Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.10.2017 00:10 Alter: 73 days

Bibel AnDenken Andacht Oktober 2017


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2017 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Oktober 2017: "Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lukas 15,10 (L)

Andacht Oktober 2017
- von Cornelia Dassler, Landesjugendpastorin in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers -

Genauso freuen sich die Engel ...
Der Streit war groß. Keiner von beiden wollte nachgeben. Ein Wort gab das andere. Türen knallten. Sie war weg. Ein Abschied ohne „Auf Wiedersehen“. Am nächsten Tag zogen beide einen Flunsch, sprachen kein Wort miteinander, gingen sich aus dem Weg. Die miese Stimmung färbte auf alle anderen in der näheren Umgebung ab. Worum es genau ging, war nicht herauszubekommen. Beide waren verletzt und wütend aufeinander. „Nie wieder rede ich mit dir.“ „Jetzt ist es aus. Für immer.“ „Das verzeihe ich dir nie.“ So, oder so ähnlich stand es beiden ins Gesicht geschrieben. Dabei litten sie unsäglich unter der Situation, auch das konnte man sehen. Und auch alle anderen litten unter dieser unversöhnlichen Stimmung. Klar war nur, dass auf jeden Fall immer der andere schuld war. Natürlich!

Was muss passieren, damit eine solche Situation sich auflöst?

Es kann vorkommen, dass wir uns in so eine Lage begeben, aus der wir nicht mehr herausfinden. Wir fühlen uns schuldig, können aber nicht den ersten Schritt auf jemanden zugehen. Eigentlich lässt uns diese ungeklärte Situation nicht los. Aber wir schaffen es nicht, weil wir uns nicht trauen, oder weil wir zu stolz sind, oder weil ... Da kann es viele Gründe geben. Und irgendwann denken wir, es sei zu spät. Vorbei. Keine Chance mehr.

Es gibt viele Wege in die Sackgasse. Und es ist schwer, aus eigener Kraft wieder herauszufinden. Gott vermuten wir nicht an unserer Seite, wenn wir uns verrannt haben. Wenn wir das schon in Beziehungen als so schwierig erleben, in Fällen, wo es vielleicht noch um anscheinend harmlose Dinge geht, – wie fühlt es sich erst an, wenn jemand absichtlich, wissentlich einer anderen Person Leid zugefügt hat? Gibt es einen Ausweg aus einer solchen Sackgasse?

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ So der Text der Lutherbibel. „Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen mit Schuld beladenen Menschen, der sein Leben ändert.“ – So wird der Vers in der Basisbibel übersetzt.

Dieser Satz ist ein Wegweiser, mit dem ich aus der Sackgasse herausfinden kann. Die Angst, dass ein anderer Mensch mir nicht verzeiht, dass ich sie oder ihn versetzt, verletzt oder gekränkt habe, kann ich beiseitelassen. Die Frage, ob am Ende des Wegs ein neuer Anfang mit denen stehen wird, denen gegenüber ich mich schuldig gemacht habe, ist nicht mehr so wichtig. Wichtig ist die Umkehr. Wichtig ist, den Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Verantwortung zu übernehmen für mein Handeln: für das, was ich getan oder unterlassen habe, und für das, was ich tun werde.

Es ist wie in den drei Gleichnissen vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohn: So wie sich der Hirte über das wiedergefundene Schaf freut, so wie sich die Frau über ihr wiedergefundenes Geld freut, so wie der Vater sich über den zurückgekehrten Sohn freut, „genauso freuen sich die Engel Gottes über einen mit Schuld beladenen Menschen, der sein Leben ändert“. In den drei Gleichnissen geht es um das Überleben, um die Existenz. Wenn ich schuldig geworden bin, geht es ebenfalls um die Frage, wie ich weiterleben kann: mit der Last von Schuld oder mit der Aussicht auf Versöhnung. Es ist lebenswichtig, dass ich mich trauen kann umzukehren, wenn ich schuldig geworden bin. Umkehr ist besser als Verzweiflung.

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Dieser Satz ist für jemanden in der Sackgasse wie eine ermutigende Umarmung, eine vertrauensbildende Maßnahme. Er ist die Einladung, den inneren „Schweinehund“ zu überwinden und mit ihm alles hinter uns zu lassen, was uns davon abhalten könnte, den Weg der Versöhnung einzuschlagen und umzukehren. Was können wir mehr wollen?

Für Martin Luther steckte sowohl hinter dem, was wir inneren Schweinehund nennen, als auch hinter dem Bösen in der Welt der „böse Feind“: der Teufel. Der Teufel ist uns fremd geworden. Wir müssen komplizierter erklären, was in unserer Welt nicht in Ordnung ist. Das macht es nicht leichter. Wir leben mit der Last, in Zusammenhänge verstrickt zu sein, in denen wir an anderen schuldig werden. Auch dafür gilt der Satz: „Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen mit Schuld beladenen Menschen, der sein Leben ändert.“ Es kommt darauf an, den Schritt in die Richtung von Frieden und Gerechtigkeit zu gehen, den wir gehen können. Und es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was alles nicht in unserer Macht steht.

Deshalb passt für mich die Bitte aus dem Morgen- und Abendsegen Luthers so gut zum Monatsspruch für Oktober: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“
Amen.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2017" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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