Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.02.2017 09:23 Alter: 314 days

Bibel AnDenken Andacht Februar 2017


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2017 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Februar 2017: "Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Lukas 10,5, (E)

Andacht Februar 2017
- von Elke Hartmann, Leiterin des Referats Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck -

Kleine Zeichen können die Welt verändern
„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ – das jedenfalls soll der griechische Denker und Philosoph Heraklit etwa 500 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung – 500 Jahre vor Christi Geburt – als Lebensweisheit verkündet haben. Alle Friedensaktivisten, Pazifisten, ja alle Juden, Christen, Moslems, Buddhisten und sicher noch viele andere werden dem vehement widersprechen oder sogar lautstark das Gegenteil behaupten. Aber, dass alles mit dem Krieg begann und vorangetrieben wird – so einfach hat es Heraklit nicht gemeint – eher, dass in der Auseinandersetzung zwischen Gegensätzen, zwischen hell und dunkel, Licht und Schatten, krank und gesund, wachsen und vergehen, Gut und Böse die treibende Kraft des Lebens zu suchen ist.

Wenn wir heute vom Frieden reden, dann doch immer mit Bildern von Unfrieden im Kopf.

Wenn wir über Krankheiten reden, dann doch immer mit dem Wunsch nach Gesundheit und Wohlbefinden. Immer schwingt die andere Seite mit, wo Licht ist, da ist auch Schatten, und umgekehrt.

Und um diese Umkehrung geht es: Licht ins Dunkel zu bringen, Ermutigung gegen Trostlosigkeit, Befreiung statt Unterdrückung, Frieden statt Krieg, mit guten Worten, ohne todbringende Waffen.

Wenn Jesus denen, die seine Botschaft weitersagen sollen, als Auftrag mitgibt: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem  Haus“, dann ist das eine Visitenkarte, wie ein Ausweis, mit dem ich mich als vertrauenswürdig zu erkennen gebe, der mir Türen öffnen kann zur Wohnung meiner Mitmenschen und oft auch zu ihren Herzen.

Friede sei mit dir – diese etwas altertümlich klingenden Worte gehen selbst erfahrenen Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern oft nicht leicht über die Lippen, wenn beim Abendmahl dazu aufgefordert wird: Gebt euch ein Zeichen des Friedens. Etwas verschämt reichen wir den Menschen neben uns die Hand, manchmal kann man auch ein Lächeln oder eine herzliche Umarmung erleben. Da ist die ausgestreckte Hand von Jugendlichen als unausgesprochene Aufforderung „gib mir Fünf“ zeitgemäßer, leichter zu verstehen. Selbst kleine Kinder, die erst wenige Worte kennen, reagieren auf diese Geste – mit einem Lächeln und oft mit ihrer kleinen Hand.

Im Alltagsleben ist das viel schwieriger: Wann gehen wir wirklich unbefangen auf unseren Nächsten zu oder sogar auf Fremde, auf Menschen, deren Sprache wir nicht verstehen, deren Kleidung und Hautfarbe sich von unserer unterscheiden?

Und was machen wir, wenn wir Ärger, Aggression, Gewalt oder Enttäuschungen erfahren haben, unsere positiven Signale zurückgewiesen worden sind, belacht oder verspottet? Wie begegnen wir denen, deren Haltung oder Meinung wir ablehnen? Gehen wir zu ihnen und wünschen wir ihnen Frieden? Die Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern damals mitgegeben hat und mit der wir uns heute auseinandersetzen, ist schon eine ziemliche Zumutung – leichter gesagt als getan.

Wer ist schon bereit, zu verzeihen und die Hand als Erster zur Versöhnung auszustrecken? Und erwarten oder erhoffen wir das von denen, denen wir Unrecht getan haben? Versöhnung ist ein kostbares Geschenk – es macht die reich, die es geben, und die, die es annehmen.

Aber der Satz: „Friede diesem Haus – Friede sei mit dir“ ist kein Zauberspruch, der automatisch wirkt. Nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“, wie spöttisch lächelnd oft geantwortet wird, ist gemeint. Wer sich für den Frieden einsetzt, wird genauer hinschauen, nicht im Oberflächlichen verharren. Friedens- und Versöhnungsarbeit hat heute viele verschiedene Gesichter - bei Amnesty International, im Dialog der Religionen, den Hilfswerken der Kirchen und säkularen Verbänden der Flüchtlings- und Asylarbeit, der grenzüberschreitenden Musik, der regenbogenfarbigen Pace-Fahne im Fenster, dem Peace-Zeichen der Non Violence Bewegung oder dem Segenszeichen der Sternsinger im Januar eines jeden neuen Jahres. Es können kleine oder größere Gesten sein, öffentlich oder unbemerkt, manchmal ganz leicht, in anderen Fällen kann es ein Leben lang dauern, bis sie wirken, oder es bleibt beim Versuch.

Nach der Begrüßung mit den Worten „Friede diesem Haus“ sollten die Jünger damals Gutes tun – Kranke heilen – das Reich Gottes ansagen. Das gilt auch heute. Wir werden mit unseren Friedensbemühungen sicher nicht den Himmel auf Erden erreichen, doch wir werden sehen, dass Engagement und Initiativen den Himmel ein Stück aufreißen lassen, dass Himmel und Erde sich berühren können.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2017" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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