Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.11.2020 01:00 Alter: 34 days

Bibel AnDenken Andacht November 2020


Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2020 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch November 2020: Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9 (L)

Andacht November 2020
- von Cornelius Kuttler, Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg -

Getröstet!
Einstieg:

Über Traurigkeit und Getröstet werden zu sprechen, ist nicht einfach. Es braucht einen Raum des Vertrauens, damit Jugendliche und junge Erwachsene sich trauen, von eigenen Erfahrungen und Gefühlen zu sprechen. Ein Lied könnte hier einen emotionalen Anknüpfungspunkt bieten, z. B.: „Nur zu Besuch“ (Tote Hosen), „Geboren, um zu leben“ (Unheilig), „Der Weg“ (Grönemeyer). Dieses Lied wird zu Beginn abgespielt.
Zu diesem Lied wird der Liedtext im DIN-A3-Format ausgelegt und jede/ eder erhält zwei Kärtchen, die jeweils mit einem lachenden oder weinenden Emoji (DIN A 6) bedruckt sind. Diese Kärtchen werden an Textzeilen auf dem Liedblatt gelegt, die emotional berühren oder an eigene Lebenserfahrungen erinnern. Es kann sich ein Gespräch über die mit Emojis markierten Liedzeilen anschließen.

Andachtsimpuls zu Jeremia 31, 9
Es gibt Momente im Leben, da geht nichts mehr. Da hilft es nicht mehr, zu sagen: „Kopf hoch, das wird schon wieder.“ Weil wir eben nicht die Hoffnung haben, dass etwas wieder gut wird. Manchmal ist es einem nur noch zum Heulen! Von einem solchen Moment erzählt der Monatsspruch für November aus Jeremia 31, 9: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ 2500 Jahre ist dieser Satz schon alt. Damals hatten Menschen in Israel durch einen Krieg ihre Heimat verloren. Sie waren verschleppt worden in ein fremdes Land. Und Gott schien weit weg zu sein.

Und mitten in einer solchen Situation ohne jede Hoffnung formuliert der Prophet Jeremia diesen Satz: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Dieser Satz spricht davon, dass die Vertriebenen irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren werden. Aber sie kommen nicht als Sieger. Sondern sie haben unendlich viel durchgemacht. Zum Heulen ist ihnen zumute. Sehr realistisch spricht die Bibel davon, wie das Leben ist.

Gott ist keiner, der zu uns sagt: „Reiß dich zusammen. Heul nicht rum!“ Bei Gott müssen wir nicht so tun, als ob alles in Ordnung ist, sondern wir können ehrlich sein. Wir können ehrlich zeigen, wenn uns zum Heulen ist. Es mag sein, dass wir uns manchmal zusammenreißen müssen und nicht das herauslassen können, was uns tief im Inneren bedrückt. In der Schule, im Beruf und bei unseren Freunden müssen wir vielleicht so tun, als ob wir alles im Griff haben.

Aber die Bibel spricht ehrlich davon, wie das Leben ist. Es gibt diese Momente, in denen es uns zum Weinen ist. Zugleich spricht die Bibel davon, was in den Tränenmomenten des Lebens tröstet: nämlich, dass es keinen einzigen Moment in unserem Leben gibt, in dem wir allein sind. Sondern Gott ist da. Immer.
Das tröstet: dass Gott da ist. Selbst dann, wenn wir meinen, wir wären ganz allein. Dafür steht das Kreuz von Jesus: dass Gott hineinkommt in die Tiefen des Lebens. Gerade dann, wenn wir ganz unten sind, ist er da.

Von Martin Luther wird erzählt, wie ihn seine Frau getröstet hat in einer der depressiven Phasen seines Lebens. Luther war gefangen in einer tiefen Traurigkeit, keine Aufmunterung erreichte sein Herz. Als er eines Abends nach Hause kam, saß seine Frau in Trauerkleidung am Küchentisch. Voller Angst um seine Kinder, fragte er sie, wer denn gestorben sei. Seine Frau sah ihn an und sagte: „Gott im Himmel ist gestorben, zumindest scheint Deine Hoffnungslosigkeit dies nahezulegen.“ Dieser seelsorgerliche Trick seiner Frau hat Martin Luther dann geholfen, wieder neuen Mut zu fassen. (Vgl. www.himmelrauschen.de/alltag-bei-luthers/, aufgerufen am 31.5.2019.) Da wird nichts kleingeredet an Sorgen und Traurigkeit. Wahrscheinlich kannte Katharina Luther ihren Mann so gut, dass sie wusste: Hier hilft kein „Kopf hoch. Ist doch nicht so schlimm.“ Sie hat auf einen starken Trost gesetzt. Darauf, dass ihr Mann von Neuem erlebt: Gott ist da. Mitten in der Traurigkeit.

In den Momenten, in denen nichts mehr geht, da hilft es nicht, zu vertrösten. Da helfen auch keine aufmunternden Sprüche. Da hilft nur, da zu sein. So wie Katharina Luther da war für ihren Mann, sich Zeit genommen hat, ihm auf Augenhöhe begegnet ist. Und manchmal hilft auch eine Umarmung mehr als viele Worte. In den Tränenmomenten des Lebens hilft, zu wissen: Nicht nur Menschen sind da, sondern Gott ist da. Dieser Gott, der uns in Jesus sein Gesicht gezeigt hat. Damit ist nicht alles gut und es gibt nicht unbedingt ein Happy End. Aber eines ist sicher: Er lässt uns mit nichts allein. Und das kann helfen, neu Vertrauen zu fassen. Mutig nach vorne zu gehen. Trotz allem.

Konkretion:
Damit es konkret werden kann, was es bedeutet, bei Gott ehrlich sein zu können, haben die Jugendlichen/jungen Erwachsenen die Möglichkeit, einen Brief an Gott/Jesus zu schreiben. Sie können für sich allein aufschreiben, was sie Jesus gerne sagen möchten: ihre Traurigkeit, ihre Bitten. Ihre Hoffnung. Dieser Brief wird in einen Umschlag gegeben, der dann verschlossen wird. Die Jugendlichen/jungen Erwachsenen notieren ihren eigenen Namen und ihre Adresse. Die Mitarbeitenden nehmen die verschlossenen Briefe an sich und bewahren sie ein halbes Jahr auf. Dann schicken sie die Briefe den Schreiberinnen und Schreibern zu.
So haben diese die Möglichkeit, zu entdecken, ob sich an ihrer Situation in diesem halben Jahr etwas geändert hat. Zugleich öffnen diese Briefe den Raum, über eigene Gefühle und die Sehnsucht nach Trost nachzudenken.

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2020" sind möglich bei der
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 7,90

Alle Preisangaben sind inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versandkosten ab 2,95 Euro innerhalb Deutschlands. Die Versandkosten richten sich nach Versandart und Größe.



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