Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.10.2019 01:00 Alter: 50 days

Bibel AnDenken Andacht Oktober 2019


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2019 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Oktober 2019: Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tobit 4,8 (E)

Andacht Oktober 2019
- von Peter Schröder, Landesjugendpfarrer der Lippischen Landeskirche -

Gespräche über das Teilen
Andacht

„Siehst du, Jesus, das ist so: Man kann doch nie wissen, ob der, der da in der Fußgängerzone sitzt und bettelt, wirklich bedürftig ist. Oder einfach nur zu faul zum Arbeiten. Oder – man liest ja auch immer wieder, dass es eine richtige Bettelmafia gibt, Osteuropäer meistens. Die schicken die Frauen und Kinder zum Betteln, kassieren dann ab und lassen es sich gutgehen. Und bei vielen ist es ja auch so: Die sind Alkoholiker oder drogensüchtig, wenn man denen Geld gibt, finanziert man doch nur deren Sucht. Natürlich wird es auch einige wenige Bettler geben, die es wirklich nötig haben, aber wie soll man die erkennen? Also besser, man gibt keinem etwas. Schließlich muss in unserem Land niemand verhungern, oder?“ Ob Jesus das verstehen würde? Mal angenommen, wir könnten so mit ihm reden – was würde er antworten?

Vielleicht würde er eine Geschichte erzählen. „Einmal“, würde er sagen, „kam ein Jugendlicher zu mir. Der kam aus einer guten Familie, gute Erziehung, gute Bildung, gute Kleidung. Sohn aus reichem Haus. Ein sehr ernsthafter junger Mann war das. Er hat sich mit Religion beschäftigt und mit der Frage, ob es nicht mehr gibt als das, was das Leben normalerweise so zu bieten hat. Also ob es nicht so etwas gibt wie ein ewiges, ein erfülltes Leben. Und wenn ja, wie man das erreichen kann.“ Und dann würde er weitererzählen: „Ich habe ihm geantwortet: ‚Das ewige, erfüllte Leben stellt sich da ein, wo Menschen nach Gottes Geboten leben.‘ Das habe er alles gehalten, seine Eltern hätten ihn so erzogen, meinte er daraufhin. ‚Dann kannst du nur noch eines tun‘, habe ich gesagt, ‚verkaufe deinen ganzen Besitz und schenk das Geld den Armen! Dann gewinnst du stattdessen himmlische Werte!‘ Das brachte er nicht übers Herz, seinen Lebensstandard wollte er nicht aufs Spiel setzen.“ Und dann würden wir vielleicht sagen: „Na ja, Jesus, das ist aber eine ganz andere Geschichte. Da geht es um einen, der wirklich richtig reich ist. Aber so ist das ja bei uns nicht. Wir kommen gerade so zurecht. Unsere Eltern auch: Sie arbeiten, sie verdienen – aber Reichtum ist was anderes! Mit dem kannst du uns nun wirklich nicht vergleichen!“

„Gut“, würde Jesus sagen, „dann eben eine andere Geschichte. Ich war mal in Jerusalem im Tempel. Da haben sie einen Kollektenkasten, in dem Geld gesammelt wird für die Armen. Da kamen etliche gutsituierte Leute und haben großzügig gespendet. Das ist gut so, denn es hilft den Armen. Am meisten beeindruckt hat mich aber eine arme Witwe. Die hat nur einen sehr kleinen Geldbetrag gespendet, aber das ist ihr wirklich schwergefallen, denn dann reichte ihr Geld nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt. Ich finde, die hat mehr gegeben, oder?“ Und wir würden etwas ratlos gucken.

„Geh noch mal durch die Fußgängerzone“, würde Jesus uns dann vermutlich sagen, „und schau dir die Bettler noch einmal an. Aber diesmal stell dir vor, ich säße da! Sieh mich in jedem Bedürftigen. Und denk daran, dass du alles, was du ihm Gutes tust, mir tust. Und dass du alles, was du ihm verweigerst, mir verweigerst. Würdest du mich auch fragen, ob ich zu faul bin zum Arbeiten, zu viel trinke, mit den falschen Leuten Umgang habe – nur um davon abzulenken, dass ich dir eigentlich herzlich egal bin? Weißt du, das ist so etwas wie mein Vermächtnis: ‚Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.‘“ Und wir würden betreten schweigen.

Apropos Vermächtnis: Etwa 200 Jahre vor Jesus hat schon mal jemand eine sehr ähnliche Botschaft weitergegeben, und zwar an seinen Sohn. Der Mann hieß Tobias, genauso wie sein Sohn. Als der alte Tobias glaubt, er werde sterben, ruft er den jungen Tobias, ermahnt ihn zu einem Leben, das in Gottes Augen als gut gelten kann, und sagt unter anderem dieses: „Mit deinem Hab und Gut hilf den Armen und wende dich auch nicht von einem Einzigen ab, dann wird sich das Angesicht des Herrn auch von dir nicht abwenden. Wo du kannst, da hilf den Bedürftigen. Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib doch das Wenige von Herzen. Denn so wirst du dir einen guten Lohn für den Tag der Not sammeln. Denn Almosen erlösen von allen Sünden, auch vom Tode, und lassen die Seele nicht in Finsternis geraten. (Tobit 4, 7–11) Wie ähnlich das klingt – ähnlich dem, was Jesus gesagt hat. Die Idee hält sich offenbar hartnäckig, dass mit dem Almosengeben ein doppelter Gewinn verbunden ist: für den, der die Spende bekommt – und für den, der die Spende gibt.

Ich glaube, es gibt noch einen Gewinn: Jede Spende, groß oder klein, die einem Bedürftigen zugutekommt, macht die Welt ein kleines bisschen besser. Nein – nicht durch das Geld, das seinen Besitzer wechselt. Sondern dadurch, dass ein Mensch gelernt hat zu teilen. Dadurch, dass er empfindsamer geworden ist für das, was andere brauchen. Dadurch, dass er „Ja“ zu Bedürftigen sagt statt „Ja, aber“. Den Himmel auf Erden werden wir auch damit nicht herstellen – man kann ihn nicht „herstellen“. Aber wenn es etwas gerechter zugeht in unserer Welt, weil Menschen solidarischer zu leben lernen, dann öffnet sich vielleicht der Himmel ein Stück weit und schenkt uns himmlische Momente. Und keiner sollte fragen: „Was kann ich schon ausrichten?“ Die Antwort des alten Tobias ist so einfach wie richtig: „Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“ Also: Wenn du viel bewegen kannst, dann bewege es! Wenn du nur wenig bewegen kannst, dann bewege das!

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2019" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

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