Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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07.12.2017 12:37 Alter: 4 days

Europavisionen – nicht ohne junge Menschen


v.l. Jan Steinhauer, Anni Schöbel und Ferdinand Auwärter mit Kai Küstner (Hörfunkkorrespondent, ARD-Studio Brüssel)

v.l. Jan Steinhauer, Anni Schöbel und Ferdinand Auwärter mit Kai Küstner (Hörfunkkorrespondent, ARD-Studio Brüssel). Foto: aej

Fachgespräch JUGEND in Brüssel

Am 22. November 2017 hat das EKD-Büro Brüssel zusammen mit der  Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) ein weiteres Fachgespräch Jugend unter dem Thema „jung.mobil.aktiv. Meine Zukunft in Europa“ veranstaltet. Im Jahr des Weißbuchs zur Zukunft der EU, von Reflexionspapieren und großen Europavisionen sollten junge Menschen die Gelegenheit bekommen zu äußern was sie im Hinblick auf das Europa von morgen bewegt. Bewusst wurde auf die neuesten Fakten über junge Menschen in der EU und Vorträge über ihre Situation verzichtet. Stattdessen brachten drei Jugendliche - Anni Schöbel aus der Gemeinschaft finnisch-deutscher Jugendlicher, Ferdinand Auwärter und Jan Steinhauer aus der evangelischen Jugendarbeit -  ganz unmittelbar ihre Gedanken und Perspektiven ein. 

Zuvor wurden die Teilnehmer mit einem Filmausschnitt aus „Our Europe“ der jungen dänischen Filmemacher Peter Laugesen und Elena Asklof mit  unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten junger Menschen in der EU konfrontiert. Mit einem jungen arbeitslosen Spanier, der gezwungener Maßen bei seinen Eltern wohnt und sich nach einem eigenständigen Leben sehnt, mit einer jungen Schwedin, die es als Bürde empfindet aus den vielen Möglichkeiten  das Passende für sich zu finden und dem jungen Mann, der sich der identitären Bewegung zugehörig fühlt, weil seine soziale Situation es nicht erlaubt, in einer anderen Wohngegend zu leben und er sich mit den Problemen von Zuwanderung allein gelassen fühlt. 

Die drei Vertreter der jungen Generation vor Ort machten zunächst deutlich, dass die EU für sie ein ganz selbstverständlicher Lebensraum mit vielen Vorteilen ist: Freies Reisen ohne Grenzen, der gemeinsame Euro, keine teuren Roaming-Gebühren. Und auch EU-Programme vermittelt durch Schule, Jugendarbeit oder das Erasmus-Auslandssemester kommen bei ihnen gut an. „Daneben“ so Ferdinand Auwärter, „muss man schon ziemliche viele Kompetenzen mitbringen, um in der EU durchzusteigen.“ Er vermisse den Dialog der EU mit jungen Menschen und für ihn sei kein Masterplan für junge Menschen erkennbar. Dieser sei angesichts z.B. der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen Mitgliedsstaaten aber notwendig. Die Chance etwas Wirksames für  junge Menschen zu tun, sollte die EU nicht vertun. Anni Schöbel, die sich als „Halbfinnin“ bezeichnet und der ihre europäische Identität besonders  wichtig ist, kritisiert das unsolidarische Verhalten der EU-Mitgliedsstaaten bei der Aufnahme von Geflüchteten und wünscht sich, dass nationale Identitäten nicht weiter in den Vordergrund rücken. Jan Steinhauer wies darauf hin, dass die EU ein positiveres Bild von sich transportieren müsse – immer noch werde die „Gurkenverordnung“ weiter tradiert. Bei ihm kämen zu wenig wichtige Informationen an. Hier stünden auch die  Medien in der Verantwortung.

Daran konnten Ellen Durst von der EU-Kommission, Generaldirektion Jugend,  und Jakob von Weizsäcker, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, anknüpfen, die zu den Äußerungen der Jugendlichen Stellung bezogen. Ellen Durst pflichtete der Aussage bei, dass die EU ein neues Narrativ, eine „neue Begründung“ bräuchte. „Die EU muss mehr für (junge) Menschen sein als Euro, Roaming und Frieden“. Auch für Jakob von Weizsäcker war klar, dass die EU Probleme und Herausforderungen offensiv angehen müsse. Dazu zähle er die gegenwärtige Architektur des Euro, die zu wenig gegen die sozialen Unterschiede in der EU bewirke oder einen besseren Schutz der Außengrenzen. Die Bedeutung der EU als Friedenstifterin  erhalte aus seiner Wahrnehmung heraus jedoch wieder mehr Beachtung. Die Menschen verlangen in Zeiten weltpolitischer Veränderungen,  dass die EU sie  beschützt. Was die EU dafür leistet, dürfe nicht nur im Allgemeinen des „alle profitieren davon“ bleiben, sondern müsse die Menschen im Hier und Heute erreichen.

Am Ende dieses ehrlichen und offenen Austausches wurde deutlich, diesen jungen Menschen ist die EU als selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens wichtig, sie sind eine relevante Stimme in der Debatte um eine starke und zukunftsfähige EU und wichtige Botschafter des europäischen Gedankens. Europa-Botschafter in ihrer Generation. So stand am Ende der Apell von Doris Klingenhagen, Referentin für europäische Jugendpolitik, das Politikfeld Jugend auf der europäischen Ebene deutlich zu stärken und mit entsprechenden Programmmitteln auszustatten.


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