Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.07.2017 00:15 Alter: 24 days

Bibel AnDenken Andacht Juli 2017


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2017 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Juli 2017: "Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“ Philipper 1,9 (L)

Andacht Juli 2017
- von Simone Enthöfer, Landesjugendpfarrerin der Evangelischen Kirche im Rheinland -

Die Kunst des Nächstenliebens

Impuls
Liebe, was ist das? Love 2.0 ist zu einem gängigen Begriff geworden. Dank medialer Präsenzen ist die Auswahl an möglichen Partnerinnen und Partnern groß. Einerseits wird das Kennenlernen einfacher, aber das Führen von Beziehungen mit Hilfe von Facebook, WhatsApp, Twitter nicht leichter. Liebe wird in manchen Netzwerken zerredet, Beziehungen anderer werden diskutiert, analysiert, bewertet und eigene Beziehungs-Arbeit ist zu leisten. Wo bleiben da noch Lust und Leidenschaft mit allen fünf Sinnen?

Aber das ist doch auch gar nicht unser Thema, oder? Paulus spricht doch von einer Liebe, die nicht einmal platonisch, schon gar nicht erotisch, eher eine Arbeitsliebe ist: Liebe, nämlich Nächstenliebe im Auftrag Gottes? Also etwas, das mit Pflicht, mit Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit dienendem Helfen und einem Dasein für andere zu tun hat?

Nächstenliebe wäre dann nicht sehr attraktiv. Ein Bild in einem wenig erquicklichen beige-braunen Sepia von Verantwortung, Selbstlosigkeit und Verlässlichkeit. Jedenfalls kein buntes Feuerwerk der Spontaneität.

So riecht Nächstenliebe nicht nach bunter Sommerwiese oder Lavendelatmosphäre. Eher weht ein Charme von Sagrotan durch die Lüfte. Es erinnert an sterile, antibakterielle und keimfreie Räume, die im wahrsten Sinne des Wortes ja auch notwendig sind, um Wunden zu heilen, Verbände anzulegen, Menschen zu versorgen.
So wäre Nächstenliebe keine wohlige Kuschelecke mit spannungsvollem Knistern, mit geheimnisvollen Zwischen-den-Zeilen Existenzen, mit zärtlichen Gefühlen: nicht der Ort, an dem der Geist weht, wo er will, und uns mitunter die Seele zerzaust, weil es an der Zeit ist, sie neu zu sortieren.

Es wäre dann eine pragmatisch-konstruierte, eine funktionalisierte, keine wild gewachsene, naturbelassene Liebe. Was ist also Liebe, auch Nächstenliebe?
(Das folgende Lied kann man an dieser Stelle unterstützend einbringen. Wer das nicht möchte, fährt einfach im Text fort.)

Lied: Nena „Liebe ist“ zum Vorspielen und/oder Mitsingen hier:
https://www.youtube.com/watch?v=53qR4dM0u4s

„Liebe will nicht, Liebe kämpft nicht, Liebe wird nicht, Liebe ist. Liebe sucht nicht, Liebe fragt nicht, Liebe fühlt sich an, wie du bist!“, singt Nena seit mehr als zehn Jahren. Gilt das auch für Nächstenliebe?

Paulus betet, dass die Nächstenliebe der Gemeindeglieder in Philippi reicher werde an Erfahrung und Erkenntnis. Worum würde er für uns heute beten? Dass auch unsere Liebe reicher würde an Erkenntnis?
Vielleicht doch der Erkenntnis, dass der alte Spruch „Schnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst“ so nicht mehr und auch in Bezug auf Nächstenliebe nicht mehr stimmt? Schon mal gar nicht bei jungen Menschen, die sagen, „Wir wollen in unserem Leben etwas machen, was uns Spaß bereitet und gleichzeitig unser Tun mit Sinn erfüllt. Wir brauchen keine Work-Life-Balance wie unsere Vorgängergenerationen, weil wir so eine Trennung nicht wollen. Arbeit und Privates sind eng miteinander vermischt und gehen auf gemeinsame Leidenschaften zurück.“

Vielleicht würde Paulus fragen: Wo engagierst du dich und warum? Machst du das, was du tust, gerne? Brennst du für eine Sache nicht nur aus Pflichtgefühl? Er würde uns in der Nächstenliebe zu Lusterfahrungen statt Frusterfahrungen ermutigen. Vielleicht auch zurufen: Liebe krampft nicht, Liebe ist so, wie du bist. Ganz individuell! Mache das, was du für sinnvoll und wichtig hältst und was dir Spaß und deine Liebe reich und wertvoll macht.

Darin stehen wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu in seiner Nachfolge. Den vielen Handlungen Jesu, die wir im Neuen Testament finden, geht zunächst eine Begegnung, das In-Kontakt-Treten, ein Gefühl für einen anderen entwickeln voraus. Zum Beispiel, als Jesus den Lahmen am Teich Bethesda heilt (Johannes 5, 1 ff.). Er sieht ihn, er bemerkt ihn, er hat Mitleid mit ihm. Und auch, wenn es so nicht explizit geschrieben steht, werden sich Jesus und seine Jünger nicht für diesen bis dahin zur Hoffnungslosigkeit verdammten Mann wahnsinnig gefreut haben? Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, als der arme Mensch sich nach fast vierzig Jahren plötzlich auf die Beine stellt, seine Matte unter den Arm nimmt und geht, vielleicht vor Freude Luftsprünge macht? Das sind doch Momente, in denen einem das Herz übergeht. Manches wird uns so nüchtern überliefert, aber ist nicht Vieles davon eine Liebesgeschichte, in der sich wahrscheinlich Menschen vor Glück in die Arme gefallen sind?

Was heißt das für uns heute? Mit dem, was ich kann, mit dem, was ich mit Lust und Leidenschaft mache? Anderen Menschen zu helfen, sie unterstützen zu können, das sind doch die eigentlichen Erfahrungen, die für uns die Antriebsfedern sind, uns zu engagieren. Die Erkenntnis, ich unterstütze und bringe mich ein, weil da auch Liebe und Gefühle im Spiel sind, weil Menschen und ihre Lebensgeschichten mich anrühren, weil ich Freunde gefunden und Menschen lieb gewonnen habe, mich vielleicht sogar verliebt habe in jemanden, der sich mit mir gemeinsam für eine Sache engagiert. Das ist nicht verwerflich. Das sind wunderbare Erfahrungen, in denen viele unterschiedliche Facetten der Liebe hier und dort, mal mehr, mal weniger zum Leuchten kommen. Da dürfen zu Recht die Vorsilben von Eustress und Eu-angelion ineinander verschmelzen.

In diesem Sinn ist Nächstenliebe keine Pflichtübung, auch sie ist Liebe mit vielen Sinnen. Wie schön, wenn unsere Liebe immer noch reicher würde an lustvollen Erfahrungen in einem Engagement für eine Sache, für und mit Menschen.
Das wären sicher nicht die schlechtesten Erfahrungen und Erkenntnisse, um die Paulus im Gebet für seine Freunde in Philippi hätte bitten können. Hoffentlich hat er dann auch uns, die nachfolgenden Generationen, in sein Gebet eingeschlossen!
In diesem Sinne: Liebe wohl!

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2017" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

Alle Preisangaben sind inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versandkosten ab 2,95 Euro innerhalb Deutschlands. Die Versandkosten richten sich nach Versandart, Größe und dem Logistikdienstleister.


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