Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Europäisches Solidaritätskorps (ESC)

Jugendliche mit ESC-Shirt. © European Union, 2016 /
Quelle: EC-Audiovisual Service /
Photo: François Walschaerts

Mit dem Europäischen Solidaritätskorps (ESC) entsteht ein zweites EU-Jugendprogramm.

Seit der Ankündigung des Europäischen Solidaritätskorps (ESC) von Jean-Claude Juncker im September 2016 sind gerade einmal neun Monate vergangen. Am 30. Mai 2017 hat die EU-Kommission nun einen Vorschlag vorgelegt wie das Europäische Solidaritätskorps ab 2018 umgesetzt werden soll. Ein eigenständiges Programm soll es werden, welches die Erfahrungen bestehender EU-Programme wie Erasmus+ nutzt, aber eigene Ziele und Formate formuliert und einen klaren Fokus auf Solidarität setzt. Es bezieht sich im Kern nur auf die 28 Mitgliedsstaaten der EU. Der Europäische Freiwilligendienst wird größtenteils darin aufgehen. Hinzu kommen neue Förderformate.

Freiwilligendienste - Praktika - Arbeitsstellen

Das Solidaritätskorps soll im Wesentlichen Freiwilligendienste, Praktika, Arbeitsstellen, Solidaritätsprojekte und Netzwerkaktivtäten umfassen. Allen gemeinsam soll die Ansiedlung im „Solidaritätsbereich“ sein. Das kann in Bildung und Ausbildung, in Unternehmen, im Bereich bürgerschaftliche und demokratische Partizipation, Umwelt und Naturschutz, Klimaschutz, Katastrophenschutz, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Ernährung, Gesundheit, Kreativität, Kultur, Sport, Wohlfahrt, Flüchtlingshilfe oder Umstrukturierung sein.  Anders als angekündigt, werden die Bereiche Freiwilligentätigkeiten und Praktika/Arbeitsplätze nicht in zwei Strängen sichtbar.

Neu ist: Alle Formate mit Ausnahme der Solidaritätsprojekte – nur im Inland - können sowohl im Ausland als auch im Inland absolviert werden. Dies soll vor allem benachteiligten Jugendlichen eine Teilnahme ermöglichen und den Ausbau von Freiwilligendiensten in EU-Ländern befördern, in denen dieser nicht so verbreitet ist.

Kern des Programms ist der Freiwilligendienst. Er kann als Einzelperson oder in der Gruppe absolviert werden. Für den Einzeldienst sind zwei bis zwölf Monate vorgesehen, für den „Freiwilligendienst“ in der Gruppe – man könnte auch sagen „Work Camps“ – zwei Wochen bis zwei Monate. Darüber hinaus sind Solidaritätsprojekte vorgesehen – im Programm JUGEND IN AKTION trugen sie den Namen „Jugendinitiativen“. Damit sollen lokale Initiativen gefördert werden, die von mindestens fünf jungen Menschen verantwortlich durchgeführt werden und zum Wohl ihrer lokalen Gemeinschaft beitragen. Die Projekte sollen zwei bis zwölf Monate dauern, müssen innovativ sein und einen europäischen Mehrwert besitzen. Neben dem Freiwilligendienst/ den freiwilligen Aktivitäten umfasst der ESC Praktika und Arbeitsstellen. Die Praktika sollen von den Einsatzstellen bezahlt werden und zwischen zwei und sechs, in Ausnahmefällen zwölf Monaten dauern. Sie sollen Bildungs- und Ausbildungsteile enthalten, praktisches Wissen und professionelle Erfahrungen vermitteln, die Beschäftigungsfähigkeit verbessern und damit den Übergang in eine reguläre Arbeit fördern.

Auch Arbeitsstellen soll der ESC bieten. Diese beruhen auf einem Arbeitsvertrag und werden von der Einsatzstelle entlohnt. Auch sie sollen einen Übergang in eine geregelte Erwerbstätigkeit erleichtern. Ihr Ziel soll sein, „ungedeckten Arbeitsbedarf in solidaritätsbezogenen Sektoren zu befriedigen und Solidarität zwischen den EU-Mitgliedsstaaten zu fördern“.

Die jungen Menschen, die am ESC teilnehmen, müssen zwischen 18 und 30 Jahren sein. Alle erhalten – sowohl im Freiwilligendienst als auch im Praktikum oder im Arbeitseinsatz -  dieselben unterstützten Angebote.  Daneben plant die Kommission, Aktivitäten zu fördern, die das ESC in seiner „Mission“ unterstützen: Ein Alumni-Netzwerk, jährliche Events, die für die Übernahme von Teilnehmenden des ESC in den Arbeitsmarkt werben sollen, Austausch von guter Praxis, Werbung für den ESC und Evaluationen.

Wer kann teilnehmen?

Am ESC teilnehmen können Einsatzstellen, die das „European Solidartity Quality Label“ durch einen Akkreditierungsprozess erworben haben. Es ist davon auszugehen, dass alle Organisationen, die bisher am Europäischen Freiwilligendienst (EVS) teilnehmen, dieses Label automatisch bekommen. Ebenso, dass die finanzielle Förderung von Freiwilligendienstplätzen anlog des EVS fortgesetzt wird. Das Label kann jede öffentliche oder private Körperschaft bekommen. Einsatzstellen können eine Ko-Finanzierung aus dem ESC erhalten. Damit sollen die Reisekosten der Teilnehmenden, Taschengeld für Teilnehmende am Freiwilligendienst, zusätzliche Kosten für Benachteiligte und Versicherungen finanziert werden. Außerdem soll es Mittel für die Unterstützung der Teilnehmenden geben wie Mentoring, Seminare und Koordinierungsaufgaben. 

Die finanzielle Gesamtausstattung in Höhe von 341.500.000 Millionen Euro für die Jahre 2018 bis 2020 ist zu 80 Prozent für Einsätze in Form von Freiwilligendiensten/Freiwilligentätigkeiten sowie Solidaritätsprojekte  und zu 20 Prozent  für Praktika und Arbeitsstellen bestimmt.

Laut dem Gesetzentwurf sind die jungen Menschen, die teilnehmen wollen, verpflichtet sich über das „Europäische Solidaritätskorpsportal“ zu registrieren. Insgesamt setzt die EU-Kommission ganz auf dieses neue Portal, über das auch Trainings, Sprachkurse und andere Informationen angeboten werden sollen. Die gesamte Umsetzung des ESC soll bei den nationalen Agenturen liegen, die für den Programmteil JUGEND IN AKTION in Erasmus+ verantwortlich sind – auch für den Teil Praktika und Arbeitsplätze.

Herausforderungenund Weiterarbeit

Mit dem Vorschlag ist nun klar: Organisationen und Träger im Jugendbereich werden sich zukünftig in zwei Programmen orientieren müssen: in Erasmus+ JUGEND IN AKTION und im ESC. Eine Hilfe wird dabei sein, dass beide von den Nationalagenturen verwaltet werden, die bisher für Erasmus+ JUGEND IN AKTION zuständig sind. An anderen Stellen wirft der Programmentwurf Fragen und Widerspruch auf: Ist es mit dem Solidaritätsgedanken vereinbar, dass sich der ESC nur an die EU28 Staaten richtet wo doch die Nachbarschaftspolitik eine entscheidende Priorität der EU ist und gleichzeitig die Freiwilligendienste damit aufsplittet? Wie verhält es sich mit der Arbeitsmarktneutralität und der Gefahr, dass junge Menschen in prekäre Beschäftigung geraten wenn Freiwilligendienste und Praktika/ Arbeitsplätze nicht klar voneinander getrennt sind?

Und keine Frage ist für Freiwilligendienstträger und Jugendorganisationen, dass eine Online-Plattform ein hilfreiches Instrument sein kann, aber niemals Jugendorganisationen, Entsendeorganisationen, Aufnahmeorganisationen und Träger von Einsatzstellen ersetzen kann. Gerade über diese finden junge Menschen ihren Weg in unterschiedliche Freiwilligendienstprogramme. Dass diese im Programm eine entscheidende Rolle spielen, muss dringend nachgebessert werden. Dies zu tun und die aufgeworfenen Fragen im Sinne junger Menschen angemessen zu beantworten haben das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten jetzt Gelegenheit. Der Kultur-, Bildungs- und Jugendausschuss des Europäischen Parlamentes wird seinen Bericht zum ESC Programmvorschlag am 10. Oktober 2017 vorstellen und abschließend am 11. Dezember 2017 in Straßburg abstimmen. Der EU-Jugendministerrat wird am 20./21. November Gelegenheit zur Nachbesserung haben.

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