Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.01.2018 01:00 Alter: 261 days

Bibel AnDenken Andacht Januar 2018


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2018 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Januar 2018: "Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Slave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.“ Deuteronomium 5, 14 (L)

Andacht Januar 2018
- von Wolfgang Blaffert, Referent für Theologie, Jugendforschung und Fortbildung im Landesjugendpfarramt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers -

Nichts. Sinnvolles. Tun.
Er lag auf dem Bett und wusste nichts mit sich anzufangen. An der Zimmerdecke bewegten sich Spinnweben im Windzug. Eine Fliege krabbelte die Wand hoch. Das war alles, was sich an diesem Nachmittag ereignete. Nicht gerade sensationell. Ein Junge, Spinnweben, eine Fliege. Und Stille! Noch nie hatte er solch eine Stille erlebt. Sie füllte den Raum und summte in seinen Ohren. Es war wie bei einem Bild, das man bearbeitete. Man konnte Beleuchtung und Farbe verändern oder den Kontrast. Und je dichter die Stille wurde, desto schärfer wurde sein Bewusstsein dafür, dass es ihn gab. Klar, jeder Mensch weiß, dass es ihn gibt. Keine tolle Erkenntnis. Aber das hier war anders. So, als ob er in der Stille die Regler aufdrehen konnte, um das Bild zu verändern. Es deutlicher werden zu lassen. Jeder Muskel, jeder Nerv, jeder Gedanke sprach davon, dass er da war. Da sein! Jetzt! Unentrinnbar!

Unheimlich war das! So etwas hatte er noch nie erlebt. Denn eigentlich kannte er solche Momente des Stillstands nicht. Er hatte immer etwas zu tun. Sein Kalender war voll: Schule, Leistungskurs Deutsch, Leistungskurs Englisch; sein Fußballverein, die Band (sie nannten sich Micawberish: unermüdlich), die Theatergruppe, seine Freunde und natürlich Lisa, mit der er seit zwei Jahren zusammen war. Sie hatten Pläne für später. Große Pläne. Dafür mussten sie beide sich ins Zeug legen, und das taten sie auch.

Aber jetzt war alles anders. Martin lag auf dem Bett, tatenlos. Erdrückt von der Stille. In ihm purzelten die Gedanken durcheinander. Erstaunt nahm er wahr, was sich in seinem Kopf alles tat. Es war wie mit einem Schnellkochtopf, der nicht richtig verschlossen war. Überall an den Rändern drang der Dampf nach außen. Manchmal meinte er, seine Überlegungen tatsächlich sehen zu können: kleine Rauchfahnen, die sich langsam in der Luft auflösten. Unheimlich war das richtige Wort. Was lange verborgen gewesen war, trat plötzlich ins Licht. Er erinnerte sich an Fragen, die er sich noch nie laut gesagt hatte: Wie will ich leben? war so eine Frage. Und auf einmal empfand er, dass seine bisherigen Antworten darauf nur nachgeplappert waren von anderen: seinen Eltern, den Lehrern und Lehrerinnen, den Trainer*innen, anderen Erwachsenen.

Das Gefühl der Beklemmung wich einer überwältigenden Neugier. Das war so seltsam. Er tat nichts, und trotzdem geschah ganz viel. Er rührte sich nicht, und die halbe Welt kam bei ihm vorbei. Vielleicht sollte er das häufiger machen, überlegte er. Nicht immer natürlich. Logisch! Aber dieser ständige Stress machte einen auf Dauer blind. Wie wäre es, nicht ständig weiter zu hetzen, sondern einfach mal stehen zu bleiben? Ohne Ablenkung. „Der siebte Tag ist ein Ruhetag.“ Wo stand das noch mal? Aber eigentlich eine ziemlich coole Idee. Einen ganzen Tag lang: Nichts. Sinnvolles. Tun.
Vielleicht ging das auch mit anderen zusammen. Warum nicht?

Die Fliege näherte sich den Spinnweben, die sich nicht mehr bewegten.

Es klopfte. Seine Mutter steckte den Kopf durch die Tür.

„Was machst du?“, fragte sie. „Nichts!“, sagte Martin und strahlte.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2018" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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