Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

News

01.04.2020 14:47 Alter: 55 days

Bibel AnDenken Andacht April 2020


Foto: unsplash/Nicolas Ladino Silva

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2020 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch April 2020: Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1. Korinther 15,42 (L)

Andacht April 2020
- von Michael Freitag, Interimspastor der evangelisch-freikirchlichen „Hoffnungsgemeinde“ in Barsinghausen -

Voll Hoffnung leben
Andacht
„Ein Interview mit Paulus“ (in verteilten Rollen zu lesen)

Interviewer*in: Bruder Paulus, das ist ja total steil, was du da behauptest: „Gesät wird verweslich, auferstehen aber unverweslich.“ Das klingt so, als wüsstest du genau, was Sache ist. Und dein Ton: Zack, so ist es, das ist die Wahrheit und fertig. Keine Widerrede. Punkt.

Paulus: Na ja, nun mal langsam. Du hast natürlich in einer Sache recht: Ich rede gerne klare Kante. Was ich überhaupt nicht mag, das ist religiöses Rum-eiern. Da sind eure Theologen und andere Mitarbeitende ja oft ganz groß drin – meiner Information nach. Das klingt dann so: „Manchmal könnte ich mir eventuell vorstellen, dass …“ Oder: „Ich weiß es ja auch nicht so genau, aber möglicherweise vielleicht …“ Oder: „Ich bin mir völlig unsicher, aber vielleicht stimmt es ja, wer weiß …“ und so weiter. Alle sind vorsichtig, alle wollen sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, alle wollen ganz sichergehen. Alle wollen sich unangreifbar machen und bloß nicht zu viel sagen. Aber mit dem Glauben an Jesus Christus ist das eben so: Da machst du dich angreifbar, da glaubst du und da sagst du Sachen, die andere für verrückt halten; da kannst du dich nicht einfach bedeckt halten und auf der vermeintlich sicheren Seite sein, sondern da gehst du ein Risiko ein. Und das Risiko gehe ich gerne ein …

Interviewer*in: Aber mal ehrlich – glaubst du eigentlich selber, was du da schreibst? Auferstehung und „unverweslich“ und so? Das klingt doch völlig abgefahren.

Paulus: Vorsichtig, junger Mann/junge Frau. Darauf lege ich großen Wert, dass ich wirklich nur das sage, was ich selber glaube. Aber das, was ich glaube, das sage ich dann auch …

Interviewer*in: … und du hast nie irgendwelche Zweifel?

Paulus (zögernd): Ja … doch. Gelegentlich, da kriegst du eine Krise – also ich auch, will ich sagen. Aber: Zweifel sind sogar für einen großen Super-Apostel wie mich erlaubt … (Paulus lächelt etwas schalkhaft). Hauptsache, du kriegst das wieder unter die Füße, mit Gottes Hilfe. Und das war bei mir immer so – bisher. Außerdem hatte ich ja immer einen ganz festen und
sicheren Grund für meinen Glauben – ein Fundament sozusagen.

Interviewer*in: Und dieser Grund wäre? Ein Fundamentalist im heutigen Sinne bist du ja eigentlich nicht …

Paulus: Ganz einfach: Ich habe den auferstandenen Jesus Christus selbst gesehen, damals vor den Toren der Stadt Damaskus. Dort ist er mir – ja wie soll ich sagen – erschienen und ich habe ihn gehört. Nachzulesen in der Apostelgeschichte. Und wenn du einmal so eine irre Erfahrung gemacht hast, dann bist du dir einfach ganz sicher, dass das stimmt mit Jesus Christus und seiner Auferstehung, und dann erzählst und predigst du davon, ohne Wenn und Aber und ohne Vielleicht und so. Dann bist du einfach total überzeugt – und dann rede ich auch eindeutig und klar.

Interviewer*in: Okay. Aber was ist jetzt deine message? Warum hast du das geschrieben?

Paulus: Dazu muss ich ein bisschen was erklären: Diese Christengemeinde in Korinth damals war auf einem etwas merkwürdigen Trip. Die meisten von ihnen glaubten nicht, dass Jesus Christus wirklich auferstanden ist. Darum habe ich ihnen zunächst mal eingeschärft, dass das stimmt mit der Auferstehung – und dass daran eigentlich alles hängt. Wenn ich mich mal selbst zitieren darf: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser ganzer Glaube vergeblich“ und eine sinnlose Fantasie. Sogar die Kreuzigung Jesu und was da alles dranhängt: das Evangelium von der Gnade Gottes, von der Rechtfertigung aller Menschen, Schuldvergebung und so weiter – ich habe ja eine Menge darüber geschrieben; lies mal nach im ersten Korintherbrief Kapitel 15 ab Vers 17.
Und schließlich ist es ja so: Was Jesus damals passiert ist, das werden wir alle erleben: Dass wir sterben, aber von Gott auch wieder zu einem neuen Leben auferweckt werden.

Interviewer*in: Und die Korinther?

Paulus: Na gut, die wollten dann wissen, wie man sich das vorzustellen hätte: als Wiederbelebung eines Toten, also alles wie vorher? Oder ist man dann eine Art Fluidum, das körperlos durch höhere Sphären wabert und darin aufgeht, oder was?

Interviewer*in: Und was glaubst du?

Paulus: Mir kam es auf zwei Dinge an. Das eine ist: Bei der Auferstehung, da bleibt man im Grunde dieselbe Person. Ich z. B. bin dann immer noch Paulus und ich weiß das auch; auch du bist dann immer noch du. Aber das andere ist: Alles ist trotzdem neu und alles ist anders. Ich habe auch dann einen Körper, genau genommen meinen Körper, aber es ist eben ein neuer Körper, nicht mehr irdisch, sondern himmlisch sozusagen. Man kann das eigentlich nur in Bildern ausdrücken, und das habe ich versucht:
Nämlich dass der irdische Körper vergleichsweise schwach ist, der himmlische Körper aber voller Kraft. Oder dass das Leben hier sehr begrenzt und vergänglich ist, das himmlische Leben aber unvergänglich. Was hier existiert, wird kaputtgehen, also verwesen, das himmlische Leben ist aber nicht verweslich – es ist „unkaputtbar“, würdet ihr vielleicht sagen.

Interviewer*in: Und woher willst du das so genau wissen?

Paulus: Na ja, das sagte ich eigentlich schon. Man kann das an der Auferstehung Jesu Christi sehen: Es war derselbe Jesus, sogar mit seinen Wundmalen. Als ihn die Jünger und Jüngerinnen sahen, haben sie ihn wiedererkannt. Und trotzdem war er ganz anders – in himmlischer Gestalt eben. Nicht mehr zerstörbar, nicht mehr „verweslich“.

Interviewer*in: Okay – den Korinthern damals hat es vielleicht geholfen, was du sagst. Aber was ist mit mir?

Paulus: Aber hallo – das ist doch immer noch eine tolle Ansage. Ihr erlebt das doch ständig, wie vergänglich und begrenzt und oft auch beschädigt unser Leben so ist – ganz privat. Und wie kaputt unsere ganze Welt oft ist: Klima, Katastrophen, Flüchtende, Kriege, Hunger …

Interviewer*in: … jaja, ich weiß Bescheid. Ich kriege das dauernd mit und kann es kaum noch hören und ertragen.

Paulus: Ja eben. Aber dann macht es einem doch Mut und Hoffnung zu wissen: Jetzt ist das zwar so. Aber Gott wird einmal alles neu machen – dich und mich und diese ganze Welt. Und das Leiden und das Vergängliche und das Böse werden aufhören und …

Interviewer*in: Paulus, du gerätst ins Schwärmen.

Paulus: Stimmt. Aber darüber muss man doch auch begeistert sein. Weil es die Angst nimmt und ich mich nicht mehr fürchten muss, auch vor dem Tod nicht, und weil ich dann richtig befreit leben kann – und auch Spaß am Leben habe.

Und am nächsten Freitag, wenn in eurer Gegend wieder eine „Fridays for Future“-Demo auf dem Plan steht: Eigentlich müssten alle Christen und Christinnen dabei sein, weil sie voller Hoffnung sind, dass die Herrschaft des Bösen einmal zu Ende sein wird und dass Gott diese ganze Schöpfung in Ordnung bringt. Eine neue heile Schöpfung macht – eben unverweslich.

Aaaaaber – das ist der Clou bei der ganzen Sache – dass schon hier alle Menschen, die voller Hoffnung auf Gott sind, gegen das Kaputtmachen von Leben ankämpfen.

Wenn ich sage: Hier ist alles verweslich, dann heißt das ja nicht, man soll erst recht alles kaputt machen und vergammeln lassen, sondern genau das Gegenteil: nämlich das Leben von Menschen und die ganze Schöpfung schützen und liebevoll damit umgehen, bis man stirbt.

Interviewer*in: Krass. Darüber muss ich erst mal nachdenken.

Paulus: Ja, tu das. Nachdenken ist immer gut. Schließlich kommt es ja nicht darauf an, was ich, der alte Paulus, glaube, sondern was du selber glaubst. Das kann ich dir nicht abnehmen. ...

Interviewer*in: (wischt sich den Schweiß von der Stirn): Danke für das Gespräch ...

(Hinweis: Dieses Interview ist variabel und veränderbar. Es ist eine Anregung. Jede*r kann es benutzen, um es nach der eigenen Bedarfslage zu verändern, eigene Fragen und Antworten im Sinne des Paulus einzufügen bzw. Gedanken aus den ersten drei Teilen dieser Betrachtung zu verwenden, die ich hier nicht aufgenommen habe.)

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2020" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 7,80

Alle Preisangaben sind inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versandkosten ab 2,95 Euro innerhalb Deutschlands. Die Versandkosten richten sich nach Versandart und Größe.



Schriftgröße:
Infoportal › News (Single)
© Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej)