Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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27.07.2020 09:04 Alter: 130 days

Bibel AnDenken Andacht September 2020


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2020 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch September 2020: Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 2. Korinther 5,19 (E)

Andacht September 2020
- von Gernot Bach-Leucht, Landesjugendpfarrer in der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau -

Heute ist der Tag, an dem Gott mal wieder auf die Erde kommt
Es ist einer jener Tage, an denen Gott mal wieder auf die Welt kommt. Völlig unauffällig, unerkannt. Einfach nur mal vorbeischauen, was so los ist.

Beim letzten Mal hatte Gott vor allem auf alles geschaut, was nicht stimmte. Der Blick ging auf Hass und Gewalt, Ausgrenzung und Mobbing. Die Beobachtung auf Waffenhandel, Krieg und Umweltzerstörung, Hunger, Folter und Flucht. Bei diesem Besuch hat Gott viel geweint und hat seitdem einige Falten mehr auf der Stirn.

Dieses Mal soll es aber mehr um Gelungenes gehen. Was für eine kühne Idee. Sie stammte von Jesus. Gott ist auf der Suche nach Liebe und Friede und Gerechtigkeit, nach Lächeln und Umarmungen, nach Sehnsucht und Glück.

Erste Station: Eine Großstadt, Fußgängerzone kurz vor Ladenschluss. Die Menschen hasten und drängen sich an Gott vorbei. Einige rufen: „Platz da!“ oder „Steh nicht im Weg!“ Andere tragen Taschen und Tüten und sehen einander nicht an. Wieder andere telefonieren lautstark oder tippen in ihre Smartphones irgendwelche Nachrichten an irgendwelche Menschen. Da fällt Gott auf, wie viel leichter es beim letzten Mal war, nach dem zu schauen, was nicht stimmte.

Und dann plötzlich sind sie da. Mitten auf einem Platz. Mitten im Trubel. Zwei junge Menschen, die sich an der Hand halten, tief in die Augen blicken, miteinander reden, lächeln. Manche der Vorbeieilenden rempeln die beiden an. Die lassen sich nicht stören. Schenken sogar den Remplern ein Lächeln, was diese kopfschüttelnd quittieren. Vor allem aber haben sie ein Lächeln füreinander.
Und auch Gott muss lächeln wie schon lange nicht mehr.

Nächste Station: Ein Parkhaus, ca. eine halbe Stunde später. Die Autos bilden Schlangen. Als hätten die Menschen sich verabredet, alle zur gleichen Zeit losfahren. Es wird gehupt, gedrängelt. Einer kurbelt das Fenster runter und schreit etwas. Die Worte sind nicht zu verstehen, aber es ist klar, dieser Mensch ist sehr wütend.

Und irgendwo dazwischen: ein Mann mit drei prall gefüllten Einkaufstüten. Er wirkt etwas desorientiert, hat offensichtlich vergessen, wo sein Auto steht. Er läuft auf und ab, zwischen den Autos hindurch, die in der Schlange stehen, und immer, wenn die Schlange sich auch nur wenige Zentimeter nach vorne bewegen kann, wird er durch Hupen, erhobene Fäuste und ausgestreckte Mittelfinger vertrieben. Und dann passiert, was passieren muss. Beim Versuch, einem Auto auszuweichen, das mit quietschenden Reifen anfährt, reißt eine der Tüten. Als er daraufhin probiert, die reißende Tüte abzufangen, fallen ihm schließlich die übrigen zwei Tüten aus der Hand. Äpfel und grüne Gurken, Konservendosen und Hustenbonbons gleiten über den Asphaltboden des Parkhauses. Der Mann scheint verzweifelt, versucht alles in die zwei noch heilen Tüten zu füllen, was nicht gelingen will.

Plötzlich stehen zwei Kinder neben ihm. Eine Frau kommt angerannt. Offensichtlich die Mutter der beiden. Sie hat eine Stofftasche in der Hand, die sie freudig schwenkt. Und da ist es wieder: dieses Lächeln, bei der Frau, dann auch bei dem Mann. Bei den Kindern verwandelt sich das Lächeln sehr schnell in ein lautes Lachen. Schnell wird alles in die Tüten und die Stofftasche gestopft. Die meisten Menschen, die vorbeifahren, haben nur ein Kopfschütteln übrig. Einige ganz wenige lassen sich von dem Lachen anstecken. Als alles eingeräumt ist und der Mann aufblickt, sich bedankt und immer noch alle lächeln, sagt er: „Nein, das gibt’s doch gar nicht! Hier ist ja mein Auto.“

Dritte Station: Ein Stadtviertel, das als sozialer Brennpunkt gilt. Schon lange keine Polizei hier mehr unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen. Dafür zahllose Menschen unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Kulturen. Man hört gleichzeitig mindestens drei Sprachen, sieht Menschen mit langen Gewändern, mit Kopftüchern, Männer mit langen Bärten. Andere tragen zerrissene Jeans und haben die Haare bunt gefärbt. Wieder andere in Anzug oder Kostüm mit Aktentaschen eilen sich ständig umblickend durch diese Stadtviertel.

Und dann plötzlich passiert es. „Halt!“, schreit da eine Frau mit Kopftuch, die einen Kinderwagen schiebt und noch zwei weitere Kinder dabei hat, „Bleiben Sie stehen!“ Viele drehen sich um. Sie schreit weiter: „Sie da. Ich meine den Herrn im blauen Anzug mit der braunen Aktentasche und dem beigen Trenchcoat über dem Arm.“ Er dreht sich um, unsicher, ob er reagieren soll oder sich doch lieber zur Flucht bereitmachen. Sicherlich wartet schon einer mit einem Messer an der nächsten Häuserecke auf ihn, wenn er auf das Rufen reagieren würde. Die Frau lässt sich nicht beirren. „Sie da. Sie haben ihr Portemonnaie verloren.“ Sie streckt es hoch. „Hier ist es!“

Und da ist es schon wieder, dieses Lächeln. Bei dem Mann, bei der Frau, auch bei den Kindern und sogar bei einigen, die vorbeilaufen. Der Mann kehrt um, man schüttelt Hände, spricht miteinander. Und das Lächeln auf den Gesichtern bleibt die ganze Zeit – auch auf dem Gesicht von Gott.

So geht Gott von Station zu Station seines Besuchs auf der Erde. Und immer wieder sieht er dieses Lächeln. Und immer wieder muss auch Gott lächeln und sich freuen über Liebe und Gerechtigkeit und Friede und über Verständnis, Hilfsbereitschaft und Versöhnung.

Und als Gott zurückkehrt, hat er wieder einige Falten mehr. Dieses Mal allerdings Lachfalten.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2020" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 7,90

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