Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.05.2017 01:31 Alter: 207 days

Bibel AnDenken Andacht Mai 2017


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2017 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen.

Ein Auszug für den laufenden Monat:
Monatsspruch Mai 2017: "Eure Rede sei allzeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ Kolosser 4,6 (L)

Andacht Mai 2017
- von Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche -

Antworte, wenn Du gefragt bist
„Rede erst, wenn Du gefragt wirst!“ Das war eine der Regeln, die man Kindern früher eingebläut hat. Wenn Erwachsene sich unterhalten, soll ein Kind erst dann was sagen, wenn es gefragt wird. So war das früher.

Ob Paulus etwas Ähnliches im Kopf hatte? Sollen die Christen in Kolossä erst antworten, wenn sie gefragt werden? Paulus schreibt der Gemeinde in Kolossä einen längeren Brief und darin steht auch dieser Satz: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt“ (Kolosser 4, 6).

Erst reden, wenn wir gefragt sind? Das sollten wir nicht zur Regel erklären, zumal, wenn es sich nur auf Kinder bezieht. Aber manche Rede, auch manche PowerPoint Präsentation wäre besser zu ertragen, wenn der oder die Vortragende wüsste, was die Zuhörenden eigentlich wissen wollen. Und mancher Predigt und mancher Andacht täte das wohl auch gut.

Ja, wenn ich weiß, wie die Frage lautet, kann das, was ich sage, günstigstenfalls auch eine gute und hilfreiche Antwort sein.
Wenn Paulus den christlichen Gemeinden in Kleinasien Briefe geschrieben hat, dann hatte er manchmal konkrete Fragen vor Augen. „Sag mal, Paulus, was bedeutet eigentlich ‚Auferstehung‘?“ Oder: „Paulus, wie ist das mit der Gnade? Wird die uns einfach so geschenkt, oder muss man sich die verdienen?“

Es ist ja nicht so, als gäbe es heute keine Fragen mehr. Seit 2012 gibt es eine Aktion, die sich nur mit Fragen beschäftigt. Das Projekt „Erinnerungsguerilla“ verteilt Post-Its, auf denen Fragen stehen. Es sind genau die gelben Klebezettel, die bei vielen zu Hause am Kühlschrank oder am Computerbildschirm kleben, beschriftet mit einer kurzen Nachricht als Erinnerung. „Einkaufen nicht vergessen!“ „Andacht 29.2. abgeben!!!!“ „Geburtstag von Mama!“

Die Erinnerungsguerilla glaubt an die Kraft der Fragen. Und so sammelt sie online Fragestellungen, die dann auf die Post-Its gedruckt werden.
Die ersten Fragen der Aktion hießen: Wofür lebst Du? Tut es gut, was Du tust? Was bleibt, wenn Du gehst? Gute Fragen!

Die Post-Its mit je einer Frage werden im öffentlichen Raum verklebt.
Und so kann es passieren, dass ich durch eine deutsche Innenstadt gehe – und plötzlich sehe ich diesen gelben Post-It-Aufkleber an einem Laternenpfahl kleben. Ich halte einen Moment an und lese: Tut es gut, was Du tust?

Nachdenken … nachfühlen … die Frage wird intensiver, verästelt sich: „Tut es mir wirklich gut, was ich tue?“ „Wann war das das letzte Mal so?“ „Stimmt, letztens, das war richtig gut …“

Eine gute Frage hat nicht immer eine schnelle Antwort parat. Eine Frage kann Zweifel auslösen, die es auszuhalten gilt. Und so passt die Form der Frage gut zum Glauben. Denn: Was ist schon glauben ohne zweifeln?!

Die Gemeinde in Kolossä ist mit vielen Fragen konfrontiert. Die Fragen kommen aus dem Umfeld der jüdischen Gemeinde, die in der Stadt stark vertreten war. Aber auch die Reisenden und Handelsvertreter, die auf der wichtigen Ost-West-Verbindung von Milet nach Kappadozien durch Kolossä kamen, brachten Fragen mit aus ihren Heimatländern.
Abschotten oder drauf eingehen? Nur im eigenen Saft schmoren oder sich auf die Fragen einlassen? Zumindest an dieser Stelle ist die Aussage von Paulus klar: „Antwortet, wenn ihr gefragt werdet! Seid auskunftsfähig, wenn Menschen mit ihren Fragen zu euch kommen.“ Aber wie sollen sie antworten?

Paulus sagt: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt!“ Wenn die griechisch sprechenden Menschen in Kolossä das Wort „freundlich“ auf Griechisch hören, dann klingt in ihren Ohren das Wort „Gnade“ mit. Sie verstehen: Wir sollen gnädig vom gnädigen Gott, freundlich vom menschenfreundlichen Gott erzählen. Nicht langweilig, nicht ermüdend, nicht fade, sondern mit Salz gewürzt.

Hätte sich Paulus doch bloß selbst immer daran gehalten. Ab und zu erinnert er sich bestimmt noch an den katastrophalen Abend in Troas. Ein Jugendlicher, der auch noch ironischerweise Eutychus, Glückspilz, hieß, ist damals bei einer Predigt von Paulus aus dem Fenster gefallen. Nicht, weil er dort irgendwie herumgehampelt oder weil sein Kumpel ihn geschubst hätte, sondern: Paulus’ Predigt wurde immer länger und länger und immer mehr ermüdend. Und so fiel der Glückspilz in sanften Schlaf – leider aber auch, welch ein Pech, aus dem Fenster des dritten Stocks. Gott sei Dank war alles gut ausgegangen. Aber seitdem weiß Paulus, dass seine Predigten allezeit freundlich und mit Salz gewürzt sein müssen, damit die Zuhörenden keinen Schaden nehmen.

Vielleicht hat sich Paulus seitdem an Jesus orientiert! Der war ein großer Redner. Die Menschen strömten in Scharen zu ihm. Sicher auch deshalb, weil Jesus immer wieder wunderbare Dinge tat. Aber auch, weil sie merken: Da weiß einer, wovon er redet. Jesus hat den Durst der Menschen wahr und ihre Lebensfragen ernst genommen.

Jesus spürt, welche Frage die Menschen umtreibt, die sich am Berg um ihn versammeln. Sie wollen wissen: „Wie sollen wir leben?“ Darauf antwortet Jesus mit den Seligpreisungen: Selig seid ihr! Glücklich zu schätzen – trotz der Schwierigkeiten, mit denen ihr euch herumplagen müsst. Auch wenn ihr es oft richtig schwer habt – trotzdem seid ihr glücklich zu schätzen, weil es euch wichtig ist, barmherzig und friedlich zu leben. Ihr seid selig, weil euch die Gerechtigkeit am Herzen liegt.

Was das genau bedeutet, wird Jesus auch noch ausführen. Aber hier sagt er es kurz und knapp, gnädig und zugewandt. „Selig seid ihr!“ Und damit sagt er: Ihr seid auf der richtigen Spur! Auf den Spuren Gottes!

Menschenfreundlich vom menschenfreundlichen Gott erzählen – das kann Paulus, und das können wir von Jesus lernen – freundlich und mit Salz gewürzt.
Amen.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2017" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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