die Schulseelsorge hat sich als Arbeitsfeld in den letzten Jahren entwickelt und eine Vernetzung auf Bundesebene findet seit 2006 statt. Auf der Fachtagung  „Evangelische Schulseelsorge“ im Jahr 2006 haben sich zum ersten Mal Kolleginnen und Kollegen aus diesem Arbeitsbereich auf EKD Ebene getroffen.

Eine klare Definition von dem was Schulseelsorge ist oder was sie auch nicht ist, gibt es zurzeit nicht. Es gibt sie nicht als kategoriale Seelsorge (z.B. Notfall-, Militär- oder Telefonseelsorge) und auch in der Literatur kommt sie als Schulseelsorge nicht vor. Hier und da gibt es Publikationen über die Seelsorge an Kindern und Jugendlichen, aber auch das nur sehr wenig. Ebenso wenig ist einheitlich geklärt, zu welchem Arbeitsbereich in Kirche sie zugeordnet wird. Gehört sie zur Kinder- und Jugendarbeit,  passt sie mehr zum Arbeitsbereich der Pädagogisch-Theologischen Institute, weil sie oft ihren Eingang über den Religionsunterricht findet oder gehört sie als kategoriale Seelsorge eher in diesen Bereich?
Nicht alle Fragen müssen geklärt sein, damit sich Menschen an der Schule über den Unterricht hinaus engagieren und für ein „Schul-Gemeinde-Leben“ einsetzen. Eine erklärende und auch nach Antwort suchende Publikation ist unter dem Titel „ Evangelische Schulseelsorge“ als Veröffentlichung des Comenius-Instituts erschienen. Ähnlichen Fragen stellt sich auch die Publikation des Pädagogisch Theologischen Zentrums in Stuttgart.

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