Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.06.2018 00:15 Alter: 17 days

Bibel AnDenken Andacht Juni 2018


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2018 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Juni 2018: "Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ Hebräer 13,2 (E)

Andacht Juni 2018
- von Sarah Oltmanns, Landesjugendpfarrerin für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesischen Oberlausitz -

Vom Gastgeben und: Gastnehmen
Hattest du schon mal einen Überraschungsgast zu Hause? Ich nicht. Ich habe mir das aber schon mehrfach gewünscht. Zum Beispiel, wenn ich eine Party ausgerichtet habe. Da hatte ich die heimliche Hoffnung, dass vielleicht der junge Mensch dazukäme, in den ich mich verguckt hatte und den einzuladen ich mich nicht traute. Aber wie gesagt: Einen solchen Überraschungsgast hatte ich nie zu Gast. Es ist auch nie jemand aus einer Torte gesprungen.

Ich halte es aber für nicht ausgeschlossen, dass ich Gäste zu Hause hatte, die, ohne es zu ahnen, Engel waren.

Letztlich kann man das ja gar nicht genau überprüfen, wer Engel ist und wer nicht. Leider, muss man ja fast sagen, denn sonst könnte man sich im Türrahmen einen Detektor einbauen, der es anzeigt, sobald ein Engel die Tür passiert. Das würde es mir dann leichter machen, zu wissen, wann ich den guten Wein der Eltern aus dem Keller holen muss.

Bei mir zu Gast waren in der Regel Freunde und Bekannte aus dem Verein und von der Schule. War darunter vielleicht ein Engel? Vielleicht Inga? Die war in der Grundschule schon immer so lieb. Außerdem haben sich ihre Eltern getrennt; sie weiß also, was Menschen brauchen. Vielleicht ist aber auch Mulle so ein Engel? Wir haben ihn Mulle genannt, weil wir nicht wussten, wie er wirklich heißt. Der war irgendwie komisch, aber nett. Vielleicht müssen Engel ja so sein, damit unser Augenmerk auf sie fällt?

Am Ende kommt ja eh alles raus, sagen sogar meine Eltern. Und das gilt sicher auch für die Gastgeberschaft von Engeln, von denen man nichts ahnt. Es gibt genug Geschichten, die erzählen, wie sehr man mit Überraschungsgästen rechnen muss.

Wie zum Beispiel vor längerer Zeit im Hain zu Mamre, einem kleinen Ort in der Nähe von Hebron in Israel. Da wohnten Abraham und Sara. Die beiden hatten auch eine heimliche Hoffnung, nämlich ein Kind zu kriegen. Dieser Kinderwunsch war aber sehr unrealistisch, denn sie waren schon alt.

Eines Mittags, als Abraham vor seinem Zelt saß, sah er drei Männer auf sich zukommen. Er lud sie spontan als Gäste ein. Sara half Abraham, damit die drei ein fürstliches Essen bekamen. Und dann kam die große Überraschung: Die Gäste prophezeiten, dass sich ihr Kinderwunsch erfüllen werde. Sara musste lachen, denn das war schon absurd. Aber im Nachhinein entpuppte sich die Sache als wahr, denn Abraham und Sara hatten, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Manchmal kann es auch umgekehrt sein. Nämlich dass man nicht Engel als Gast, sondern einen Engel als Gastgeber hat. Das war zum Beispiel vor einiger Zeit in Zapfendorf der Fall. Dort waren in einem stillgelegten Landgasthof Geflüchtete aus Syrien untergebracht. Eines Tages kam ein älteres Ehepaar vorbei, die nach einem Urlaubsausflug hungrig waren. Sie ließen sich vom Schild „Brauerei-Gasthof Hennemann“ leiten. Sie wurden an der Tür nicht abgewiesen, sondern hereingebeten und im Gemeinschaftsraum an einen Tisch gebracht. Der vermeintliche Kellner, ein Geflüchteter aus Syrien, bot dem Paar an, was der Kühlschrank gerade so hergab: Käse und Joghurt und Brot. Die beiden Urlauber bestellten. Die Geflüchteten ahnten die Verwechslung und bemühten sich umso mehr, ein gutes Essen zu präsentieren. Als die Urlauber nach dem Essen zahlen wollten, waren sie verwundert, dass es nichts kosten sollte und sie eingeladen waren. Nun wurde der Irrtum aufgeklärt. Das Paar war natürlich ganz schön perplex.

Und dann gibt es natürlich auch Geschichten, die davon erzählen, wie Gäste abgelehnt werden. Wie zum Beispiel Josef und die hochschwangere Maria, die der Herbergswirt weitergeschickt hatte. Wenn er es geahnt hätte, wer da nach einem Bett fragt – ich wette, er hätte nicht abgelehnt.

Am Ende kommt eh alles raus. Insofern ist das doch eine gute Sache, einfach zu allen Menschen gastfreundlich zu sein, selbst wenn es Fremde sind. Dann kann man, ohne es zu ahnen, Engel beherbergen. Daneben lohnt es sich aber auch, bei allen Menschen selbst ein freundlicher Gast zu sein. Dann kann man, ohne es zu ahnen, wie von Engeln bewirtet werden. In allen Gesten der Gastfreundschaft begegnet uns Gott selbst. Lass dich nur überraschen – am Ende kommt es raus.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2018" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellung(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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