Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.02.2019 08:00 Alter: 167 days

Bibel AnDenken Andacht Februar 2019


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2019 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen.

Ein Auszug für den laufenden Monat:
Monatsspruch Februar 2019: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Römer 8,18 (L)

Andacht Februar 2019
- von Bernd Wildermuth, Landesjugendpfarrer der Württembergischen Landeskirche -

Glauben, das etwas andere Lebensprinzip
Andacht
Der Glaube hat viele Geheimnisse und wir haben uns angewöhnt, ihn in eine Wolke von Scham, Diskretion und Verlegenheit einzuhüllen. Ein peinlicheres Gesprächsthema als den persönlichen Glauben lässt sich in unserer Gesellschaft kaum finden. „Glaubst Du an Gott? Betest Du regelmäßig? Glaubst Du an die Auferstehung der Toten und an deine Auferweckung?“ Fragen, über die man nicht spricht, die aber nicht nur fromme Menschen umtreiben. Man könnte das als ein weiteres Indiz für das Verschwinden des Christlichen aus unserer Gesellschaft nehmen. Aber vielleicht stimmt das ja gar nicht. Vielleicht wird deshalb so wenig über den eigenen Gauben gesprochen, weil es kaum etwas Intimeres und Verletzlicheres gibt. Wer seinen Glauben offenbart, der legt sein Innerstes, seine geheimsten Hoffnungen und Wünsche, seine Ängste und seine Sehnsüchte offen dar.

Was ist das also für eine Sache mit dem Glauben? In der ganzen Breite unseres Lebens sind wir darauf aus, Risiken möglichst auszuschalten. Wir versichern uns gegen alle wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Wechselfälle des Lebens. Man will für alle Eventualitäten des Lebens gerüstet sein.

Der Glaube vertritt ein anders Lebensprinzip. „Wir glauben aber, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Wir sind geschaffen wie alle Kreaturen (Luther) und wir erleiden alle das gleiche Schicksal. Darüber können uns keine Besitztümer, keine Krankenhäuser, keine Maschinen und keine Apparaturen hinwegtäuschen. Von Erde sind wir genommen, zu Erde werden wir wieder werden.

Paulus wusste das und Luther wusste das. Und sie haben es beide gewagt, es auch auszusprechen. Das unterscheidet sie von uns heute. Wir wissen zwar auch, dass es so ist, aber wir verheimlichen es ständig vor uns und vor anderen, als ob wir dadurch unserer Vergänglichkeit entgehen könnten. Der Apostel Paulus und der Reformator Martin Luther, sie haben beide der Realität ins Gesicht gesehen und gleichzeitig Hoffnung geschöpft. „… hoffen auf das, was man nicht sieht“ – Wie haben sie das fertiggebracht?

Sie haben ihren Glauben erprobt. Sie haben das, was sie von Gott wussten, was sie über ihn gehört, gedacht und gelernt hatten, dem Leben ausgesetzt - ihrem eigenen Leben. Paulus überspielt den Schmerz nicht, auch wenn es sich zunächst so anhört, wenn er davon spricht, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen, gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Nein, er hält ausdrücklich fest, dass es „im Stöhnen unter dem Gesetz des Todes“ eine tiefe Gemeinsamkeit zwischen der Natur und uns gibt. Und darum spricht er auch nicht wie die Philosophen damals und wie viele Menschen heute von der Erlösung der Seele – er spricht von der Erlösung des Leibes aus Schmerz und Tod. Die Philosophen haben ihn ausgelacht. Die aufgebrachten Menschenmengen haben ihn nur allzu oft verdroschen. Der Schmerz, von dem er spricht, den hat er real verspürt. Er war ein kleiner, kranker Mann, der sich sehnte nach der Erlösung des Leibes und nach einem Ende all der Schmerzensschreie ringsum.

Der Schmerz, die Krankheit, der Tod – sie alle sind mit Händen greifbar und gegenwärtig in unserer Welt, in unserem Leben. Wovon nährt sich unsere Hoffnung, dass es einmal anders sein wird? Paulus schaut auf Jesus. Gott hat ihn herausgeholt aus der Todesnacht. Er hat ihn der Vergänglichkeit entrissen. Er hat ihn nicht vergessen. So wird Gott auch alle anderen nicht vergessen: den Sperling nicht und nicht den Hund und nicht mich.

Und er stellt sich das so vor: So wie Jesus durch Schmerz und Tod hindurch musste, um in ein neues Leben zu kommen, so muss diese ganze Welt unter Schmerzen neues Leben hervorbringen. Der Kopf dieser Neugeburt müsste eigentlich schon sichtbar sein. Für Paulus sind das die Christen, dass sie sich „outen“, sich öffentlich zu erkennen geben. Darauf wartet eigentlich die ganze Schöpfung, sagt er. „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“

Die Christen sind für ihn die Hoffnungsträger für die ganze Welt.

Und sie können das – sie können diese Rolle übernehmen, denn sie sind frei. Sie sind wahrhaft frei. Sie wissen sich von Gott geliebt, gehalten, getragen. Wie ein kleines Kind, das von seinen Eltern abgöttisch geliebt wird, sodass es sich alles erlauben kann, so liebt Gott uns. Und diese Liebe können und sollen wir weitergeben in der Nachfolge Christi: „Liebe und tu, was du willst!“ Jesus hat es uns vorgemacht. Alle Gesetze warf er über Bord, sodass Paulus wenig später schreiben kann: „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Römer 13). Damit lässt es sich leben und sterben.
Amen

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