Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.05.2018 01:00 Alter: 142 days

Bibel AnDenken Andacht Mai 2018


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2018 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Mai 2018: "Es ist aber der Glaube, eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Hebräer 11,1 (L)

Andacht Mai 2018
- von Dr. Sven Evers, Landesjugendpfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg -

Man sieht nur mit dem Glauben gut
Ein unbekannter Mensch schreibt einen Brief an eine unbekannte Gemeinde. Nennen wir seine Schrift den Brief an die Hebräer. Es könnte aber auch der Brief an die Hamburger oder Münchner, die Diefelsbacher oder Güstrower sein. Eigentlich ist das egal. Es ist eine Gemeinde, in der immer weniger Menschen zum Gottesdienst kommen.

Eine Gemeinde, in der immer mehr Menschen sich einrichten in dem, was sie vorfinden. Glaube hat dort schon lange nichts mehr mit Suche, Wanderschaft oder Unterwegs-Sein oder mit dem täglichen Leben zu tun. Anderes ist wichtiger geworden. Die Party am nächsten Wochenende oder der nächste Einkauf oder das nächste Casting oder das nächste Fußballspiel. Aber Lebens-Ziele? Nein, die hat eigentlich niemand mehr so recht. Und die, die noch welche haben, fragen sich manchmal, ob es das alles überhaupt noch wert ist.

Während vor den Altären in den Kirchen die Leere immer weiter um sich greift, wächst der Zustrom derer, die sich vor den Altären des Konsums versammeln oder auch vor denen der angeblich wertfreien und objektiven Wissenschaft.

Glauben könne man nur, was man sehen, ja was man am besten wissenschaftlich beweisen kann. Es sei an der Zeit, so wird gesagt, dass der Mensch sich herausbegebe aus der Unmündigkeit, in der die Religion ihn gefangen hält.

Ja, es gibt noch Menschen, die fragen. Menschen, die echte Fragen stellen. Nach Sinn und nach Erfüllung. Manche sagen sogar im Stillen, sie wollten wohl gerne glauben. Mit verstohlenem Blick und ein klein wenig neidisch schauen sie auf jene, die sich noch in den Kirchen und anderswo versammeln zu Gottesdienst und Gebet. Neidisch, weil sie sich das eigentlich auch wünschen: einen Gott zu haben, auf den man sich verlassen kann, wenn alle einen verlassen. Der trägt und hält, wenn aller Halt zerbricht. Der einen Sinn gibt, der Mindesthaltbarkeitsdaten und Garantiezeiten überdauert und zu verstehen hilft, wo alle Erklärungen scheitern.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“, schreibt der unbekannte Autor. Genauer hingeschaut steht da auf Griechisch: Der Glaube ist die Verwirklichung von Erhofftem und Beweis für die Dinge, die man nicht sieht.

Ja, Glaube hat zu tun mit dem, was man nicht sehen kann. Aber mal ehrlich: Lebst du nicht jeden Tag von dem, was du nicht siehst viel mehr als von dem, was sichtbar vor Augen steht? Was ist mit der Liebe, die deine Eltern dir schenken, oder dem Halt, den gute Freunde geben? Was ist mit dem Vertrauen in andere Menschen und in dich selber, von dem sich erst erweisen muss, ob es gerechtfertigt ist oder nicht?

Vielleicht passiert tatsächlich das Entscheidende im Leben im Bereich dessen, was man nicht sehen kann. Weder mit den Augen noch mit dem Mikroskop.

Vielleicht ist die Frage, um die es wirklich geht, gar nicht die, ob ich auf das vertraue und an das glaube, was ich sehe oder nicht sehe – sondern die, ob ich im Bereich dessen, was unsichtbar ist, an das glaube und auf das vertraue, was wirklich trägt. Das meint jedenfalls der Autor des Briefes an die Hebräer (aber er könnte genauso gut an dich oder mich geschrieben sein ...).

Glauben heißt, schreibt er, das Reich Gottes als ein ganz konkretes Ziel vor Augen zu haben. Es heißt: auf der Durchreise sein hier in dieser Welt, weil das wahre Zuhause jenseits dessen liegt, was vor Augen ist. Alle Ziele, die wir im Leben haben können, sind klein und nichtig angesichts dieses großen Ziels: die Gemeinschaft mit Gott in seinem Reich. Was ist es schon, für ein paar Monate im Rampenlicht der Medien zu stehen? Was ist die Goldmedaille, für die manche monatelang alles tun? Was ist das Haus, das wahrscheinlich verkauft sein wird, bevor der letzte Abtrag bezahlt ist? Was ist die Anerkennung der anderen, die so wechselhaft ist wie das Wetter? Was ist all das gegen dieses große, alles übergreifende, alles umfassende Ziel: Gemeinschaft mit Gott – in diesem Leben und über dieses Leben hinaus? Ja, auch und gerade schon in diesem Leben! Glaube ist keine Vertröstung auf eine jenseitige und vermeintlich bessere Welt, die niemals kommt, das Reich Gottes kein billiger Trost für zu kurz Gekommene oder Zurückgebliebene, die noch nicht willens oder in der Lage sind, sich ihres Verstandes zu bedienen.

Reich Gottes – das fängt hier und jetzt an. Reich Gottes und der Glaube daran, das feste Vertrauen darauf, das heißt zum Beispiel – Jesus macht es vor, und die Geschichte des Glaubens ist reich an Beispielen:

  • dass wir einander vergeben, wie Gott uns vergibt;
  • dass wir Unrecht benennen, so wie er es benennt;
  • dass wir in unseren Mitmenschen Schwester und Bruder erkennen und nicht den oder die, die uns nehmen will, was wir meinen „verdient“ zu haben und das doch in Wahrheit Geschenk ist für uns;
  • dass wir Gerechtigkeit verstehen als die Frage nach dem, was eine jede braucht, und nicht danach, was ihr angeblich – und natürlich nur nach unseren eigenen Maßstäben – zusteht.

Glaube an das nicht irgendwann, sondern schon hier und jetzt kommende Reich Gottes, das heißt auch: Es gibt einen Ort für meinen Schmerz und mein Leid, für meine Zweifel und Fragen. Und es gibt einen Ort für die großen Freuden und glücklichen Momente in meinem Leben, die eben nicht einfach nur vergehen und dann vorbei sind, sondern die Gott in seinem Herzen aufbewahrt.

Von einem solchen Glauben spricht der unbekannte Autor. Und dass es einen solchen Glauben gibt und dass ein solcher Glaube immer wieder Menschen Halt und Orientierung, Kraft und Sinn gegeben hat, das ist ihm Beweis genug dafür, dass es sich lohnt, sich auf Gott und sein Wort zu verlassen und darauf zu vertrauen.

Ja, es braucht Beispiele des Glaubens, wenn ich selber glauben soll. Es braucht Beispiele dafür, dass Glaube gelingen kann, wenn du es wagen sollst, zu glauben. Es braucht Menschen, die dich im Glauben bei der Hand nehmen, wie dich Vater und Mutter bei der Hand genommen haben, als du das Laufen lerntest.

Deshalb zählt unser unbekannter Autor Menschen auf, die so geglaubt haben wie eben beschrieben. Menschen, die das Ziel des zukünftigen und schon gegenwärtigen Reiches Gottes so vor Augen hatten und sich davon haben leiten lassen auf ihrem Lebensweg. Sie hatten es dadurch nicht immer leicht. Dafür aber wussten sie in allem, was sie um dieses Zieles willen taten, warum sie es taten, warum sie unterwegs waren, warum sie manche so mühsamen Kämpfe gegen andere und gegen die Verhältnisse und gegen sich selber ausfechten mussten.

Abraham zum Beispiel: Er brach im Vertrauen auf Gottes Wort auf, ohne zu wissen, wo er hinkommen würde. Oder Mose, der auf Gott vertraute, Ägypten verließ, und keine Angst vor dem Zorn des Pharaos hatte. „Mir fehlt die Zeit“, fährt der Autor des Hebräerbriefs fort, „mir fehlt die Zeit, auch noch von Gideon, Barak, Samson, Jephta, David und Samuel und von den Propheten zu erzählen. Aufgrund des Glaubens haben sie Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft und gewaltiges Feuer gelöscht.“

Ich bin sicher, dass es auch heute zahlreiche Beispiele gibt dafür, dass ein solcher Glaube, dass ein solches Vertrauen im Leben Sinn und Kraft, Halt, Orientierung und Trost schenkt.

So erleben es die Menschen, die unserem Gott ihre Toten anvertrauen und sich in Leid und Gebet und – vor allem – in Stille an ihn wenden. Wissend, oder doch zumindest ahnend und hoffend, dass er hört.

So erleben es die Leidenden, die Unterdrückten, die Vergessenen, die Geächteten, die Getöteten, die Trost suchen – wissend, dass dieser Trost den Bauch nicht satt macht, die Unterdrücker nicht bestraft und die Toten nicht zum Leben erweckt – und doch alles verändert.

So erleben oder erahnen es vielleicht auch die vielen, die zum Beispiel nach Terroranschlägen in unseren Kirchen oder anderen gemeinsamen Orten schweigend zusammenkommen, Kerzen anzünden und Gebete sprechen, von denen sie selber nicht wissen ...

So darfst du es erleben, wenn du diesen Glauben wagst.

So dürfen wir es erleben, wenn wir diesen Glauben gemeinsam wagen.

Nur das glauben, was wir sehen? Wie arm wäre das Leben, wenn wir das täten.

Es gibt kein Geheimrezept für den Glauben, außer: Glauben. Halte dich an das, was die Alten erzählen und auch die Jungen, die Glauben (er)leben. Nimm dir ein Beispiel und probiere es aus. Erwarte keine Beweise und keine Garantie. So wie man Schwimmen nur im Wasser lernt, so kann man Glauben nur durch Glauben lernen.

Wage es. Springe. Glaube – eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Und noch mehr: Der Glaube ist schon die Verwirklichung des Erhofften und der Beweis für das, was du nicht sehen kannst.
Amen.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2018" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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