Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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13.12.2019 13:39 Alter: 283 days

Bibel AnDenken Andacht Januar 2020


Foto: unsplash/Nicolas Ladino Silva

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2020 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Januar 2020: Gott ist treu 1. Korinther 1,9 (L)

Andacht Januar 2020
- von Ulrike Bruinings, Landesjugendpfarrerin in der Evangelischen Landeskirche in Baden -

Treue 4.0
(Methodische Hinweise, Entwurf oder Formulierung einer Andacht, Entwürfe für Gruppenarbeit)

Praktische Anregungen, Ideen für Gruppenstunden
Sammelt „Gott ist …“-Worte in der Bibel.
Malt Bilder dazu oder klebt Collagen.
Beschreibt, welche Gottesbilder für euch welche Glaubensgeschichten beinhalten.
Welche Beschreibung Gottes gefällt euch am besten? Warum?

Andacht
(Wer mag, kann die Abschnitte der Andacht auf mehrere Lesende aufteilen.)

Samira ist heute zum ersten Mal dabei. Es ist Freitag und sie ist doch etwas aufgeregt. „Fridays for Future!“ – Sie spielt schon lange mit dem Gedanken, auch in die Stadt zu fahren, um zu demonstrieren, doch in ihrer Klasse sind es bisher immer nur drei oder vier, die freitags Schule schwänzen, um für das Klima auf die Straße zu gehen. Und die meisten anderen finden es übertrieben. Ihre Haltung heißt: Klar muss sich was ändern und klar müssen die Erwachsenen, die Politiker und Politikerinnen endlich die richtigen Gesetze erlassen. Aber ob durch die Demos wirklich etwas verändert werden kann?

Egal. Samira möchte endlich auch etwas tun. Die Bilder vom Plastik in den Meeren oder von den schmelzenden Gletschern lassen sie nicht kalt.
Sie radelt in die Stadt. Es ist aufregend und macht ihr Mut, als sie all die anderen jungen Leute sieht. Ja, mit all diesen zusammen möchte sie die Welt verändern. Auch wenn es nur in kleinen Schritten geht, möchte sie ihren Teil dazu beitragen.

Sie weiß, dass auch sie nicht perfekt ist. Erst in diesem Sommer war sie mit ihren Eltern im Sommerurlaub auf Kreta. Mit dem Flugzeug. Und ihre Mutter fährt sie mittwochs immer in die Reitstunde – mit dem Auto. Klar könnte sie da auch noch besser werden.
Aber sie versucht, auf der anderen Seite schon ein paar Dinge umzusetzen. Hat immer ihre Flasche dabei, die sie in der Schule auffüllt. Für sie brauchen keine Plastikflaschen produziert und auch keine Pfandflaschen gereinigt zu werden …

Sie denkt an das letzte Thema in Reli. Die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott wohl denkt, wenn er sieht, wie die Welt aussieht und was wir Menschen alles an Dreck und Zerstörung hinterlassen – Tag für Tag? Samira macht dieser Gedanke traurig.
Sie will sich so gut sie kann für eine bessere Welt einsetzen.
Und dazu gehört eben auch, im Großen etwas zu verändern. Im globalen Zusammenhang der Politik. Wenn die etwas für den Umweltschutz auf den Weg bringen, dann verändert das doch gleich viel mehr, als wenn sie als Einzelne etwas tut.

Tim fühlt sich heute Morgen so richtig gut. Heute möchte er es versuchen. Endlich.
Die Jungs in seiner Klasse sind eigentlich ganz nett, findet er.
Aber in letzter Zeit haben sie es sich zur Gewohnheit gemacht, immer auf den beiden Schwächsten in der Klasse rumzuhacken. Heute möchte er endlich einmal den Mund aufmachen. Dazwischengehen. Sich auf die Seite derer stellen, die eigentlich nie eine Chance haben. In der großen Pause geht er mit Mark auf den Schulhof. Mark ist kleiner als die anderen und oft auch stiller. Zu zweit laufen sie in die Fußballecke, als auch schon die Clique aus ihrer Klasse auf sie zukommt: „Los, Tim, komm mit uns mit und spiel mit uns! Du willst doch nicht mit diesem Looser kicken? Der kann doch mit denen aus der Klasse unter uns spielen, da passt er doch viel besser dazu!“, lachen sie über ihren eigenen Witz. „Ich spiel nur mit, wenn Mark auch mitmachen darf“, sagt Tim lässig und freut sich über die erstaunten Blicke der Gruppe. Die Hälfte etwa schaut ihn verächtlich an und möchte am liebsten kehrtmachen. Die andere Hälfte aber ist eher beeindruckt und scheint offen zu sein für seine Idee. Tim fasst sich ein Herz und geht auf sie zu: „Na los, seid nicht so blöd. Wir können doch alle zusammenspielen.“ Mit seiner Lockerheit bricht er den Bann und alle gehen gemeinsam in die abgesteckte Ecke im Schulhof. Tim spürt eine Kraft in sich, die ihn erfüllt. Er lacht sie heraus und freut sich über das Pausenspiel. Irgendwie hatte er heute eine Kraft an seiner Seite, die nicht von dieser Welt ist.

Mira wacht noch immer mit Wut im Bauch auf. Gestern hatte ihr Vater sie vergessen. Toll. Er wollte sie eigentlich nach der Arbeit beim Geigenunterricht abholen. Dass er sich verspäten würde, damit hatte sie gerechnet. Aber dass er gar nicht kommen würde und dann auch noch nicht mal erreichbar war, das hätte sie ihm nicht zugetraut. Sie war den Weg dann gelaufen. Das hatte Ewigkeiten gedauert und keiner ihrer Eltern hatte es bemerkt.

Sie hat noch immer eine Stinkwut auf die beiden. Aber vor allem auf ihren Vater. Seit sich ihre Eltern immer mehr streiten, merkt sie, dass keiner von beiden so richtig Aufmerksamkeit und Zeit für sie hat. Die beiden sind einfach zu sehr mit sich und mit ihrem Rechthaben beschäftigt. Sie weiß, dass sie den beiden wichtig ist. Aber sie haben so oft so viele andere Dinge im Kopf, dass sie sie schlichtweg vergessen. Heute will sie deshalb gleich mit dem Fahrrad statt mit dem Bus in die Schule fahren. Dann kann sie am Nachmittag direkt rüber zum Teenie-Kreis radeln.

Gott ist treu“, hängt am Nachmittag über dem Eingang zum Jugendkeller.
Samira kichert in sich hinein. Sie erinnert sich an ein großes Graffiti mit dem Spruch „Gott ist tot. Nietzsche“. Nietzsche war ein berühmter Philosoph, der vor weit über 100 Jahren lebte. Jemand hatte einen Cartoon dazu gemalt und den Spruch ergänzt: „Nietzsche ist tot. Gott“. Für sie ist Gott nicht tot, sondern lebendig und wichtig. Erst heute wieder hat sie Gottes Kraft ganz klar gespürt, als sie mit all den anderen vor dem Rathaus stand und für bessere Klimapolitik demonstriert hat. Ja, da hat für sie „Gott ist treu“ ganz gut dazu gepasst. Gott hält zu uns Menschen, auch wenn wir nicht alles richtig und perfekt machen. Gott gibt uns Kraft für Gutes. Das möchte sie nachher erzählen in der ersten Runde, in der es um die eigenen Erfahrungen geht.

„Ich habe heute echt meine Probleme mit diesem Spruch“, platzt Mira als Erste in der Runde heraus. „Was habe ich davon, dass Gott treu ist, wenn meine Eltern mich vergessen? Gott holt mich nicht vom Geigenunterricht ab. Ich hätte gerne erst mal treue und verlässliche Eltern.“ Die anderen können ihre Wut verstehen. Echt blöd, wenn die Eltern so neben der Spur sind, dass die Kinder drunter leiden müssen.

„Vielleicht ist das aber genau, was Paulus meint, der den Brief geschrieben hat“, versucht Tim eine Erklärung. „Damals waren die Menschen in der Gemeinde doch auch nicht ganz einig untereinander. Sie haben Einzelne gemobbt oder wollten entscheiden, wer mehr an Gott glaubt und wer nicht zu Gott gehört. Echt fies waren die. Da sind meine Jungs in der Klasse wahrscheinlich noch harmlos. Paulus hat geschrieben: Hey! Gott hat mich zu euch geschickt. Und Gott hält zu euch, Gott hält sein Versprechen eines guten Lebens. Dann lasst doch Fünfe grade sein und lasst die Menschen, so gut sie können, nach meinen Geboten leben. Und vielleicht sieht das für einige von euch anders aus als für andere, weil ihr einfach unterschiedlich gelebt habt bisher. Vertraut doch darauf, dass Gott treu ist. Gott wird eure Gemeinschaft immer wieder neu zusammenbringen.

Vielleicht ist das auch für dich gedacht, Mira: Gott hält zu dir und ist treu. Er wird einen Weg mit dir gehen, egal, wie deine Eltern das gerade schaffen. Vielleicht finden sich ja sogar andere Menschen, die noch einspringen können. Vielleicht könnten wir dich das nächste Mal einfach mitnehmen. Ich bin doch auch in der Musikschule, in der du auch bist. Ich frage meine Eltern, ob wir dich nach Hause fahren können.“

Gottes Treue kommt vielleicht manchmal zum Vorschein, ohne dass wir es merken, denkt Mira, und ist gar nicht mehr so sehr wütend. Der Teenie-Kreis tut auch ihr gut. Und sie merkt, dass das nicht nur durch die anderen kommt, die sie so nehmen, wie sie ist, sondern auch davon, dass sie immer über Gott und die Welt reden, gemeinsam singen und Quatsch machen und immer wieder mal auch gemeinsam beten.
„Gott ist treu – nehme ich heute als ein Mutmachwort mit“, beschließt sie zum Ende.
Und was ist eure Geschichte des Tages?

Amen.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2020" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
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E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 7,80

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