Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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08.04.2019 13:50 Alter: 78 days

Bundesweiter Fachtag „Generation Lobpreis“ zeigt: Geistliche Musik spielt große Rolle bei Jugendlichen


Alle Rerent*innen des Fachtags, v.l.: Oliver Teufel, Hansjörg Kopp, Prof. Dr. Bernd Beuscher, Prof. Dr. Tobias Künkler, Prof. Dr. Tobias Faix, Ilse-Dore Seidel-Humburger, Johannes Meier, Karsten Hüttmann. Foto: medio.tv/schauderna

Hoch engagiert und authentisch im Glauben

Wie leben christliche Jugendliche heute ihren Glauben? Dieser Frage ging der bundesweite Fachtag „Die Generation Lobpreis und die Zukunft der Jugendarbeit“ nach. Der CVJM Deutschland (Christlicher Verein Junger Menschen) und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hatten dazu am 6. April ins Haus der Kirche in Kassel eingeladen. 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Fachleute, Haupt- und Ehrenamtliche aus der Praxis der Jugendarbeit.
Hintergrund des Fachtages ist die empirica*-Jugendstudie 2018, initiiert von den Professoren Dr. Tobias Faix und Dr. Tobias Künkler. Beide lehren und forschen an der CVJM-Hochschule in Kassel.

Studie sorgt für neue Erkenntnisse

"Wir reden nicht über junge Menschen, sondern fragen sie mit dieser Studie nach ihren Bedürfnissen", sagte der Generalsekretär des CVJM Deutschland Hansjörg Kopp zu Beginn des Fachtages. 3.187 evangelische Jugendliche aus ganz Deutschland wurden im Rahmen der Studie befragt. Zusätzlich wurden 62 Jugendliche ausführlich interviewt. „Herausgekommen ist ein differenziertes Bild der Generation Lobpreis, die spannende Gruppe christlicher Jugendlicher, die Glaube authentisch im Alltag leben will. Lobpreismusik ist dabei eine große Bestärkung, aber beispielsweise auch das Gebet und die Gemeinschaft“, erklärte Professor Dr. Tobias Faix bei der Vorstellung der Ergebnisse. Die Studie habe auch gezeigt, dass für die Jugendlichen die Bibel für die Stärkung ihres Glaubens eine geringere Rolle als Lobpreis und Gebet spielt, erklärte Professor Dr. Tobias Künkler. „Die Jugendlichen wollen ihren Alltag nach der Bibel ausrichten und ihnen ist dabei mehrheitlich klar, dass man die Bibel nicht wortwörtlich verstehen kann“, so Künkler. Pfarrer Oliver Teufel, Leiter des Referats für Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck freute sich über den mit der Studie verbundenen Perspektivwechsel: „Wir beschäftigen uns als Kirche ja viel mit der Frage, wie wir noch mehr Jugendliche erreichen können. Da ist es gut, mit dieser Studie auch einmal die in den Blick zu nehmen, die sich bereits in der christlichen Jugendarbeit engagieren.“

„Zwischen göttlichem Butler und kosmischem Therapeuten.“

Die Jugendlichen schaffen es, scheinbare Widersprüche im Glauben zusammen zu bringen, beispielsweise beim Gottesverständnis: Einerseits gestalten Jugendliche ihr Leben selbst. Andererseits soll Gott in ihr Leben eingreifen. Oder beim Gebet: Sie glauben daran, dass Gott Gebete erhört, aber nicht jeder im Gebet formulierte Wunsch erfüllt sich. „Zugespitzt formuliert rangiert Gott zwischen göttlichem Butler und kosmischem Therapeuten“, kommentiert Tobias Faix einige Aussagen der Jugendlichen in den Interviews. Insgesamt zeigt sich: Die Jugendlichen erwarten von ihrer Religion, dass sie authentisch und echt ist.

Auch die Beziehung zwischen Jugend und den Institutionen Kirche, Freikirche und christlicher Jugendverbände wurde in der Studie beleuchtet. Institutionen stehen dem sehr individuellen Glauben gegenüber. Doch: 88% der evangelischen Jugendlichen sind in Kirche engagiert. Und: Sie sind ehrenamtlich hoch engagiert in Kirche, Diakonie, Jugendverbänden und sozialen Projekten.

Experten gaben neue Blickwinkel

Professor Dr. Bernd Beuscher von der evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum unterstrich die akribische Feinarbeit der Studie. Er wünschte sich weitere Forschung, die theologisch noch differenzierter ist.

Als Bereichsleiter im CVJM Deutschland ging Karsten Hüttmann auf verschiedene Formate der Jugendarbeit in Deutschland ein und betonte, dass der Bedeutungsverlust konfessioneller Grenzen Kirchen und Verbände vor wachsende Herausforderungen stelle. Junge Menschen orientieren sich stärker an Ästhetik und Inhalten, als an eine bestimmte Kirchen- oder Verbandszugehörigkeit.

Ilse-Dore Seidel-Humburger, Landesreferentin im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg, machte drei Vorschläge, wie die Ergebnisse der Studie in der Jugendarbeit vor Ort genutzt werden könnten. Erstens solle man durch interaktive Verkündigungsformate neue Zugänge zur Bibel schaffen. Zweitens solle die engagierte Generation Lobpreis durch Mentoring gefördert werden. Und Drittens schlug sie vor: „Lasst uns in die musikalische, geistliche und theologische Qualität von Lobpreis fördern.“

Der Moderator des Fachtages Pfarrer Johannes Meier, theologischer Fachreferent für Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wies darauf hin, dass die evangelische Jugendarbeit offen für alle Jugendlichen sei. „Nicht nur diejenigen, die sich für Lobpreis begeistern, gehören dazu. Die Jugend in der Kirche bleibt bunt, vielfältig und wunderbar unbequem.“

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden aus zehn Workshops wählen und dort diskutieren, wie die Ergebnisse ganz praktisch in der Jugendarbeit von Kirchen und Verbänden umgesetzt werden können.

Mehr Informationen zum Fachtag gibt es auf www.cvjm.de/fachtag2019

Das Buch zur Studie „Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche“ ist bereits in der zweiten Auflage bei der Neukirchener Verlagsgesellschaft erschienen.

*Das Forschungsinstitut empirica für Jugend, Kultur und Religion der CVJM-Hochschule führt seit über zehn Jahren eigenständig drittmittelfinanzierte empirische Forschungsprojekte durch. Spezialisiert hat es sich auf die Erforschung christlich-religiöser Lebenswelten und Lebensweisen.


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