Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.11.2017 02:00 Alter: 24 days

Bibel AnDenken Andacht November 2017


Monatsspruch November 2017: "Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ Hesekiel 37,27 (L)

Andacht November 2017
- von Peter Schröder, Landesjugendpfarrer der Lippischen Landeskirche -

Zimmer frei
Es ist gar nicht so einfach, einen neuen Mitbewohner oder eine neue Mitbewohnerin für eine WG zu finden. Meist beginnt das mit einem Aushang: „Zimmer frei in WG“. Dann stellen sich die Bewerber und Bewerberinnen vor. Aber wie soll man dann entscheiden? Was sind die Kriterien? Wer passt zu einem? Wie kann man das herausfinden? Aus dieser Frage hat das WDR-Fernsehen eine sehr erfolgreiche Sendung gemacht: „Zimmer frei – Prominente suchen ein Zuhause“, moderiert von Christine Westermann und Götz Alsmann. Die Sendung läuft seit 1996, obwohl sie ursprünglich nur als Lückenfüller für das Sommerloch geplant war. Die Bewerber*innen müssen eine Reihe von Tests überstehen. Bei einer gemeinsamen Mahlzeit werden Informationen über den Gast gesammelt. Dann muss er/sie ein Bilderrätsel lösen und verschiedene Spiele spielen. Danach wird er/sie zu einem Gespräch auf das Sofa gebeten, und schließlich macht man gemeinsam Musik. Am Ende entscheidet das Saalpublikum, ob der Gast in die WG einziehen darf.

Gott will bei uns wohnen. Sollen wir ihn auch zu einem Bewerber-Casting einladen: „Zimmer frei – Prominente suchen ein Zuhause“? Wenn irgendjemand „prominent“ ist, dann doch Gott! Oder nicht? Es ist ja das Los von Prominenten: Erst kennt sie jede*r. Dann werden sie allmählich zu B-Promis. Und irgendwann werden sie vergessen. Und tauchen, wenn sie Glück haben, vielleicht noch einmal in der Zeitschrift „Stern“ auf – unter der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“

Die Zeiten, in denen jede*r Gott kannte, sind vorbei. Also müsste er sich wohl erst mal vorstellen. Möglicherweise würde er ganz von vorn beginnen: Ich bin der, der Himmel und Erde geschaffen hat. Aber die kritischen Geister würden einwenden: Das glaubt doch nun wirklich keiner mehr.
Wir wissen doch inzwischen besser, wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat.
Dann würde er wohl davon erzählen, dass er die Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat. Aber historisch gut Informierte wüssten auch das besser: Den Auszug des Volkes Israel hat es in dieser Form nie gegeben.

Gott würde einen dritten Anlauf nehmen und sagen: Ich bin der, der dich beschützt und erhält. Aber da könnte manch einer ganz andere Geschichten erzählen. Punktabzug für Gott.

Dann sind da noch die Spiele. Die Probe aufs Exempel: ob Gott unsere Spiele mitspielt. Ob er unsere Rätsel lösen kann. Aber Gott lässt sich nicht auf unsere Spiele ein. Sie sind ihm zu unverbindlich. Und unseren Rätseln fügt er noch ein paar hinzu. Aber die sind größer als unsere – und nicht so leicht zu lösen. Das wäre wohl ein anstrengendes WG-Mitglied. Mit dem wird das Gespräch auf dem Sofa vermutlich auch nicht so richtig entspannt. Punktabzug, Punktabzug, Punktabzug.

Sieht schlecht aus für Gott. Lediglich in Sachen Musik kann er punkten. Die Psalmen sind schon sehr alt. Die Gesangbuchlieder auch, wenn auch meist 2000 Jahre jünger. Es gibt wunderbare Kirchenmusik. Und immer wieder neue, moderne Lieder. Musik mit Gott, das geht gut, das macht Spaß. Aber wenn das alles ist – Musik gibt es auch anderswo. Und nun wäre also das Publikum gefragt, also wir: Soll Gott bei uns einziehen? Oder wollen wir sagen: Nein, tut uns leid, die Wohnung ist schon vergeben? Kein Freiraum zurzeit. Vielleicht später einmal! So entscheiden viele. Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt. Die, die noch zur Kirche gehören, möchten auch nicht unbedingt ihren Alltag mit Gott verbringen – ehrlich gesagt: nicht einmal den Sonntag. Sie haben in ihrem Leben keine Zeit für Gott und keinen Platz. Und so wird es dann halt nichts mit der Wohngemeinschaft: Tut uns leid, zurzeit haben wir nichts frei. Einer nach dem anderen geht seiner Wege. Der Letzte macht das Licht aus.

Jetzt aber gibt es eine gute Nachricht: Das letzte Wort ist nicht das letzte Wort, sondern bestenfalls das vorletzte. Das letzte Wort hat Gott. Und die Entscheidung von Menschen gegen Gott ist nicht die letzte Entscheidung, sondern bestenfalls die vorletzte. Die letzte Entscheidung trifft Gott. Durch seinen Propheten Ezechiel lässt Gott sagen: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ Man könnte es ebenso gut auch so übersetzen: „Ich werde unter ihnen wohnen und werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“ Denn wenn Gott etwas will, dann kommt es so

Gott hat sich für die Israeliten entschieden, und dieser Entscheidung bleibt er treu – auch wenn sich die Israeliten gegen ihn entschieden haben.

Der Prophet Ezechiel gehört zu denen, die im Exil leben müssen, nachdem der Staat Israel zerstört worden ist. Die in der Fremde leben, haben die Hoffnung längst aufgegeben, es könnte noch einmal einen neuen Anfang geben im alten Land. Die haben die Sehnsucht fast vergessen, der alte Gott könnte wieder in ihrer Mitte wohnen wie früher. Sie wissen, dass es ihre eigene Entscheidung war, sich von ihm abzuwenden. Selbst schuld. Aber diese Entscheidung war, wie gesagt, nur die vorletzte. Die letzte Entscheidung trifft Gott: „Ich werde unter ihnen wohnen und werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“ Nicht die Menschen entscheiden, ob sie mit Gott leben wollen, sondern Gott entscheidet, dass er mit den Menschen leben will. Und das, obwohl bei seinem Casting die Menschen so viele Punkte abgezogen bekommen, dass sie ständig im Minus sind.

Gott bleibt sich treu. Er will, er wird unter uns wohnen. Der Evangelist Johannes fasst die Weihnachtsgeschichte so zusammen: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ (Johannes 1, 14). Gott kommt in unsere Welt, er mischt sich ein. Wenn Menschen sich von ihm abwenden, dann wendet er sich ihnen wieder zu. Wenn sie versuchen, gott-los zu leben, zeigt er ihnen, dass sie Gott nicht loswerden. Und dass der Wohnraum in der Welt, was Gott betrifft, knapp ist, das erzählt die Bibel längst: Nicht umsonst heißt es in der Geburtsgeschichte Jesu, dass es für seine Eltern keinen Raum in der Herberge gab. Aber wenn es keinen Raum gibt für Gott, dann nutzt er die Zwischenräume: einen Stall, eine Wüste, die Wohnungen von Zöllnern, Kranken, Prostituierten. Gott findet seinen Raum. Und er lädt Menschen ein – nicht nur in die Kirche, sondern vor allem in solche Zwischenräume: in die Räume zwischen Alltag und Feiertag, in die Räume zwischen Hoffnung und Trostlosigkeit, in die Räume zwischen Schwäche und Kraft, in die Räume zwischen Lachen und Weinen. So gesehen gibt es viel Raum für Gott!

Gott lädt uns ein in seine Räume. Er sucht uns als Mitbewohner – so herum wird es richtig. Er hat entschieden, dass er mit uns leben will. Und wir können eigentlich nur sagen: Gott sei Dank!

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