Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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03.12.2018 08:33 Alter: 13 days

Bibel AnDenken Andacht Dezember 2018


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2018 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Dezember 2018: "Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ Offenbarung 2, 10 (L)

Andacht Dezember 2018
- von Simone Enthöfer, Landesjugendpfarrerin der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) -
Du holst mir die Sterne vom Himmel

Du holst mir die Sterne vom Himmel
Eingangsvotum:
Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes, Amen. In Matthäus 2, Vers 10 heißt es: Als sie den Stern
sahen, wurden sie hoch erfreut.

Eingangsgebet: Psalm 8
Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf der Gittit.

Impuls:
„Dafür, genau dafür hatten sich die letzten Monate gelohnt.“ Er hockte sich auf den Holzklotz und blickte versonnen auf das winzige Bündel Leben, das da in Tücher gehüllt im weichen Stroh der Futterkrippe lag und den Schlaf des Gerechten schlief. Stickig war es in dem kleinen Stall. Überall in den Ecken hatten sich Menschen und Viecher einen Schlafplatz für die Nacht bereitet. Hier und da war ein Schnarchen oder ein traumtiefes Seufzen zu hören. Er hatte gar nicht erst versucht einzuschlafen, es würde ihm in dieser Unterkunft eh nicht gelingen. Er hatte versprochen, ab und an einen neuen Holzscheit auf die Feuerstelle vor dem Stall zu legen, damit ein wenig Licht und Wärme blieben und sich wilde Tiere nicht, vom Hunger getrieben, zu nah heranwagten.

Lange hatten sie beieinandergesessen, den Eltern gratuliert. Immer wieder hatte jemand Psalmen gelesen, gebetet oder Lieder angestimmt. So viel Hoffnung lag in diesem kleinen Säugling. Und doch, es war so unwirklich. Konnte dieses Kind der von Gott verheißene König sein? Der erbetene, erhoffte Messias? Der Retter? Der, der endlich den Völkern Frieden und Gerechtigkeit bringen sollte? „Armes Würmchen!“, dachte er, während sein Blick auf dem schlafenden Jungen ruhte. „Dein Start ins Leben ist nicht gerade königlich und komfortabel. Wenn sich das, was sich manche hier von dir erhoffen, herumspricht, lastet eine enorme Bürde auf dir. Hoffentlich kannst du dem in deinem Leben standhalten.“

Nein, tauschen hätte er nicht wollen. Im Vergleich zu diesem Kind war er ganz passabel groß geworden. Seine Eltern waren vermögend, er wuchs in einem großen Haus in Babylon auf. Es mangelte ihnen nie an etwas, und alle seine Geschwister und er genossen eine gute Bildung.

Von klein auf hatte ihn der Blick in den Abendhimmel fasziniert. Die Sterne hatten es ihm angetan. Dabei war er allerdings nie einer von denen gewesen, die glaubten, das seien alles leuchtende und blinkende Götter am Firmament. Aber Sternenkarten zu erstellen, Regelmäßigkeiten zu entdecken, andere zu lehren, wie man in der Wüste oder auf hoher See anhand der Sterne die Orientierung behält, das hatte ihn immer fasziniert. Dass die Sterne ein Ausdruck göttlicher Kreativität waren, diese Überzeugung war tief in seinem Herzen verwurzelt. Etwas so Prächtiges und Eindrucksvolles war der gleichen Schöpfer-Handschrift zuzuordnen, wie vieles, was es auf Erden zu entdecken gab.

Seine Kumpels, die er in seinem Studium kennengelernt hatte, und er tickten sehr ähnlich. Vor Monaten hatten sie sich eines Abends tief in die Augen geblickt und eine Entscheidung getroffen, für die sie ihre Familien für verrückt erklärt hatten. Es war dieses eigenartige Himmelsbild, welches sie so noch nie gesehen hatten und dem sie folgen, das sie beobachten wollten. Wie ein sonderbar geformter Stern sah es aus. Womöglich waren es Jupiter und Saturn, die sich so nah gekommen waren wie selten zuvor. Jupiter wurde von vielen als Stern eines babylonischen Gottes verehrt, Saturn galt im Volksmund eher als Stern des jüdischen Volkes. Sooft waren sie schon gefragt worden, ob die Sterne ihnen nicht verrieten, wann der verheißene jüdische Messias denn geboren würde. Und die Frage, ob besondere Menschen unter einem besonderen Stern geboren würden, die beantwortete er immer mit einem Augenzwinkern, mit „ja, natürlich …“ – war nicht jeder Mensch und jeder Stern etwas Besonderes?

Aber dieses Himmelsphänomen … wenn an dem Glauben der Menschen etwas wahr wäre, dann würde es sich lohnen, diesem Himmelsschauspiel auf den Grund zu gehen. Es stand im Zeichen der Fische, dem Sternzeichen Palästinas. Vielleicht, so entschieden sie eines Abends, war es eben doch der Fingerzeig einer göttlichen Macht, dass der Messias zur Welt kommen sollte.

Hatte es nicht der Prophet Jesaja sogar angekündigt? „Und das Volk, das im Finsteren wandelt sieht ein helles Licht.“ (Jesaja 9, 1)

Eine solche Gelegenheit, das herauszufinden, gab es wohl nur einmal im Leben. Und so hatten sie sich auf den Weg gemacht. Von Babylonien, den Fluss Euphrat hoch, westlich über Palmyra und Damaskus und dann in den Süden gen Jerusalem. Und immer wieder begleitete sie das Himmelsschauspiel auf ihrer Reise. Den Blick in die Sterne, das Ohr nah am Volksmund, trafen sie viele Menschen jüdischen Glaubens, die so sehr hofften, Gott möge seine Verheißung endlich wahrmachen und den Retter, den König schicken.

Und dann war da erst nur ein leises Gerücht, der neue König sei geboren, aber je näher sie Bethlehem kamen, desto häufiger hörten sie es. Selbst Engel seien in einer der letzten Nächte erschienen und hätten es Hirten verkündet. In Bethlehem sei der neue König geboren. Und dann, als sie in das kleine Städtchen kamen, sah man wie zur Bestätigung deutlich Jupiter und Saturn in hellem Schein am Himmel spielen. Sie mussten nicht lange suchen, denn immer wieder trafen sie Menschen, die von der Geburt des kleinen Jungen, Jesus, in einem Stall etwas außerhalb des Städtchens gehört hatten. Und so hatten sie ihn gefunden, betraten den Stall und dann, als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.

„In dem Moment habe ich einen Stern gesehen, aber nicht oben am Himmel, sondern unten, vor mir. Da hatte ich zum ersten Mal seit Langem nicht mehr das Bedürfnis, nach oben zu schauen, sondern herab“, dachte er. „Immer war es der Blick an den Himmel, der mir in meinem Leben Sicherheit und Orientierung gab, aber plötzlich war es ganz anders. Plötzlich hatte ich das Gefühl, das, was mir Licht und Hoffnung und Orientierung gibt, ist dieses fremde Kind. Wenn nur etwas dran war an dem, was die Hirten und die anderen Menschen hier im Stall erzählten, dass dies der neugeborene König sei, der von Gott Gesandte … Was könnte es Glaubhafteres geben?“ Einer seiner Kumpels hatte nachher zu ihm gesagt: „Warst du nicht auch überrascht, den verheißenen König in einem so armseligen Stall zu finden?“ „Ja, schon …“ hatte er geantwortet. „Im ersten Moment brachte ich die Vorstellungen vom König Gottes und dieser wenig königlichen Behausung nicht zusammen, aber im nächsten Moment fiel es mir nicht wie Schuppen von den Augen, sondern wie Sternschnuppen vom Himmel. Ich glaube, Gott hat mir in dem Moment die Sterne vom Himmel geholt. Wer könnte unsere Wünsche und Sehnsüchte im Leben besser kennen? Ein hoch erhobener, unnahbarer König oder einer wie du und ich? Wer kann besser nachvollziehen, wovor wir uns im Leben fürchten, was wir erhoffen, wie Glaube und Zweifel unsere Herzen bewegen, ein Gott im fernen Himmel oder einer, der selber als Mensch das Leben lebt?

Und dann unsere Geschenke, gar nicht vorher abgesprochen, aber so passend! Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold, ein Symbol für königliche Macht, Weihrauch, das Zeichen für die Gegenwart des Geistes Gottes, und kostbare Myrrhe, die auch zur Einbalsamierung von Toten verwendet wird, als Zeichen der Menschlichkeit. Da war es mir so klar: Dieses Kind ist ein besonderer König – göttlich und gleichzeitig so menschlich. Es klingt so paradox: ein Gott, ganz Mensch wie du und ich. Vielleicht wird man uns mal nachsagen: Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.

Aber ich hoffe, sie erzählen auch, dass wir dabei nicht in den Himmel geschaut haben. Ich glaube, der Gott, der uns Menschen Orientierung geben kann, der unsere Fragen, Sorgen, Hoffnungen und Ängste verstehen kann, der wohnt nicht zwischen den Sternen am Himmel, der leuchtet wie ein heller Stern in der Nacht, weil er ganz einer von uns geworden ist. Ich glaube, ich brauche nicht mehr den Blick an das ferne Himmelszelt, um Orientierung in meinem Leben zu haben. Das war gestern noch so. Jetzt schaue ich auf den kleinen Wegweiser Gottes vor mir in der Krippe. Ein kleines Kind, das mir Hoffnung schenkt für morgen, für meine Zukunft.

In Bethlehem an der Krippe kam ich aus meinem Gestern und blicke mit neuer Hoffnung auf den Morgen-Stern, das Kind in der Krippe, einen Star, Gott selbst und doch wie du und ich.“

All das ging ihm durch den Kopf, als er das schlafende Kind betrachtete. Plötzlich musste er lächeln. Ein Gott, der sich so klein machen konnte, der strahlte so viel Hoffnung, so viel Licht aus. „Ich werde morgen, wenn ich wieder gehe, nicht derselbe sein, der ich war, als ich herkam. Ich werde etwas von dem Licht dieses besonderen Sterns mitnehmen. Vielleicht schaffe ich es, selbst ein wenig zu leuchten und anderen etwas von der Hoffnung mit auf ihren Weg zu geben. Ich will erzählen und leben, dass Gott nicht weit weg von uns in irgendeinem Sternenhimmel, sondern ganz nah bei uns ist. Vielleicht breitet sich dieses Sternenlicht aus, in viele kleine Leuchten, um einander Lebensmut, Hoffnung und Orientierung zu geben. Ich bleibe ein Botschafter der Sterne, aber nicht am Himmel, sondern mitten unter den Menschen, die einander Licht und Hoffnung bringen.“

Und langsam, ganz langsam ging irgendwo am Horizont die Sonne auf.
Amen.

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