Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

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01.02.2020 01:08 Alter: 161 days

Bibel AnDenken Andacht Februar 2020


Foto: unsplash/Nicolas Ladino Silva

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2020 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Monatsspruch Februar 2020: Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. 1. Korinther 7,23 (L)

Andacht Februar 2020
- von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland -

Warum der Mensch kein
Schnäppchen ist

Gedanken zu:
„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“ (1. Korinther 7, 23)

Eine Journalistin der ZEIT beschreibt es als „härtesten Job seiner Laufbahn“. Die Rede ist von Kenneth Feinberg. Er selbst nennt es seine „grauenhafteste Erfahrung“. Dadurch habe sich alles geändert: seine Arbeit, sein Leben, er sich selbst auch.

Als zwei Flugzeuge am 11. September 2001 in das World Trade-Center und ein weiteres Flugzeug absichtlich ins Pentagon gelenkt wurden, waren nicht nur unwiederbringlich Leben zerstört und gewaltige Verwüstungen angerichtet worden. Es hatte sich nicht nur die politische Gefahrenlage deutlich verändert – es ging plötzlich auch um Schadensersatz und um Entschädigung der Opfer. Genau das war die Aufgabe, vor der Kenneth Feinberg stand. Er sollte die Mittel verteilen, die die USA für die Opfer ziemlich schnell bereitgestellt hatte. Aber wie macht man das? Wie berechnet man den Wert eines toten Menschen? Wie viel gibt es für eine Angestellte? Wie viel für einen Topmanager? Und wie viel für eine Topmanagerin, die ja „nur“ eine Frau ist? Wie viel steht einem Feuerwehrmann zu – bzw. den jeweilig überlebenden Angehörigen? Es sollte schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Das war Feinbergs Job. Ein harter Job. Er sollte allen Verletzten und Toten einen Wert beimessen. Es ist großartig, dass die Opfer nicht allein gelassen wurden. Sie brauchten seelische und finanzielle Unterstützung. Ganz klar. Bloß in welchem Umfang?

Allen dasselbe zu geben, wäre eine Option. Vor Gott sind alle Menschen gleich – aber nicht vor dem Wertesystem des Kapitals.

Denn die verschiedenen Menschen haben doch völlig verschiedene Voraussetzungen. Die Hinterbliebenen haben unterschiedliche Verpflichtungen, denen sie nachkommen müssen. Auch wenn jetzt ein Verdienst weniger da ist.

Die einen müssen Wohnungen abbezahlen und Privatschulen finanzieren, die anderen hatten vielleicht pflegebedürftige Angehörige oder waren alleinstehend. Die Menschen sind eben doch verschieden.

Kenneth Feinberg sollte nun gerecht und angemessen die Hilfsgelder verteilen. Das heißt, einen jeweiligen Wert bemessen für die Reinigungskraft wie für den Manager. Und nicht nur unter Betrachtung zum Zeitpunkt ihres Todes, sondern auch mit Blick, was aus ihnen noch hätte werden können.

Es gab auch Überlegungen, den Wert mit einzubeziehen, der sich nicht an Gehaltsbögen und beruflichen Verdienstperspektiven messen lässt, sondern an der Frage: Wie sehr jemand geliebt oder vermisst wird. Doch diesen Aspekt ließ man dann lieber weg. Denn Feinberg erlebte während seiner Begegnungen mit den Betroffenen, was für einen „emotionalen Krieg“ die Diskussion auslöste. Wie will man auch die Stärke der Liebe und die Härte eines Verlustes messen und in Geld ausdrücken? Feinberg wählte darum eine Pauschalsumme für den erlittenen nichtökonomischen Verlust. An 5.562 Personen zahlte er schließlich mehr als 7 Milliarden Dollar aus. Was für ein irrer Job!

Und „natürlich“ bekamen Witwen eines Börsenmaklers deutlich mehr als die eines Feuerwehrmanns. Feinberg erzählt später, dass er dafür gebetet habe, dass niemals irgendjemand wieder eine solche Rolle übernehmen müsse. Doch Entschädigungszahlungen bei Katastrophen werden immer wieder fällig. Und Menschen wie Feinberg verdienen richtig gut daran.
Aber das hat er sich teuer erkauft mit einer erheblichen seelischen Last. Diese Entscheidungslast hat ihn, der über Milliarden zu entscheiden hatte, selbst zum Knecht gemacht.

Auch Lebensversicherungen unterliegen ähnlichen Berechnungsvorgängen: Ich habe einen Wert, den sollen meine Verwandten wenigstens teilweise auch erstattet bekommen, wenn mir etwas zustößt. Die Lebensversicherung bemisst sich aber nicht an dem Wert, der für mich ganz subjektiv geschätzt wird, sondern an meinen Einzahlungen und bisherigen Laufzeiten. Dabei helfen Sterbetabellen, um meine Lebenserwartung möglichst realistisch einzuschätzen. Laut Kosten-Nutzen-Analyse liegt der wertvollste Moment eines Menschen unter Beachtung von diversen Faktoren übrigens um den 25. Geburtstag herum. Aber es wird der Zeitpunkt kommen, da bin ich finanziell betrachtet nur noch eine Belastung ohne Rendite.

Für all diese Betrachtungen zum Wert eines Menschen, zu dem sogar schon Formeln entwickelt wurden, gibt es einen Fachbegriff: „Humankapital“. 2014 wurde „Humankapital“ zum Unwort des Jahres gekürt.

„Humankapital – Der Mensch hat einen Wert!“, könnte man es positiv sagen. Kritisch muss man fragen, ob der Wert eines Menschen nur von seinem ökonomischen Effekt abhängt. …


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