Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.06.2019 10:58 Alter: 171 days

Bibel AnDenken Juni 2019


© Ria Rubow

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2019 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Juni 2019: Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und Heilsam für die Glieder. Sprüche 16,24 (L)

Andacht Juni 2019
- von Sarah Oltmanns, Landesjugendpfarrerin für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der Evangelisch Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz -

Du bist genug!
Ein Kommentar nach dem Like

Liebe M.,
ich kann gar nicht genug bekommen von deinen Bildern, deinen Texten. Sie sind wunderbar, perfekt. Was für einen liebevollen, wertschätzenden Blick für die Welt du hast, um solche Texte schreiben zu können. Ich glaube, du gehörst zu den Menschen, die noch wissen, was „wertvoll“ für eine Bedeutung hat. Und wo Wertvolles zu finden ist.

Nun hast du auf Instagram einen längeren Text verfasst. Ich bin etwas erschrocken über ihn, ich gebe es zu. Ich bin erschrocken, weil du meinst, du selbst könntest dir nicht sagen, dass du genug seist. Und du fragst, wer dir jetzt sagen kann, dass du wertvoll bist. Wie gerne würde ich dir sagen: „Du bist mehr als nur genug, du bist wundervoll – genauso wundervoll, wie du die Welt siehst. Das kommt aus dir. Ohne deinen wertvollen Blick, ohne deine Liebe für die Welt könntest du niemals ein so schönes Profil auf Instagram schaffen.“ Aber das käme vielleicht etwas platt und pathetisch daher.

Ich bin erschrocken. Zugleich bin ich aber doch froh, froh darüber, dass du aussprichst und beschreibst, was an sich nie endet im Leben und was mit Sicherheit bei jedem*r unbewusst oder verdrängt eine Lebensaufgabe ist: Die Suche nach Bestätigung. Ich glaube, sie hat nichts mit dem Alter zu tun. Mit dem Älterwerden schafft man es halt nur, diese Suche in den Hintergrund zu schieben und andere Dinge wichtiger zu finden. Seine Arbeit zum Beispiel, die an sich auch nichts anderes ist, als sich eine Art Profil zu schaffen, das andere toll finden. Ich hoffe bei allem, was ich bei der Arbeit erwirke oder schaffe, Likes und gute Kommentare zu bekommen. Aber leider ist es in dieser Welt leichter, jemanden zu kritisieren, als freundlich zu jemanden zu sprechen. Wenn ich abends den Tag Revue passieren lasse, dann fallen mir selbst auch eher meine Fehlleistungen auf, als das, was ich gut gemacht habe. Ich bin also selbst auch nicht viel besser als die anderen.

Vor vielen, vielen Jahren habe ich eine Situation erlebt, in der ich gemerkt habe, wie gute Worte tragen können. Sie haben mich damals am Leben erhalten. Mein Vater wollte mit mir wandern gehen. Da war ich 15 Jahre alt und fand Wandern eigentlich nicht gerade gut. Daher hat er sich was Besonderes ausgedacht. Er ist mit mir auf die Zugspitze gefahren und von dort aus Richtung Alpspitze gewandert. Was er dabei nicht richtig bedacht hatte: Dieser „Wanderweg“, der Jubiläumsgrat, ist kein einfacher Wanderweg, sondern ein hochalpiner Weg. Normalerweise sind eine gute Kletterausrüstung und Sicherungsmaterial empfehlenswert. Das Einzige, was ich an Ausrüstung hatte, waren meine neuen Wanderschuhe. Die hatten wir am Vortag gerade erst gekauft.

Ich kann mich an zwei Dinge richtig gut erinnern: Natürlich daran, wie schön die Natur und wie außergewöhnlich die Aussicht war. Überall um mich herum ein einziges Panorama. Wir waren so weit oben, dass mir bei einer Pause der Joghurt explodiert ist, als ich den Aludeckel aufmachte. Ich könnte jetzt Romane schreiben, was ich alles gesehen habe, aber das war an sich nicht so entscheidend. Entscheidend war, dass der Weg gefährlich war und eigentlich zum Absturz hätte führen können. Wir mussten Steilwände hinabsteigen. Überall waren Ösen in die Wände eingebracht, in die man sich mit einem Karabiner hätte klinken können. Wir hatten aber keine Karabiner. An diesen Steilwänden gab es Drahtseile, an denen man sich festhalten konnte. Ich habe mich daran festgehalten, mit ganz festem Griff. Ich musste mit meinen beiden Händen meinen ganzen Körper an diesem Drahtseil festhalten. Unter meinen Füßen ging es über 2000 m bergab. Und es gab, wenn überhaupt etwas zum Betreten, nur Fels, Schotter und Geröll. Eine kleine Unsicherheit hätte gereicht und es wäre steil bergab gegangen. Theoretisch. Denn daran habe ich nicht eine Sekunde lang gedacht. Mein Vater gab mir mit seinen Worten das Zutrauen, dass ich es schaffen werde. Er ermunterte mich, wenn ich über meine wunden Finger klagte. Die wurden nämlich von diesen Drahtseilen mächtig aufgerieben. Und er gab mir Sicherheit, wenn meine Füße auf dem Geröll rutschten. Und überhaupt freute er sich durchgehend über mich. Und sagte es mir auch. Er sagte mir, wie stolz er ist, mit mir diesen Weg zu gehen, und wie stolz er ist, wie gut ich ihn gehen kann.

Erst Jahre später wurde mir bewusst, was wir da eigentlich gemacht hatten. Das war, nüchtern betrachtet, totaler Leichtsinn. Es kam mir aber damals nicht so vor. Im Gegenteil. Von da an wusste ich, dass ich allein mit Zutrauen jede Gratwanderung schaffen werde, auch wenn es rechts und links sehr steil bergab geht. Kein Weg wird zu steil sein. Und mit dieser Erfahrung habe ich auch ein ganz neues Verständnis für meinen Taufspruch erhalten (auch wenn es jetzt doch wieder pathetisch klingt): „Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest“ (Psalm 91, 11 f.). Genau das ist passiert auf dem Jubiläumsgrat. Schutz hat sich mit Zutrauen gepaart. Überhaupt fiel es mir von da an leichter, auch den Zuspruch, den Gott gibt, zu verstehen und anzunehmen. „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen“, sagt Gott – dieser Text wird auch bei Taufen vorgelesen und gilt natürlich nicht nur Jesus, sondern jedem Kind. Gott hat an uns Menschen Wohlgefallen, eben weil wir so viel Wundervolles in uns tragen. Genau das hat mein Vater damals auf dem Berg auch zu mir gesagt. Daher weiß ich, wie gut sich das anfühlt.

Du, liebe M., erkennst es und beschreibst die Profile der anderen, „wie schön und eigenwillig sie doch sind“. Du zeigst es in deiner Kunst, in deinen Bildern, in deinen Texten, was Wohlgefallen ist. Du bist nicht weniger, als du sehen kannst. Du bist mehr als genug.

In Psalm 119 steht: „Lehre mich heilsame Einsicht.“ Im Hebräischen hat die heilsame Einsicht an dieser Stelle auch noch eine andere Bedeutung: „Lehre mich guten Geschmack.“ Guten Geschmack, den hast du. Du beweist es ja mit deiner Kunst. Heilsame Einsicht und guter Geschmack ist also für die damaligen Psalmbeter*innen das Gleiche. Das wünsche ich dir nun, dass dein guter Geschmack dich zu der heilsamen Einsicht führe, wie wertvoll du bist. Sei behütet!

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2019" sind möglich bei der
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Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
E-Mail: bestellungen(at)aej-online.de
Preis pro Exemplar: € 10

Alle Preisangaben sind inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versandkosten ab 2,95 Euro innerhalb Deutschlands. Die Versandkosten richten sich nach Versandart und Größe.


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