Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Materialbox "Friedensethische Bildung"

01.06.2015 22:47 Alter: 5 yrs

Entscheidung und Gewissen


Ziel:

  • Die Teilnehmenden erkennen den Zusammenhang zwischen Entscheidung und Gewissen.

Teilziele:

  • Den Teilnehmenden wird deutlich, dass wir uns immer wieder entscheiden müssen.
  • Den Teilnehmenden wird bewusst, dass wir uns nicht nur zwischen gut und böse entscheiden, sondern oft auch abwägen und das sogenannte „kleinere Übel“ wählen.
  • Die Teilnehmenden erkennen, dass jede Entscheidung die Übernahme von Verantwortung bedeutet und auch Schuld nach sich ziehen kann.
  • Die Teilnehmenden lernen den Begriff „Gewissen“ kennen.

Material:

  • Kerze.
  • Stifte.
  • Zettel.
  • Tafel oder Flip-Chart.
  • Bild „Entscheidungssituation“.

Einstieg: Bildbetrachtung „Entscheidungssituation“

Die Leitung zeigt den Teilnehmenden das hier herunterladbare Bild [1,6 MB] oder ein ähnliches. Das Bild kann auch selbst gezeichnet, bzw. mit entsprechenden Materialien gelegt werden.
Die Teilnehmenden teilen spontan ihre Eindrücke zu dem Bild mit und die Leitung fasst das Gesagte zusammen (evtl. auch schriftlich): „Oft befinden wir uns in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen.“

Hauptteil 1: Beispiele für das Erfassen von Entscheidungssituationen

Im Friedensfall
Die Leitung entscheidet sich für eine der folgenden Entscheidungssituationen. Die Teilnehmenden sollen Pro und Contra für ihre Entscheidung nennen. Die Diskussion soll zeitlich begrenzt, die Ereignisse festgehalten werden.

  • Beispiel 1: Darf eine Regierung einer Flughafenerweiterung zustimmen, die nicht nur viele Arbeitsplätze sichert, sondern auch viele neue Arbeitsplätze schafft, aber dafür ein großes Waldstück entfernen lassen muss?
  • Beispiel 2: Soll ich meiner schwer erkrankten Mutter sagen, dass sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtert hat, wenn ich genau weiß, dass sie dann alle Hoffnung und jeden Lebensmut verliert?

Anhand der Diskussionsergebnisse stellt die Leitung fest, dass (fast) jede Entscheidung ein Dilemma beinhaltet. („Es ist zunächst unklar, was wir tun bzw. lassen sollten. Und es gibt für jede Entscheidungsmöglichkeit Für- und Gegenargumente“) Anschließend versucht die Leitung im Gespräch gemeinsam mit den Teilnehmenden, Kriterien für eine Entscheidung heraus zu arbeiten (z.B. Argumente sammeln, Experten anhören, Beteiligte zusammenführen, Volksentscheide, Alternativen diskutieren, Beispiele aus der Geschichte anführen usw.) Abschließend fasst die Leitung zusammen: „Wenn ich beide Seiten betrachtet habe, kann ich abwägen und eine Entscheidung treffen. Dies kann auch bedeuten, sich für das kleinere Übel zu entscheiden! Eine Entscheidung treffen heißt immer auch, Verantwortung zu übernehmen.“

Im Einsatz
Die Leitung erzählt folgende Begebenheit (nach Manfred Suermann)
„Dem Zugang zu einem Militärlager in Afghanistan nähert sich ein junger Afghane, der eine Handgranate hält. Der Posten auf dem danebenstehenden Wachturm bringt seine Waffe in Anschlag…“ Die Leitung erläutert ergänzend:
„Der Wachsoldat hat die Aufgabe das Lager der Bundeswehr zu bewachen, bzw. zu schützen. Neben seinem Auftrag sieht er sich einer ganz persönlichen Gefährdung gegenüber, die in der Person eines Kindes auf ihn zu tritt. Der Soldat stellt sich nun möglicherweise vor, dass Kinder - wie in anderen Fällen Frauen oder alte Menschen - vorgeschickt werden, weil die Gegner oder Angreifer erwarten, dass dann nicht geschossen werde. Sie setzen also Menschen als Mittel zum Zweck ein, weil menschliches Leben bei ihnen weniger Wert hat, als es unseren Überzeugungen entspricht.“

Die Leitung bittet die Teilnehmenden, sich in die Situation dieses Wachsoldaten hinein zu denken und dazu zu äußern. Die Zusammenfassung der Antworten wird immer wieder durch die Nachfrage an die Gruppe präzisiert: „Was soll der Soldat in dieser Situation tun?“ Die Gruppe wird wahrscheinlich keine gemeinsame Antwort formulieren können.
Die Leitung setzt nun die Darstellung wie folgt weiter: „Der Posten gibt keinen Schuss ab. Es wird bald deutlich, dass die Handgranate gegen Lebensmittel eingetauscht werden soll. Der Posten verweigert dies, schließlich legt der Junge die Handgranate neben dem Lagerzugang ab und verschwindet. Die Handgranate wird später vom Kampfmittelräumdienst gesprengt.“

Bei der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden fragt die Leitung gezielt nach: „Wie hätte sich wohl die Situation entwickelt, wenn der Soldat nicht die wirklichen Absichten des Jungen erkannt hätte oder - noch schlimmer - wenn der Junge die Handgranate ins Lager oder auf den Wachsoldaten geworfen hätte? Hätte der Wachsoldat geschossen, zuerst den Warnschuss, aber dann…? Schuld wächst dann, wenn ich jemandem etwas schulde oder etwas schuldig bleibe, etwas was ihm zusteht, worauf er einen berechtigten Anspruch hat. Wachsoldaten schulden ihren Kameraden, die im Lager oder einer Kaserne leben, dass sie geschützt werden; zugleich haben Wachsoldaten für die Sicherheit des militärischen Bereiches einschließlich des Materials zu sorgen. Das schulden sie Ihrem Dienstherrn. Der Wachsoldat in unserem Fall schuldet aber auch dem jungen Afghanen, dass er ihm sein Leben lässt.“

Hauptteil 2: Die innere Stimme des Gewissens erkennen

Vor einer solchen Situation vernehmen wir oft in uns eine Stimme, die uns sagt, was wir tun oder lassen sollen. Aber auch nach einer Entscheidung vernehmen wir oft in uns eine Stimme. Diese Stimme nennen wir das Gewissen. Das Gewissen ist nicht eine Instanz in uns, auf die wir keinen Einfluss haben. Wir können und müssen viel dafür tun, dass uns unser Gewissen verlässlich berät. Frage: „Welche Verantwortung tragen wir für unser Gewissen?“ „ Von welchen Stimmen lassen wir uns bestimmen?“ Für einen Christ gelten die Zehn Gebote und vor allem die dreifache Weisung, die uns zur Liebe zu uns selbst, zum Nächsten und zu Gott aufruft (Mt 22,34-40) als letzter Maßstab.

Abschluss

Die Leitung stellt eine Kerze in die Mitte, bzw. vor die Teilnehmenden und entzündet sie. Sie erklärt die Aktion Friedenslicht. „Jedes Jahr wird in Bethlehem in der Geburtsgrotte eine Kerze entzündet. Diese Kerze und das von ihr verbreitete Licht sind ein Zeichen des Friedens und wird von den Pfadfinderinnen und Pfadfindern nach Wien gebracht und von dort aus in über 30 Länder. Am 3. Advent wird das Friedenlicht weiter gegeben und im Anschluss von der Militärseelsorge der Bundeswehr übergeben, die es nach Afghanistan transportiert. Im Advent 2011 zum ersten Mal.“ Überlegt einmal: Was könnten wir unseren Soldatinnen und Soldaten mit dem Friedenslicht aus Bethlehem mit in den Einsatz geben? For- muliert eine Bitte, schreibt diese auf eine Karte und legt sie an die Kerze.“

 

Literatur:

  • Suermann, Manfred, Wenn ich die falsche Entscheidung getroffen habe. Über das Risiko, im Einsatz schuldig zu werden, in: Zum Thema. Magazin zum Lebenskundlichen Unterricht, Ausgabe 2.2012, Einsatzbelastung, Verantwortung und Schuld, S. 25.
  • Friedensgebet eines Soldaten, in: Katholisches Gebet- und Gesangbuch für die Soldatinnen und Soldaten in der Deutschen Bundeswehr, 7. Auflage, Berlin 2007, S. 72.

 

Quelle:

 

 

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