Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Materialbox "Friedensethische Bildung"

01.06.2015 20:22 Alter: 5 yrs

Den Frieden spielen


Ziel:

  • Eigene Einsatzmöglichkeiten für den Frieden entdecken.

Teilziele:

  • Auseinandersetzung mit den Begriffen „Frieden“ und „Unfrieden“.
  • Die Bibel als Impulsgeberin für das eigene Leben kennen lernen.
  • Entwicklung von Lösungsstrategien, um Konflikte friedlich zu überwinden.

Material:

  • Zwei Plakate (mind. DIN A 2).
  • Moderationsstifte.
  • Klebeband.
  • Bibeltext Matthäus 5,38-45 (für jeden Teilnehmenden eine Kopie).

Einstieg: ABC des Friedens1

Vorbemerkung: Um den eigenen Anteil an „Krieg und Frieden“ deutlicher zu machen, wird im folgenden Gruppenstundenvorschlag mit den Begriffen „Frieden“ und „Unfrieden“ gearbeitet. Denn mit dem Gegensatz „Unfriede“ zum „Frieden“ lassen sich die beiden Begriffe auch im Kontext unseres alltäglichen Umfeldes diskutieren.

Die Teilnehmenden erhalten zwei Plakate mit den Überschriften „ABC des Friedens“ bzw. „ABC des Unfriedens“. An die linke Seite der Plakate werden untereinander die Buchstaben des Alphabetes geschrieben. Die Plakate werden im Raum offen aufgehängt.

Die Teilnehmenden werden nun gebeten, die Plakate zu füllen. Jede Person, der etwas einfällt, geht zum Plakat und schreibt ihr bzw. sein Wort hinter den betreffenden Buchstaben. (z.B. Gier unter G beim ABC des Unfriedens.) Es können hinter jedem Buchstaben auch mehrere Wörter stehen.

(1 Aus: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Niedersachsen, Friedenspädagogische Methodenbox für Teamer/Betreuer, Hannover, 2006, S.17)

Impuls: Ideen für den Frieden aus der Bergpredigt

Die Gruppe liest gemeinsam den Teil „Von der Vergeltung“ aus der Bergpredigt (Matthäus 5. 38 – 45). In einer spontanen Runde äußern sich die Teilnehmenden zu dem Bibeltext. Was halten sie von Jesu Aufruf? Wie verstehen sie ihn? Glauben sie, dass sich so Frieden herstellen lässt.

Die Bedeutung des Aufrufes Jesu lässt sich nur im geschichtlichen und kulturellen Kontext erfassen. Deshalb sollte die Leitung, je nachdem was die Gruppe erarbeitet, folgende – in Kürze dargestellte- Informationen ergänzen:

Schlägt eine Rechtshänderin bzw. eine Rechtshänder (und das sind die Mehrheit der Menschen) einem anderen Menschen ins Gesicht, schlägt sie oder er in der Regel auf die linke Wange. Um dem Gegenüber auf die rechte Wange zu schlagen, muss sie oder er den Handrücken gebrauchen. Schläge mit dem Handrücken verteilten zu Zeiten Jesu Menschen, welche Macht über andere hatten. Damit wurde Überlegenheit ausgedrückt.

Die oder der Geschlagene könnte zurück schlagen, würde sich dabei aber auf die gleiche Stufe stellen. Oder sie oder er könnte gedemütigt gehen. Oder sie oder er hält die andere Wange hin. Um auf die linke Wange zu schlagen, müsste der Unterdrücker ihre bzw. seine Handfläche oder Faust einsetzen. Damit würde sie oder er jedoch das gegenüber als Gleichgestellt akzeptieren.

Mit dem Hinhalten der linken Wange propagiert die oder der Geschlagene Gewaltlosigkeit, zeigt Mut und durch die Ergreifung von Initiative behält sie oder er seine Würde, auf der anderen Seite entlarvt die Reaktion den Unterdrücker als gewalttätig.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden anderen Beispielen die Jesus nennt. Zurzeit Jesu war der „Mantel“ das Unterhemd. Das heißt wenn jemanden das Hemd genommen wurde und noch seinen Mantel gibt, steht er oder sie nackt da. Doch in der jüdischen Tradition wird derjenige oder diejenige beschämt, der oder die andere nackt sieht.

Damals war Israel durch die römischen Truppen besetzt. Römischen Soldaten war es erlaubt, ihr Gepäck anderen Menschen aufzuzwingen, die es eine Meile tragen mussten- aber keine Meile mehr. Soldaten, die andere dazu zwangen, weiter zu laufen, wurden nach dem damaligen Militärgesetz selbst bestraft. Auf diese Weise versuchte Rom die Wut des Volkes in Grenzen zu halten. Bot nun jemand den Soldaten an, eine weitere Meile zu laufen, drehte der Unterdrückte die Situation plötzlich um und brachte nun den Soldaten in eine unangenehme Situation. Er musste nun darum bitten, sein Gepäck, welches er vorher dem Zivilisten aufgezwungen hatte, zurück zu bekommen. Auch hier erhält der Unterdrückte, dadurch dass er initiativ werden konnte, seine Würde zurück. Jesus ruft also nicht dazu auf, sich demütigen zu lassen, sondern im Gegenteil, sich deutlich zu widersetzen. Er tut dies nur auf andere Weise, wie wir es in einem ersten Impuls tun würden.

Rollenspiel: Den Frieden spielen

Wie lassen sich die Anregungen Jesu in unsere Zeit übertragen? Ziel des Rollenspiels ist es, dass sich die Teilnehmenden Gedanken dazu machen, wie sie in Konfliktsituationen angemessen und wirkungsvoll reagieren können.

Die Teilnehmenden gehen jeweils zu zweit zusammen. Jedes Paar wählt einen Begriff aus dem ABC des Unfriedens und überlegt sich eine Situation dazu, der das gewählte Wort als Überschrift dienen könnte. (U.B. wird das B wie Beleidigung wählt. In der Situation beleidigt eine Person die andere.)
Jedes Paar spielt in einem Rollenspiel der Gruppe die Situation vor. Nachdem jedes Paar ihre Situation vorspielt hat, gehen nun jeweils zwei Paare zusammen. Jedes Paar hat nun die Aufgabe, sich zu überlegen, wie der Unterdrückte in der erdachten Situation des jeweils anderen Paares im Sinne Jesu reagieren könnte.
Im oben genannten Bespiel könnte die beleidigte Person den verbalen Angreifer mit einer unerwarteten Reaktion überraschen. (z.B. Herzlichen Dank für deine Offenheit, aber jetzt lass uns wieder zum Thema zurückkehren.)
Auch die veränderten Situationen werden der Gruppe vorgespielt.

Abschluss

Am Ende kann die Gruppe gemeinsam ein Gebet für den Frieden sprechen.
Als nachdenklichen Abschluss eignet sich auch die Geschichte „Wie spielt man Frieden“ in dieser Arbeitshilfe.

Esther Koch

 

Literatur:

  • Deutsche Bibelgesellschaft, Die Bibel. Nach der Übersetzung Luthers, Stuttgart, 1999.
  • Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Glauben leben! Ein Andachtsbuch, Kassel, 2012.
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Niedersachsen, Friedenspädagogische Methodenbox für Teamer/Betreuer, Hannover, 2006.

 

Quelle:

 

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